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Fünf Jahrzehnte unentwegt unzählige Klimadaten gesammelt

Ingrid Woelk hat Klaus Schmidt zu dessen Abschied ein Dankesschreiben des Wetterdienst-Präsidenten überbracht.
Ingrid Woelk hat Klaus Schmidt zu dessen Abschied ein Dankesschreiben des Wetterdienst-Präsidenten überbracht. FOTO: Rudow
Herzberg. Nach 53 Jahren Wetteraufzeichnungen hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) gestern den Herzberger Klaus Schmidt aus den Reihen seiner Wetterbeobachter verabschiedet. Ingrid Woelk vom DWD in Potsdam war dazu persönlich an die Elster gekommen. Birgit Rudow

Schweren Herzens trenne man sich von Klaus Schmidt als Wetterbeobachter für die Stadt Herzberg, sagte Ingrid Woelk, stellvertretende Leiterin der Regionalen Messnetzgrupppe Potsdam. Sie hatte dem Herzberger neben Blumen, einem Präsentkorb und einem Kalender auch ein Dankesschreiben vom Präsidenten des Deutschen Wetterdienstes Prof. Dr. Gerhard Adrian mitgebracht. Nur wenige Wetterbeobachter seien so lange tätig gewesen wie Klaus Schmidt. Er sei stets sorgfältig und zuverlässig gewesen und habe wertvolles Datenmaterial über das Klima in seiner Heimatstadt an den Wetterdienst geliefert. Diese Daten kämen der Wissenschaft und der Allgemeinheit zugute, zum Beispiel beim Umweltschutz, im Bauwesen oder in der Wasserwirtschaft, heißt es in dem Schreiben des Präsidenten.

Datenreihe führt er weiter

Gern hätte Klaus Schmidt noch ein paar Jahre weiter ehrenamtlich für den Deutschen Wetterdienst gearbeitet. Aber ein Umzug von der Feldstraße in die Schlossstraße lässt dies nicht zu, weil in der neuen Wohnanlage der Stiftung Elsterwerk die Standortbedingungen für eine Niederschlagsstation des DWD nicht gegeben sind. "Dr. Frank Hamann von der Stiftung hat aber genehmigt, dass ich ein Gerät für die Niederschlagsmessung auf dem Grundstück aufstellen und einen Sensor für die Messung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und anderer Daten anbringen kann. Seit dem 1. Oktober messe ich diese Wetterdaten wieder regelmäßig und führe so die Datenreihen für die Stadt Herzberg weiter", sagt Klaus Schmidt. Am 1. Januar 1963 hat er zum ersten Mal Herzberger Daten zum Wetterdienst der DDR nach Leipzig geliefert. In der Nachkriegszeit hatte Klaus Schmidt in Berlin Geografie studiert und auch einige Semester bei den Meteorologen zugehört. Dann hat er sich der Astronomie gewidmet und wurde Astronomielehrer an der Erweiterten Oberschule in Herzberg. Er hat auch das Herzberger Planetarium mit aufgebaut.

In seinem Garten in der Feldstraße hatte er über Jahrzehnte eine Wetterstation und hat mehr als 53 Jahre lang tagtäglich das Herzberger Wetter an den DWD gemeldet. Dazu gehörten die Niederschlagsmengen, Temperaturen und Wind, besondere Ereignisse wie Gewitter, Glatteis oder Hagel, aber auch regelmäßige Monatsberichte, die dann für viele Interessenten in der RUNDSCHAU erschienen sind.

Beim DWD sehr geschätzt

In der Landeshauptstadt Potsdam hat man den rührigen Wettermann aus Herzberg immer sehr geschätzt. Schon im 50. Jahr als Wettermann im Februar 2013 hatte sich Ingrid Woelk in Herzberg bei Klaus Schmidt für dessen Arbeit und bei dessen Frau für deren Unterstützung bedankt. Diesmal war auch etwas Wehmut dabei. Man trenne sich wirklich schweren Herzens, sagte sie noch einmal.

Der Deutsche Wetterdienst hat für die standardgemäße Niederschlagsmessung in der Stadt Herzberg bereits einen Nachfolger für Klaus Schmidt gefunden. Ronny Lange in Osteroda wird die Messungen fortführen. "Im Vorfeld hat es Gespräche mit dem DWD gegeben. Die Standortbedingungen passen. Als Landwirt habe ich grundsätzlich Interesse an Wetter und Klima. Ich weiß auch, wie wichtig solche Daten zum Beispiel in Genehmigungsverfahren sein können", sagt Ronny Lange.