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| 20:00 Uhr

Sportliches Jubiläum
Als Hexe und Haio über den Platz fegten

 Rainer Jannaschk brennt noch immer für seinen Verein. Allerdings ist er unglücklich über den jüngsten Abstieg der ersten Männermannschaft aus der Landesklasse. „Ich hoffe auf bessere Zeiten“, sagt der 72-Jährige.
Rainer Jannaschk brennt noch immer für seinen Verein. Allerdings ist er unglücklich über den jüngsten Abstieg der ersten Männermannschaft aus der Landesklasse. „Ich hoffe auf bessere Zeiten“, sagt der 72-Jährige. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack
Großräschen. In Großräschen wird seit 100 Jahren Fußball gespielt. Eine Familie hat den Spielbetrieb über Jahrzehnte mitgeprägt. Sportplatz-Kind Rainer Jannaschk erinnert sich. Von Torsten Richter-Zippack

Normalerweise werden Kinder in bestimmten Dörfern oder Wohnvierteln groß. Das war bei Rainer Jannaschk nicht anders. Allerdings hat der heute 72-jährige Großräschener seine Kindheit vorrangig auf dem Sportplatz verbracht, erinnert sich der Pädagoge. „Mein Vater war bis zu seiner Pensionierung vor genau 50 Jahren als Platzwart auf der Anlage an der damaligen Ernst-Thälmann-Straße (heute Calauer Straße) tätig. Das Fußballfeld und die Nebenanlagen bedeuteten sein Leben“, erinnert sich Rainer Jannaschk. Mehr noch: „Vater hat Anfang der 1960er-Jahre mitgeholfen, die neue Spielstätte, den heutigen A-Platz, aufzubauen. Das war damals noch echte Handarbeit.“

Die Liebe des Vaters zum runden Leder kommt nicht von ungefähr. Während seiner aktiven Spielzeit war Paul Jannaschk als „Fußball-Hexe“ bekannt und gefürchtet. „Er galt im Großräschener Arbeiterfußball als begnadeter Linksbeiner und als guter Techniker“, berichtet Sohn Rainer Jannaschk. Der heutige Großräschener Fußball ist aus der Vereinigung der jeweils im Jahr 1919 gegründeten Vereine Alemannia und Freie Turnerschaft (später SC Vorwärts) hervorgegangen. Anno 1950 wurden die Räschener als ZSG sogar Meister in der Landesklasse Brandenburg. Während der kommenden Jahre mauserte sich die damalige Industriegemeinde neben den Briesker Knappen zu einer Fußball-Hochburg. „Nicht nur Tagebaue und Brikettfabriken sorgten für die DDR-weite Bekanntheit unseres Heimatortes, sondern auch unsere Spieler“, resümiert Jannaschk.

„Leider habe ich Vaters aktive Fußballzeit nicht mehr aktiv mitbekommen. Dazu war der Altersunterschied zu groß“, bedauert Rainer Jannaschk. Doch wohin er als Spieler auch kam, überall wurde er auf seine „Fußball-Hexe“ angesprochen. „Das hat mich schon ein wenig stolz gemacht“, resümiert er. Rainer Jannaschk wird übrigens bis heute von den Kickern „Haio“ genannt. „Als Kind konnte ich nicht richtig „hallo“ sagen, und so hatte ich meinen Spitznamen weg.“

 Ingo Lüdeke ist der Autor der Räschener Fußball-Chronik. Viele Jahre Arbeit stecken in dem fast 200-seitigen Werk.
Ingo Lüdeke ist der Autor der Räschener Fußball-Chronik. Viele Jahre Arbeit stecken in dem fast 200-seitigen Werk. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack

Jannaschk Junior begann seine fußballerische Karriere im Alter von zehn Jahren. Mit Begeisterung denkt der Großräschener noch an die Übergangsspielzeit zurück, als er von der Jugend in den Männerbereich wechselte. „Damals hatte ich in 15 Spielen 16 Tore erzielt.“ Im Jahr 1972 wurde Rainer Jannaschk mit seiner BSG Aufbau Bezirksmeister und stieg in die DDR-Liga, die damals zweithöchste Spielklasse, auf. Nach nur einer Saison folgte allerdings der Abstieg.

Nach seiner Spielerkarriere fungierte Jannaschk als Trainer und Übungsleiter. Gemeinsam mit seiner Frau leitete er den außerschulischen Sport. Noch immer ist der Großräschener seinem Verein treu. „Das passiert eben, wenn man da hinein wächst“, kommentiert der Pädagoge. Würde sein Vater heute die Fußballplätze sehen können, wäre er sicher stolz. „Trotz der aktuellen Trockenheit wächst der Rasen wunderbar. Schon meine Fußball-Hexe hat auf die regelmäßige Bewässerung größten Wert gelegt.“

 Die Großräschener E-Junioren (im Bild sechs von elf Spielern) mit ihren Trainern Jan Schober (l.) und Steffen Orlikowski (r.) haben entschieden, den Inhalt ihrer Mannschaftskasse an die Kinderkrebsklinik im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum zu spenden. Zusammen kommt ein Betrag von 138,50 Euro. „Die kranken Kinder können kein Fußball spielen. Deshalb wollen wir ihnen eine Freude bereiten“, fasst der zehnjährige Torwart Torben Schober (liegend) zusammen.
Die Großräschener E-Junioren (im Bild sechs von elf Spielern) mit ihren Trainern Jan Schober (l.) und Steffen Orlikowski (r.) haben entschieden, den Inhalt ihrer Mannschaftskasse an die Kinderkrebsklinik im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum zu spenden. Zusammen kommt ein Betrag von 138,50 Euro. „Die kranken Kinder können kein Fußball spielen. Deshalb wollen wir ihnen eine Freude bereiten“, fasst der zehnjährige Torwart Torben Schober (liegend) zusammen. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack

In jüngster Zeit war Rainer Jannaschk neben Raimund Galert als Korrekturleser für die Chronik „100 Jahre Fußball in Großräschen und Umgebung“ aktiv. Das Werk, verfasst vom Abteilungsleiter Fußball, Ingo Lüdeke, ist pünktlich zur 100-Jahr-Feier, die am ersten Juli-Wochenende stattfindet, erschienen. Lüdeke hat eigenen Angaben zufolge seit einem Vierteljahrhundert jeden Zeitungsartikel über die SG Großräschen gesammelt und in mehreren Archiven recherchiert. Auf 186 Seiten wird jetzt die Historie des örtlichen Fußballs Saison für Saison mit vielen Details nachempfunden.

Sowohl Ingo Lüdeke als auch Rainer Jannaschk werden am bevorstehenden Wochenende auf dem Großräschener Sportplatz anzutreffen sein. Dort steigt schließlich die 100-Jahr-Feier. Und: Zu diesem Anlass ist auch die druckfrische ­Räschener Fußball-Chronik erhältlich. Das Programm zum Jubiläum vom 5. bis zum 7. Juli ist im Internet unter www.svgrossraeschen.de abrufbar.