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Frühlingsausfahrt zu den Kranichen vom Silbersee

Start der Radfahrer vor der Annahütter Grundschule zu ihrer 18-Kilometer-Tour durch die Gemeinde Schipkau.
Start der Radfahrer vor der Annahütter Grundschule zu ihrer 18-Kilometer-Tour durch die Gemeinde Schipkau. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Annahütte. Das sonst eher beschauliche Annahütte hat sich am Sonntag zur Lausitzer Sportmetropole gewandelt. Rund 100 Freizeitathleten nahmen verschiedene Distanzen unter ihre Füße, Stöcke und Räder. Bereits zum 42. Mal ging es laufend, walkend und radelnd ins Frühjahr. Torsten Richter-Zippack / trt1

Wenn in Annahütte der "Lauf in den Frühling" ansteht, dürfen die Quittels nicht fehlen. Die vierköpfige Familie aus dem Glasmacherort geht gleich in drei Sportarten an den Start. Die beiden Söhne rennen, Vater setzt sich aufs Rad, und Mutter Petra greift zu ihren Stöcken. "Ich bin begeisterte Walkerin", sagt die 47-jährige Krankenschwester. Auch sonst sei sie nicht selten in und um das Dorf auf Achse. Bei der 42. Auflage des Annahütter Frühlingslaufes verfolgt Kerstin Quittel ein ganz eigenes Ziel. Allerdings keinen Platz auf den Treppchen. Sondern ein Naturerlebnis der besonderen Art. "Der Kurs führt an unserem Silbersee vorbei. Da will ich doch mal schauen, ob dort schon die Kraniche brüten. Ein Nest haben die Vögel bereits gebaut", weiß die Naturfreundin. Gern erinnert sie sich an das jüngste Osterfeuer, als im Schein der untergehenden Sonne die beiden Kraniche majestätisch über dem Silbersee einflogen.

Erstmals beim Lauf in den Frühling dabei sind Holger und Matteo Lehmann aus Klettwitz. Das Vater-Sohn-Duo wolle gemeinsam die 2,5-Kilometer-Distanz unter die Sohlen nehmen. "Ich hoffe, dass Matteo die Strecke schafft", sagt Holger Lehmann. Er sei aber ganz optimistisch. Schließlich kicke sein neunjähriger Sohnemann schon länger bei der Jugendsportgemeinschaft (JSG) "Am Lausitzring". Und da sei schnelles Laufen ohnehin öfter gefragt. Vater Holger findet, dass die Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse heutzutage wieder mehr Begeisterung für den Sport zeigten. In der Annahütter Grundschule, die auch Matteo besuche, gebe es kaum Schüler mit Übergewicht.

Möglicherweise liege das Geheimnis dieses Phänomens auch in der Nachwuchsarbeit des SV Grün-Weiß Annahütte, der neben dem Trägerverein des Jugendzentrums "Ökotanien" den Frühlingslauf organisiere. Wir haben in jüngster Zeit eine enormen Zulauf an Kindern und Jugendlichen", weiß Grün-Weiß-Chef Gunnar Beuger. Fast 30 Heranwachsende seien in den vergangenen Monaten dem Verein beigetreten. Dieser zähle aktuell 120 Mitglieder. Angeboten würden Fußball mit allein vier Nachwuchsmannschaften sowie seit Dezember 2014 Schach. "Ich denke, wir bieten günstige Trainingsbedingungen und eine gute Betreuung der Kinder", begründet Beuger. Auch der Mitgliedsbeitrag sei bislang moderat. Ob dies so bleibt, könne noch nicht gesagt werden. "Uns quälen schon die Gebühren des Landessportbundes."

Der Annahütter Ortsvorsteher Horst Pawlik ist beim 42. Frühlingslauf zum 42. Mal dabei. Diesmal allerdings zum ersten Mal als Zuschauer. "Meine körperliche Verfassung lässt sportliche Betätigung derzeit nicht zu. Ich hoffe aber sehr, dass ich im nächsten Jahr wieder mit radeln kann", so der 69-jährige Ex-Fußballer. Anno 1973 sei das Spektakel von der damaligen Betriebssportgemeinschaft (BSG) Chemie ins Leben gerufen worden. Damals habe der Radsport eine eigene Sektion gebildet. Selbst der Sieger der Friedensfahrt von 1976, Hans-Joachim Hartnick, der aus Wormlage stammt, sei in der Annahütter Sporthalle gefahren. "Wir sind sportlich gesehen also kein unbekannter Ort", sagt Pawlik schmunzelnd.

Heute bilde die erste Männermannschaft der Grün-Weiß-Fußballer das Aushängeschild des Glasmacherortes. Derzeit belegen die Mannen in der Kreisliga Süd einen Platz im oberen Tabellenmittelfeld. Beim Lauf in den Frühling stehe dagegen nicht der sportliche Erfolg, sondern vielmehr Spaß und Freude an der Bewegung im Vordergrund. Und reizvolle Blicke in die Heimat. Beispielsweise zu den Kranichen vom Silbersee.