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| 16:26 Uhr

Von Bayern in die Lausitz
Gästeschiff legt in Großräschen an

Neben schwimmenden Bootsanlegern ist am Montag auch das zukünftige Fahrgastschiff in den Großräschener Stadthafen gehoben worden.
Neben schwimmenden Bootsanlegern ist am Montag auch das zukünftige Fahrgastschiff in den Großräschener Stadthafen gehoben worden. FOTO: Steffen Rasche
Großräschen. Von Bayern in die Lausitz: Die altehrwürdige „MS Herzogstand“ hat einen neuen Hafen gefunden. Von Jan Augustin

Nach langer und beschwerlicher Reise hat das künftige Fahrgastschiff für den Großräschener See am Montag in seinem neuen Heimathafen angelegt. Ein Spezialkran hievte das Boot und die ersten schwimmenden Anleger am Vormittag in das noch einsame ­Becken. Wann das Schiff zur richtigen Jungfernfahrt in See stechen kann, ist allerdings noch ungewiss. Jörg Gabbert von der Lausitzer Unternehmensgruppe BUG als Eigentümer des Bootes und Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) hoffen auf einen möglichst zeitnahen Termin. „Das Schiff ist startklar“, sagt Jörg Gabbert.

Nur: Für die ersten Rundfahrten auf dem fast fertig gefluteten Großräschener See benötigt er eine Sondergenehmigung von der Wasserbehörde des Oberspreewald-Lausitz-Kreises. Und die lässt trotz Antragstellung vor einigen Monaten noch immer auf sich warten, bestätigt Bürgermeister Zenker. Bis Ende Oktober hätte er den vielen Reisegruppen gern dieses Angebot unterbreitet. Aber selbst, wenn es in diesem Jahr nicht mehr klappen sollte, hofft das Stadtoberhaupt auf einen positiven Effekt. Spätestens im nächsten Jahr erwartet Zenker den „Durchbruch“, wenn der komplette See für den Bootsverkehr freigegeben werden soll. „Der See ist ein beliebtes Besucherziel. Das Schiff ist eine gute Werbung“, sagt das Stadtoberhaupt.

Jahrzehntelang drehte die „MS Herzogstand“ ihre Runden auf dem Kochelsee in Bayern. Nun liegt sie im Stadthafen des Großräschener Sees und wartet auf ihre Jungfernfahrt.
Jahrzehntelang drehte die „MS Herzogstand“ ihre Runden auf dem Kochelsee in Bayern. Nun liegt sie im Stadthafen des Großräschener Sees und wartet auf ihre Jungfernfahrt. FOTO: Stadt Großräschen / BUG

„Ein schöner Oldtimer“, schwärmt auch Jörg Gabbert. Das in Hamburg gebaute Ausflugsschiff ist Jahrgang 1938. 80 Jahre lang, Tag für Tag, schipperte die „MS Herzogstand“ ihre Passagiere auf dem türkisblauen Kochelsee in Bayern – bis sie dem dortigen Betreiber wegen der hohen Nachfrage irgendwann zu klein wurde. Maximal 100 Gäste fanden Platz: 75 im überdachten Innenbereich, 25 draußen an Deck.

Auf dem Gelände der Agragensossenschaft Großräschen ist die „MS Herzogstand“ komplett abgestrahlt, konserviert und wieder neu lackiert worden.
Auf dem Gelände der Agragensossenschaft Großräschen ist die „MS Herzogstand“ komplett abgestrahlt, konserviert und wieder neu lackiert worden. FOTO: Stadt Großräschen / BUG

Unter welchem neuen Namen das Fahrgastschiff in See stechen wird, will der BUG-Gesellschafter Jörg Gabbert noch nicht verraten. Herzogstand, so wie der 1731 Meter hohe Berg in den Voralpen, heißt es aber nicht mehr, erklärt er. Bei einer Schiffstaufe soll der neue Name bekannt gegeben werden.

Die Anschaffungs- und Sanierungskosten sollen indes ein „Geschäftsgeheimnis“ bleiben, sagt der 33-Jährige. Neben Geld hat das Unternehmen viel Kraft in das Projekt gesteckt. Mit einem Spezialtransporter war das Schiff im Frühjahr in die 600 Kilometer entfernte Lausitz befördert worden. „Auf dem Gelände der Agrargenossenschaft Großräschen haben wir es komplett instand gesetzt“, erklärt Jörg Gabbert, dessen Firma unter anderem mit dem Betrieb des Sanierungs- und Bekalkungsschiffes „Klara“ Erfahrung in diesem Bereich hat. So wurde etwa die alte Farbe der „MS Herzogstand“ mit einem Sandstrahler vollständig entfernt. Das Boot wurde konserviert und neue Farbe aufgetragen. Der Propeller ist neu, der Motor gewartet. Jetzt schaukelt das Schiff wieder in altem Glanz – und wartet sehnsüchtig auf seine Passagiere.