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| 02:32 Uhr

Frust an vielen Bushaltestellen im Oberspreewald-Lausitz-Kreis

Auch auf der Linie 601 zwischen Senftenberg und Lauchhammer sind in den letzten Tagen etliche Fahrten ausgefallen.
Auch auf der Linie 601 zwischen Senftenberg und Lauchhammer sind in den letzten Tagen etliche Fahrten ausgefallen. FOTO: Jan Augustin
Senftenberg. Ein extrem hoher Krankenstand bei den Fahrern sorgt derzeit für etliche Ausfälle – und für Ärger bei Kindern, Eltern, Schulen und Kunden. Jan Augustin

Mit der Stadtlinie will Peter Krüger am Freitag zum Senftenberger Bahnhof fahren. Von dort soll es mit dem Zug nach Cottbus gehen. Ein Arzttermin für die Tochter ist lange geplant. Doch daraus wird nichts. Mehr als eine Stunde wartet er mit Frau und Kind an der Haltestelle Ahlbecker Straße. Dann kommt, viel zu spät, der Bus endlich. Doch die junge Familie darf nicht mit, teilt ein aufgeregter Peter Krüger (28) am RUNDSCHAU-Telefon mit. Der Kinderwagen sei zu groß und versperre den Eingang, habe ihm die Busfahrerin gesagt. Peter Krüger ist stinksauer, ruft beim Südbrandenburger Nahverkehr (SBN) an und verlangt eine Erklärung. Die Fahrer seien alle krank, habe man ihm gesagt, er könne doch laufen. Was er erlebt hat, kann Peter Krüger nicht glauben, er will eine Entschuldigung.

Ärger mit dem Busverkehr im OSL-Kreis haben derzeit viele Menschen, die auf eine Beförderung angewiesen sind. Vor allem Kinder, ihre Eltern und Senioren sind betroffen. An Haltestellen warten sie teilweise umsonst. Das sagt auch Hortbetreuerin Kathrin Wittforth aus Annahütte. "Die Situation ist sehr unangenehm und schwierig", sagt sie. Mit den Eltern sei vereinbart worden, dass die ihre Kinder bis zum Ferienstart selbst abholen.

Dutzende Fahrten fallen derzeit flächendeckend aus. Das bestätigt Birgit Laurisch, Leiterin der Verkehrsplanung bei der Verkehrsgesellschaft Oberspreewald-Lausitz (VGOSL). Von Anfang Juni bis zum 5. Juli sind das ihren Angaben zufolge auf 14 Linien 128 Fahrten gewesen. Zwei Gründe gebe es für diesen "sehr unbefriedigenden" Zustand: Zum einen sei das ein "enorm hoher" Krankenstand bei den Busfahrern. Zum anderen habe wegen des absehbaren Endes des Verkehrsvertrages mit der SBN zum 31. Juli eine Fluktuation eingesetzt. Ab 1. August rollen Busse der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck aus Zittau durch den Kreis. Das Unternehmen hatte eine europaweite Ausschreibung gewonnen.

Zwischen der SBN und der VGOSL bestehe inzwischen mehrfach täglich Kontakt, um Informationen auszutauschen. Doch klappe das offenbar auch nicht richtig. Wie Birgit Laurisch erklärt, erhalte die VGOSL vom Verkehrsunternehmen am Nachmittag des Vortages eine Meldung, wie die Tendenz für den Folgetag ist - dieser Stand aber habe sich meist am Morgen schon wieder überholt und werde nochmals angepasst. "Auch wir schätzen ein, dass die aktuelle Situation im öffentlichen Personennahverkehr in unserem Bediengebiet äußerst unbefriedigend ist; wissen aber, dass seitens der fleißigen Kollegen im SBN, die jeden Tag pünktlich und zuverlässig ihren Dienst antreten, alles unternommen wird, um die Auswirkungen des hohen Krankenstandes so gut es geht, abzufedern", sagt Birgit Laurisch. Das bestätigt auch der SBN-Betriebsratsvorsitzende René Walter. Dennoch seien die Mitarbeiter gereizt und genervt von der Situation. "Und je näher der 31. Juli rückt, desto schlimmer wird es", sagt Walter. Er spricht von einer Endphase und Auflösungserscheinungen. Dass nun auch Kindern und Eltern leiden, tue ihm leid.

Zum Thema:
Fahrgäste haben Erstattungsansprüche für nicht realisierte Fahrten, wenn ihnen dadurch Kosten entstanden sind. Der Antrag auf Erstattung kann von der Homepage des SBN heruntergeladen, ausgefüllt und an die Adresse der SBN geschickt werden. Auch die VGOSL hat das Formular auf ihrer Homepage unter "Aktuelles" verankert. Verkehrsplanerin Birgit Laurisch empfiehlt, sich vor Fahrtantritt unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 7267111 zu informieren.