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| 01:28 Uhr

Gärbehälter in Lauchhammer fliegt in die Luft

Eine Explosion hat sich am Montagmorgen im Biogaspark in Lauchhammer-West ereignet. Links das zerstörte Dach des riesigen Gärrestbehälters. Daneben stehen die intakten Behälter. Die Polizei und das Amt für Arbeitsschutz ermitteln. Foto: Mirko Sattler/sam1
Eine Explosion hat sich am Montagmorgen im Biogaspark in Lauchhammer-West ereignet. Links das zerstörte Dach des riesigen Gärrestbehälters. Daneben stehen die intakten Behälter. Die Polizei und das Amt für Arbeitsschutz ermitteln. Foto: Mirko Sattler/sam1 FOTO: Mirko Sattler/sam1
Lauchhammer. Nur fünf Monate nach dem Brand in einem Trockner des Biogasparkes in Lauchhammer-West ist es am Montagmorgen zu einer Explosion gekommen. Beim Reinigen eines Gärrestbehälters hat sich nach bisherigen Erkenntnissen das Luft-Gas-Gemisch entzündet. Zwei Männer einer Spezialreinigungsfirma haben teilweise schwere Verbrennungen erlitten. Von Manfred Feller

Es ist Montagvormittag. Zerfetzt hängt die Wetterplane über den Rand des großen Gärrestbehälters. Am Unglücksort gleich neben dem Landwirtschaftsbetrieb an der Bundesstraße 169 zwischen Lauchhammer-West und Plessa betretene Mienen der Mitarbeiter. Betriebsleiter Michael Maser steht der Schock noch ins Gesicht geschrieben. Freundlich, aber bestimmt bittet er, die Untersuchungen nicht zu stören. Die Kriminalpolizei und das Landesamt für Arbeitsschutz begutachten die Örtlichkeit, versuchen, das Geschehene zu rekonstruieren.

Die Explosion in dem Behälter hat nach Angaben des Landesamtes zwei Industriereiniger einer in Schwarzheide ansässigen Spezialfirma verletzt. Mit leichteren Verletzungen soll ein 49-jähriger Senftenberger davongekommen sein. Sein 43 Jahre alter Kollege aus Schwarzheide habe schwere Verbrennungen erlitten und ist in eine Berliner Spezialklinik gebracht worden.

Bei derartigen Reinigungseinsätzen sind nach Aussage von Katarina Weisberg, Leiterin des Zentralbereiches des Landesamtes für Arbeitsschutz in Potsdam, aus Sicherheitsgründen immer drei Reiniger im Einsatz. Zwei arbeiten im Innern des Behälters und einer wacht draußen. Dieser Dritte habe in Lauchhammer seine Kollegen aus der Gefahrenzone gebracht und aufgrund ihrer Verbrennungen sofort mit Wasser gekühlt. Diese Aufgabe übernahmen später die alarmierten Feuerwehrleute aus Lauchhammer bis zum Eintreffen der Notfallmediziner.

Nachdem Markus Bernhard, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Bioparkes, zu Hause in Bayern von dem Unglück erfahren hatte, machte er sich sofort auf den Weg nach Lauchhammer. "Dieses Ereignis hat mich wie ein Blitz getroffen", sagt er gegenüber der RUNDSCHAU. Ihm sei es unerklärlich, wie das passieren konnte. Weil es sich bei der Reinigung der Gärrestbehälter um eine sehr sensible Arbeit handelt, würden damit ausschließlich Fachfirmen beauftragt.

Markus Bernhard trifft das neuerliche Ereignis mehrfach. Das Schlimmste sei, dass Menschen verletzt worden sind. Und dann der wirtschaftliche Schaden, der noch nicht benannt werden kann. Erst Ende Februar hatte es in dem vor drei Jahren in Betrieb genommenen Biogaspark, der jährlich bis zu 15 Millionen Kilowattstunden Strom in das öffentliche Netz einspeist, einen Brand gegeben. Das Feuer war in einem verkapselten Trockner für Gärreste ausgebrochen. Der Sachschaden war seinerzeit auf rund 150 000 Euro geschätzt worden.

Wie konnte es zu der Explosion kommen? Sytse Wiersma, Geschäftsführer Technik in der Bioenergie GmbH & Co. KG, die die Biogasanlage in Senftenberg betreibt, erläutert, wie die gefahrlose Reinigung eines Gärrestbehälters in seinem Betrieb erfolgt, ebenfalls durch eine Fachfirma.

Im laufenden Betrieb sind die großen Behälter (in Brieske zwischen elf und 16 Meter im Durchmesser) mit Biogasgülle gefüllt. Das entweichende Methangas sammelt sich unter der ersten Plane, die über der Flüssigkeit hängt, und wird von dort an die Strom erzeugenden Aggregate weitergeleitet. Abgedeckt ist der Behälter mit einer Wetterplane.

Für die Reinigung wird die Gülle abgelassen. Zurück bleiben in der sogenannten Sinkschicht Biogasreste (organische und anorganische Stoffe wie Sand). Das sind im Jahr je Behälter vielleicht zwei bis drei Tonnen. Die müssen in bestimmten Abständen raus.

Bevor die Reiniger hineingehen, müssen die seitlichen Einstiegsluken komplett und das Planendach mindestens zu zwei Dritteln geöffnet werden. Ventilatoren blasen Frischluft in die Luken, damit das Gas entweichen kann. Ein Lüfter laufe auch während der Reinigung.

Bevor ein Mensch den Behälter betritt, wird der Gasgehalt gemessen. Habe er den unbedenklichen und gleichzeitig nicht entzündlichen Wert deutlich unterschritten, steigen die Industriereiniger hinein. Sie arbeiten unter Schutz und sind mit einem persönlichen Gasmessgerät ausgestattet. Dieses schlägt bei einer zu hohen Methangaskonzentration an. Aus der zurückgebliebenen Flüssigkeit in den Gärresten entweicht nach wie vor das Gas.

Für die Reinigung werde oft auch Technik eingesetzt, die von außen über dem Behälterrand im Innern tätig wird und die Arbeit erleichtert.

Wie von Sytse Wiersma zu erfahren ist, werde die Reinigung selbst noch einmal vom Anlagenbetreiber überwacht. "Wenn man sich an alle Sicherheitsvorschriften hält, dann kann nichts passieren", sagt der Geschäftsführer. Die Ermittler müssen die Ursache nun herausfinden.

Zum Thema:

Ende Januar 2011 hatte es in der Filteranlage des Energieerzeugers der Biogasanlage in der Senftenberger Grubenstraße gebrannt. Nur einen Monat später stiegen dicke Qualmwolken aus dem Trockner des Bioparkes in Lauchhammer. Jetzt dort die Explosion. Bundesweit hat es noch viel schlimmere Ereignisse gegeben, zum Beispiel in Riedlingen (BW) und Daugendorf (Kreis Biberach). Sind Biogasanlagen eine Gefahr? "Im Normalbetrieb sind sie sicher", sagt Katarina Weisberg vom Landesamt für Arbeitsschutz in Potsdam.