In Lauchhammer 1964 geboren, ist er ein echtes Kind der Region. Jetzt lebt Jochen Rohde in dem kleinen Fleckchen Ickowitz bei Lommatzsch. Er gehört zu den drei Künstlern, deren Bilder gegenwärtig in der Senftenberger Sparkasse gezeigt werden.
Seit Eröffnung der Ausstellung am Weltspartag (die RUNDSCHAU berichtete) sind 30 Arbeiten von ihm zu sehen. Verblüfft, erstaunt und mitunter auch verwirrt machten die Besucher der Vernissage vor den Bildern des zu einer schlitzohrigen Ironie und Bildsprache neigenden Künstlers, wie er gern selbst zugibt, Halt. Da verstecken sich die Anspielungen und hintergründigen Blicke zuhauf und fordern den Betrachter zur eigenen Denkarbeit heraus. Surrealistich angedeutete Figurationen, vage erkennbare menschliche Andeutungen haben sich innerhalb der Naturgewalten und Gesellschaftszusammenhänge zu behaupten und ihren Platz zu finden. Dabei versteht Rohde spielerisch mit Farbimpressionen umzugehen. Ein Übriges tun die beziehungsreichen Titel seiner Arbeiten wie „Freudfisch Siegmund“ , „Junges Meer bewegt alten Mann“ oder das „Singende, springende Löweneckerchen“ , für das Rohde den Kunstpreis der Stadt Riesa erhalten hat. Den Hang zum intelligenten Humor merkt man ihm auch sofort beim unterhaltsamen Gespräch an. Die Bilder seien zuerst da, dann betrachte er sie genüsslich beim Frühstück, bis ihm der passende Titel dazu einfalle, erzählt er dem Zuhörer schelmisch lächelnd.
Jochen Rohde hat sein künstlerisch-handwerkliches Rüstzeug während der Lehre als Porzellanmaler an der Staaatlichen Manufaktur Meißen von 1981 bis '84 erworben. Es schloss sich ein Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden an und ein Lithografie-Studium an der Akademie der Schönen Künste in Kráków. Überhaupt war es Rohde wichtig, seinen künstlerischen und menschlichen Horizont während etlicher Studienreisen zu erweitern. Die Stationen Krakow, St. Petersburg, San Francisco, Mailand, die französische Provence und zuletzt 2004 Sri Lanka belegen das. Seine vielfältige Bildsprache belegt die unterschiedlichen Einflüsse.
Dabei war der Weg zum Berufskünstler für Jochen Rohde durchaus beschwerlich. Mit verschiedenen Tätigkeiten verdiente er seinen Unterhalt, betrieb 1990/91 ein Geschäft für Künstlerbedarf in Meißen und war von 1988 bis '93 Galerist der Galerie Obergasse Meißen. 1993 wagte er den Schritt zum freischaffenden Maler. Etliche nationale und internationale Kunstpreise, so der Prix de la Société Artistique des Cheminots Lorrans in Frankreich, belegen, dass er den Durchbruch geschafft hat.
Zahlreiche Ausstellungen hat er bestückt. Bilder und Arbeiten von Rohde hängen als Ankäufe zum Beispiel im Bundesministerium Bildung und Forschung und im Frauenhofer Institut IKTS Dresden. Wenn Jochen Rohde von der über sieben Meter hohen Arbeit am Fraunhofer-Institut spricht, gerät er ins Schwärmen. Hier lebt er seine zweite künstlerische Leidenschaft aus.
Der Maler, der auf der einen Seite der Seele freien intuitiven Lauf lassen kann, beherrscht hier eine mathematisch exakte künstlerische Arbeitsweise, bei der er naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf das Sonnenspektrum mit einer ganzheitlichen Betrachtung zu einer eigenen Farbenlehre zusammenbringt. Die Mehrfach-Intarsien in der Senftenberger Ausstellung in der Sparkasse Niederlausitz geben davon einen anschaulichen Eindruck.
Seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt hat sich Jochen Rohde in der Lommatzscher Pflege Ickowitz geschaffen, wo er einen denkmalgeschützten Dreiseitenhof zu Atelier und Wohnsitz ausgebaut hat.