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| 17:36 Uhr

Für Potsdam ist der Fall Lauchhammer formal klar

Lauchhammer/Potsdam. Das Betreten der Keller der Häuser, die an der Wilhelm-Külz-Straße in Lauchhammer auf gekippten und gefährdeten Flächen erbaut sind, ist durch den Sachverständigen für Böschungen gestattet worden. Kathleen Weser

Das erklärt Dr. Uwe Steinhuber, der Sprecher der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Nach wie vor dürften aber Erschütterungen erzeugende Geräte wie Waschmaschinen und Generatoren in den betroffenen Gebäuden nicht benutzt werden. "Verkehrsberuhigende Maßnahmen vor Ort entlang der Zufahrtsstraße bezüglich des Lkw-Verkehrs" würden abgestimmt und veranlasst. Die Verhaltensregeln, mit denen das Auslösen von Setzungen des Geländes mit flurnahem Grundwasserstand und besonders locker gelagerten Sanden verhindert werden soll, gelten laut Bergbausaniererin ebenso für die ansässigen Gewerbebetriebe. Diese seien jedoch, auch die Tonnage für Fahrzeuge betreffend, den konkreten Bedingungen der Grundstücke entsprechend differenziert. In Bereichen mit entsprechend hoher Überdeckung des wassergesättigten Teils der Kippe sind demnach auch Tonnagen bis maximal 40 Tonnen möglich. Anwohner hatten ihr Unverständnis darüber geäußert, dass die eigenen Grundstücke nur noch im Schritttempo mit dem Auto (bis 2,8 Tonnen) erreichbar sind, aber auf der Zufahrtsstraße weiter die Brummis donnerten.

Die LMBV stellt in Aussicht, das betroffene Gelände an der Külzstraße langfristig durch Senken des natürlichen Grundwasserstandes, bautechnische Verbesserung der Gebäude-Statik und Sichern der angrenzenden Kippenareale wieder vollumfänglich nutzbar zu machen.

Das Problem Lauchhammer ist dem Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (MIL) in Potsdam bekannt. Das erklärt Sprecher Jens-Uwe Schade. Die zuständige Gemeinsame Landesplanung in Cottbus sei damit befasst. Die fachliche Einschätzung obliege allerdings dem Bergamt. Das Vogelsänger-Ministerium sei "erst nach Abschluss der Untersuchungen und Bewertungen durch das Landesbergamt" bei der Finanzierung mit im Boot. "Es gibt allerdings einen Aspekt, den wir jetzt schon klarstellen wollen", so Schade. "Bauvorhaben zur touristischen Aufwertung der ehemaligen Braunkohleregionen" - wie der Koschener Kanal, den die betroffenen Eigentümer angesichts ihrer existenziellen Probleme durch das Bergbau-Erbe kritisieren - "führen nicht dazu, dass die Menschen allein gelassen werden", sagt er. "Rein formal" gebe das Verwaltungsabkommen für die Jahre 2013 bis 2017 "alle Möglichkeiten, um in Lauchhammer tätig zu werden - wenn die Ergebnisse der Fachbehörden vorliegen und daraus konkret zu beantragende Projekte ableitbar sind", erklärt Jens-Uwe Schade.

Zum Thema:
Die Grubenteichsiedlung in Lauchhammer-West steht auf einer etwa sechs Meter mächtigen Kippe des Alttagebaus Mückenberg III. Das haben Untersuchungen im Auftrag des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) Brandenburg 2011 ergeben. Der Sachverständige war zu dem Schluss gekommen: Bautechnische Verbesserungen und der dauerhafte Erhalt des Wohnstandortes seien nicht möglich. Die Zukunft ist ungewiss. Das Wohngebiet Pappelweg in Lauchhammer-Ost, 2009 wegen akuter Gefahren nur knapp der Evakuierung entgangen, wird über eine Brunnen-Galerie soweit trocken gehalten, dass die 20-Meter-Spülkippe mit der aufgelagerten Trockenkippe mit zwei bis fünf Metern Mächtigkeit standsicher bleibt. Baulich wird der Plan für die dauerhafte Absenkung des Grundwassers hier umgesetzt. Die betroffenen Gebäude in der Külzstraße sind vermutlich auf einem Kippenausläufer des Pappelweges errichtet. Die Zukunft ist ungeklärt. Für weitere bewohnte Areale in Lauchhammer-Nord laufen noch Untersuchungen.