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Für die Jahreszeit und die Region optimaler Monat

Die Getreideernte erfolgt unter erschwerten Bedingungen.
Die Getreideernte erfolgt unter erschwerten Bedingungen. FOTO: Kupfer/rkp1
Lindenau. Wetterbilanz Juli 2017: Heiße Tage und Donner mit gut verteilten Niederschlägen wechseln. Lausitz wird von Kapriolen verschont. RUNDSCHAU-Wetterfrosch Rudolf Kupfer / rkp1

Der Juli ist "für die Jahreszeit und für die Region optimal" gewesen. Das stellt Michael Wesnigk, Wetterbeobachter aus Klettwitz, fest. Heiße Tage und Donnerwetter im Wechsel seien für den Monat normal. Gut verteilte Niederschläge haben über den ganzen Monat dafür gesorgt, dass die Gießkannen Pause hatten, bestätigt Klaus Kreter in Ortrand.

Widerspruch kommt von den Landwirten. Mit der Getreideernte sind sie wegen des unbeständigen Wetters nicht vorangekommen. "Vor 1960, als noch keine Mähdrescher im Einsatz waren, hätte das zum Ernte-Notstand geführt", erklärt Günter Kobel aus Ortrand. Für den 90-Jährigen ist bemerkenswert, wie die wenigen Landwirte heute das Getreide unter den schwierigen Bedingungen gut in die Speicher bringen. Das ist Nerven aufreibend, schildert Günter Kockro die aktuelle Lage in der Agrargenossenschaft Großräschen. Der Drusch dauert in diesem Jahr wegen dauernder Zwangspausen durch Regen deutlich länger als geplant.

Von Unwettern, die andere Regionen in Brandenburg und in Deutschland heimsuchten, ist die Lausitz im Juli erfreulicherweise verschont geblieben, so Gabriele Haußmann aus Hörlitz. Gegenwärtig wird vor allem in den Kiefernwäldern im Süden des Landkreises Oberspreewald-Lausitz noch Schadholz aufgearbeitet. Sturm und Nässe hatten hier im Juni für umgeknickte und entwurzelte Bäume gesorgt.

Im Juli sind mehrere schwere Gewitter verzeichnet worden, die nicht die sonst übliche Abkühlung brachten. Das stellt Ronny Sommer in Buchwalde fest. Die hohen Temperaturen und Schwüle haben über längere Zeiträume angehalten. Und das wechselhafte Wetter, so seine Prognose, werde sich im August fortsetzen. Dabei stützt er sich auch auf folgende Wetterregeln: "Ist der Siebenschläfer nass (um den 27. Juni), regnet's ohne Unterlass." Und: "Wenn Donner kommt im Julius, viel Regen man erwarten muss." Auch die Wetterregel "Fängt der August mit Donner an, er es bis zum Ende nicht lassen kann" passt.

Die von Klimaexperten vorhergesagte Dürre in der Lausitz ist auch in diesem Sommer nicht eingetreten. Allerdings kann das im kommenden Jahr schon ganz anders sein. "Denn der Regen kommt nicht, wenn der Mensch es will," stellt Erwin Strittmatter in einem seiner Gedichte treffend fest.

Das Wettergeschehen der letzten Wochen bestätigt eine Einschätzung von Walter Beckmann aus Ort rand vom Jahrestreffen der Hobbymeteorologen im Dezember des Vorjahres: "Man neigt zum Dramatisieren, vergisst dabei aber oft zu analysieren."

Mit dem heutigen Beitrag feiert der Freundeskreis der Senftenberger Hobbymeteorologen übrigens ein besonderes Jubiläum: den 300. Monatsbericht in der RUNDSCHAU. Seit Juli 1992 erscheinen sie regelmäßig, dank der Unterstützung vieler.

Zum Thema:
An 23 Tagen ist im Juli messbarer Niederschlag gefallen - 107 Liter pro Quadratmeter (Norm 81). Sechs Gewitter entluden sich über dem Ort, acht in der Nähe. Drei Hitzetage mit mehr als 30 Grad Celsius, zehn Sommertage (mehr als 25 Grad Celsius) und die Höchsttemperatur am 30. Juli von 32,5 Grad Celsius gehen in die Statistik ein. 213 Stunden schien die Sonne (95 Prozent).