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| 17:21 Uhr

Ufer und Gewässer komplett gesperrt
Furcht vor Flutwelle am Senftenberger See

Betreten Verboten - Lebensgefahr: Nach der Sperrung des Senftenberger Sees gilt das nun auch am kompletten Ufer, so wie seit zwei Wochen auf Niemtscher Seite (Bild). Geotechniker befürchten durch einen erneuten Abrutsch an der Insel eine Schwallwelle, die gefährlich werden könnte.
Betreten Verboten - Lebensgefahr: Nach der Sperrung des Senftenberger Sees gilt das nun auch am kompletten Ufer, so wie seit zwei Wochen auf Niemtscher Seite (Bild). Geotechniker befürchten durch einen erneuten Abrutsch an der Insel eine Schwallwelle, die gefährlich werden könnte. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg. Südbrandenburgs beliebtestes Badegewässer kommt einfach nicht aus den Schlagzeilen. Nach der Rutschung vor zwei Wochen und der Vollsperrung des Sees gilt jetzt auch am kompletten Ufer: Betreten verboten – Lebensgefahr. Von Jan Augustin

Die Hiobsbotschaften vom touristischen Vorzeigesee aus der Lausitz reißen nicht ab. Nach der Rutschung vor zwei Wochen, als ein etwa fünf Hektar großes, bewaldetes Inselstück im Senftenberger See versunken ist, nach der Sperrung erst der angrenzenden Niemtscher Bucht, dann des ganzes Sees, ist jetzt auch der komplette Uferbereich als lebensgefährliche Sperrzone ausgewiesen worden. Das bestätigt der Präsident des Landesbergamtes, Hans-Georg Thiem, am Donnerstag. Grund für das rigorose Nutzungsverbot ist die „vertiefende Einschätzung“ eines Sachverständigen für Geotechnik, der bei einer erneuten Rutschung die Höhe einer möglichen Schwallwelle berechnet hat. Der Behördenchef betont: „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme.“ Bei dem Setzungsfließen vor zwei Wochen, das vermutlich durch das Getrampel einer Rotte Wildschweine ausgelöst wurde, hatte ein Augenzeuge von einer Art Mini-Tsunami berichtet. Bedingt durch den weiter sehr niedrigen Wasserstand von aktuell etwa 98 Metern bleibt die Insel als ehemalige Innenkippe des Tagebaus Niemtsch weiter stark rutschungsgefährdet. Kommt es zu einem weiteren größeren Abbruch, ist eine für das Ufer gefährliche Flutwelle nicht auszuschließen. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einem geeigneten Sicherungskonzept“, betont Thiem. Mitte Oktober sollen neue Erkenntnisse aus durchzuführenden Lotungen und Drucksondierungen vorliegen und beraten werden. Hauptziel jetzt ist es aber, so schnell wie möglich einen Seewasserstand von 98,30 Metern über Normalhöhennull zu erreichen, um den Sperrbereich wieder aufheben zu können, erklärt Thiem. „Es wird nach wie vor davon ausgegangen, dass bis zur Saison 2019 die Sperrung aufgehoben werden kann.“ Die von mehreren Behörden beschlossene Schützenhilfe zeigt jedenfalls Wirkung.

Zur Anhebung des Wasserstandes im See wird seit Montag unter Ägide der Flutungszentrale der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) Wasser aus den Tagebaurestseen Koschen, Skado und Bluno übergeleitet. Der See füllt sich täglich um bis zu zwei Zentimeter. Das bestätigt LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber. Die Bergbausanierer sind aktuell damit beschäftigt, insgesamt etwa 300 Warnschilder am Ufer aufzustellen, zunächst in Schwerpunktbereichen und Sichtachsen. Der Radweg und die Gaststätten am See sind nicht von der Sperrung betroffen. Besorgten Schiffseigentümern wird jetzt die Möglichkeit eingeräumt, an den Samstagen und Sonntagen im Oktober Sportboote einzuholen beziehungsweise zu sichern.

Der Senftenberger See wird seit mehr als 40 Jahren genutzt. Die Sperrung macht den touristischen Anbietern und privaten Bootsführern einen Strich durch die Rechnung für die laufende Saison, die eigentlich noch bis Ende Oktober läuft. Das Fahrgastschiff musste auf den benachbarten Geierswalder See wechseln.

Sperrgebiet Senftenberger See
Sperrgebiet Senftenberger See FOTO: LR / Katrin Janetzko