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| 02:40 Uhr

Galateas goldene Badewanne

Mit dem Golbarren-Modell aus dem neuen Moma-Programm hofft Galatea vor allem auf Kunden aus Dubai.
Mit dem Golbarren-Modell aus dem neuen Moma-Programm hofft Galatea vor allem auf Kunden aus Dubai. FOTO: Bernd Brundert/Galatea
Lauchhammer. Das neue Zauberwort von Galatea heißt Moma. Es steht für moderne Materialien. Mit diesem Programm geht der Badewannenhersteller aus Lauchhammer jetzt an den Markt. Für Kunden aus Dubai kann es gern auch golden sein. Jan Augustin

An dieses Ereignis erinnert sich Jenny Seidling noch ganz genau. Es ist die Nacht nach dem Endspiel im Jahr 2008. Deutschland verliert das Finale der Fußball-Europameisterschaft gegen Spanien und Lauchhammer kurze Zeit später fast eines der wichtigsten Unternehmen. Ein Brand zerstört einen großen Teil des Galatea-Werkes. Seit 1880 werden hier, im Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises, Badewannen hergestellt. Das damalige Hammerwerk wurde sogar schon 1725 gegründet. Doch das Traditionsunternehmen rappelt sich nach dem Feuer wieder auf, investiert zwei Millionen Euro und baut eine neue Halle. Heute sind die Spuren des Feuers nicht mehr sichtbar.

Dafür riecht es streng nach Epoxidharz. Jenny Seidling, die Marketingchefin und Assistentin der Geschäftsführung, führt durchs Werk und erklärt die Produktion einer Bade- oder Duschwanne - von der Herstellung eines Modells bis zum letzten Aufpolieren der dann fertigen Wanne. "Wir bezeichnen uns als Manufaktur. Jedes Produkt durchläuft sehr viele Schritte", erläutert die Diplom-Ingenieurin aus Senftenberg. Die Herstellung erfolgt größtenteils in Handarbeit. Zwar ziehen riesige Maschinen die Rohlinge in die typische Form. Die meisten Arbeitsschritte aber werden von Mitarbeitern ausgeführt und ändern sich ständig je nach Größe und Modell.

32 Beschäftigte gibt es derzeit im Werk, inklusive drei Auszubildende. Dazu kommen noch zwei Studenten und ein Praktikant. Gemeinsam stellen sie zwischen 20 000 und 25 000 Wannen pro Jahr her. 3,9 Millionen Euro Umsatz mache die Firma damit aktuell, sagt Jenny Seidling. Es sind Großkunden, die die Wannen von Galatea ordern, und sie kommen aus der ganzen Welt. Luxemburg, Italien, Schweiz, Österreich, Indonesien, Vietnam, Katar und Dubai, zählt die 29-Jährige auf.

Mit dem neuen Moma-Programm, aus dem das Goldbarren-Modell optisch heraussticht, habe Galatea vor allem zahlungskräftige Geschäftsleute im Visier. "Da hoffen wir auf Dubai", sagt Seidling. Moma sei im Sanitärbereich eine Produktneuheit, die klassisches Material mit modernen Farben und Formen vereine. "Hier führt der Weg weg von der tristen weißen Ware hin zu beeindruckenden Metallictönen oder Steinarten wie Marmor und Granit", schwärmt Seidling.

Doch auch wenn es aus dem Lauchhammeraner Werk künftig golden glänzen wird, prophezeit Geschäftsführer Nikolaus Varvaroussis eine schwierige Zukunft. "Wir haben schwer damit zu kämpfen, ein Produktionsstandort zu bleiben", sagte er kürzlich. Die weltweite Konkurrenz sei groß und milliardenschwer. Dabei habe die Acryl-Industrie den gleichen Weg genommen wie der Textilbereich: immer in klassische Billiglohnländer. "Wir leiden unter den Standortkosten", betont Varvaroussis. Um das Werk zu halten, müsse es "eine andere Effizienz" bringen. Der Standort solle aber solange wie möglich gehalten werden: "Das ist eine Verpflichtung den Mitarbeitern als auch der langen Tradition gegenüber."

Zum Thema:
1725 gründet Benedicta Margaretha Freifrau von Löwendal das Hammerwerk in Lauchhammer. Die industrielle Fertigung setzt 1880 ein. Die ersten handgefertigten Gusswannen für Fürstenhäuser entstehen. 1900 ist die Geburtsstunde des Markennamens Galatea. Ab 1968 ist das Unternehmen für die Gesamtproduktion von Badewannen in der DDR verantwortlich. Nach der Wende gründet sich 1992 die Lauchhammer Sanitär GmbH. Ein Jahr später übernimmt die Familie Varvaroussis den Betrieb. Das ist der Startschuss für die Herstellung von hochwertigen Acrylbadewannen und Poolsystemen. Im Jahr 2000 führt die Firma den Markennamen Galatea wieder ein. In den darauf folgenden Jahren bringt das Unternehmen mehrere neue Produktpaletten und Serien auf den Markt. Ab diesem Jahr will Galatea mit "Moma" (Modern Materials) erfolgreich sein.