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Fundbüro Senftenberg, Großräschen, Lauchhammer
Letzte Hoffnung für Verlierer

Mechthild Taube verwaltet in ihrem Büro im Rathaus Großräschen die Fundsachen. Brillen, jede Menge Schlüssel, Brieftaschen, Handys, Rucksäcke und Handschuhe landen in den Regalen und Schubkästen - bis die Besitzer sich erinnern und nachfragen.
Mechthild Taube verwaltet in ihrem Büro im Rathaus Großräschen die Fundsachen. Brillen, jede Menge Schlüssel, Brieftaschen, Handys, Rucksäcke und Handschuhe landen in den Regalen und Schubkästen - bis die Besitzer sich erinnern und nachfragen. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg/Großräschen/Lauchhammer. Verloren - vergessen - gesucht. Geschichten aus den Fundbüros in Senftenberg, Großräschen und Lauchhammer. Die meisten Fundsachen werden nicht abgeholt. Exot ist eine Schildkröte. Von Torsten Richter-Zippack

Das auffälligste Fundstück, das im Fundbüro in Senftenberg seit einem halben Jahr lagert, ist ein rot-weißes Segelboot. Auch über den Jahreswechsel hat es in der Stadtgarage geschmort. „Es hat sich bis heute niemand gemeldet“, bestätigt Anja Anders vom Senftenberger Ordnungsamt.

Merkwürdig sei, dass das Boot keine Kennzeichnung besitzt wie eigentlich üblich. Gefunden wurde es im vergangenen Sommer am Senftenberger See in Großkoschen. Sollte sich auch weiterhin niemand melden, der genau dieses Boot vermisst, soll es bei der nächsten Versteigerung unter den Hammer kommen.

Insgesamt 151 Fundsachen wurden im Jahr 2017 im Senftenberger Fundbüro abgegeben, rechnet Anja Anders vor. Zwölf Monate zuvor waren es sogar 216 Exponate. Besonders schusselig scheinen die Besucher der Seestrände sowie des Erlebnisbades zu seien. Denn dort wurden die meisten herrenlosen Gegenstände aufgefunden. Und was die ehrlichen Finder so alles zu Anja Anders bringen: Schlüsselbunde, Fahrräder, Schmuck, Handys, Geldbörsen und und und.

Das rot-weiße Segelboot ist der spektakulärsten Fund des Jahres 2017 in Senftenberg. Der Besitzer hat sich bis heute nicht gemeldet.
Das rot-weiße Segelboot ist der spektakulärsten Fund des Jahres 2017 in Senftenberg. Der Besitzer hat sich bis heute nicht gemeldet. FOTO: Stadt Senftenberg

Stichwort Fahrräder: Dort reiche die Bandbreite von schrottreifen Drahteseln aus DDR-Zeiten bis hin zu hochwertigen, fast neuen Zweirädern. Nicht selten riefen Anwohner im Fundbüro an, dass vor ihren Mehrfamilienhäusern unangeschlossene Räder stünden. „Anhand der Rahmennummer ermitteln wir zunächst, ob das jeweilige Fahrrad in Fahndung steht“, erklärt Anja Anders. Aufs Jahr gerechnet liege dieser Anteil allerdings bei lediglich fünf Prozent. Aufbewahrt werden die Fundstücke für ein halbes Jahr. Dann könne der Finder sein Exponat kaufen. Verzichtet er darauf, gelangten die Exponate zur öffentlichen Versteigerung. Die nächste findet voraussichtlich in diesem Jahr auf dem Senftenberger Markt statt. Übrigens: Im Jahr 2017 sind von den 151 Fundsachen nur 34 an die jeweiligen Eigentümer zurückgelangt.

Im Fundbüro Großräschen führen Schlüsselbunde die „Hitliste“ an. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben von Stadtsprecherin Kati Kiesel elf Stück abgegeben, acht davon kamen an die Besitzer zurück. Von den vier gefundenen Fahrrädern habe sich noch kein Eigentümer gemeldet. Kurioserweise fanden sich im Fundbüro der IBA-Stadt auch drei Autokennzeichen wieder. Diese wurden während der Überflutung der Bahnunterführung von den Fahrzeugen getrennt. Längst seien die Schilder allesamt an ihre Besitzer zurückgegeben worden. Übrigens: Die aktuelle Großräschener Fundliste ist auf der Internetseite der Stadt einsehbar. Sie werde alle 14 Tage aktualisiert.

In Lauchhammer wurden 2017 unter anderem Schlüsselbunde, Geldbörsen und persönliche Papiere, Handys, Brillen und Taschen abgegeben, heißt es aus dem Rathaus. Fahrbereite Fahrräder gingen nach dem Ablauf der Aufbewahrungsfrist zu 99 Prozent an den Finder zurück. Stark reparaturbedürftige Drahtesel würden nach Fristablauf einem Verein zur Ersatzteilgewinnung zur Verfügung gestellt.

Was viele nicht wissen: Auch Tiere werden regelmäßig in den Fundbüros der Region eingeliefert. 2017 waren es allein zwölf in Senftenberg. Meistens handele es sich um entlaufene Hunde und Katzen, die zunächst in einer Behausung der Feuerwehr untergebracht würden. Exot des Jahres war indes eine im Stadtzentrum gefangene, rund 20 Zentimeter große Schildkröte. Innerhalb weniger Tage, so erinnert sich Anja Nickel, habe der Besitzer sein ausgebüxtes Tier freudestrahlend wieder in Empfang genommen. Wer von den Vierbeinern nicht so viel Glück hat, müsse nach einer gewissen Zeit ins Tierheim nach Langengrassau bei Luckau umziehen.

Großräschen meldet für das Jahr 2017 elf abgegebene Katzen. Zwei hätten Betreuer gefunden, neun kamen ins Tierheim. Von den sechs Fund-Hunden gelangten vier an die Besitzer zurück. Einer musste ins Tierheim, für einen weiteren habe sich ein Betreuer gemeldet. Werden Tiere in Lauchhammer aufgefunden, müssten sie in eine Kolkwitzer Tierpension umziehen, sollte sich kein Herrchen oder Frauchen finden.