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Frühblüher lassen auch Agrarbetrieb wachsen

Anja Lorenz und Susann Schulze (nicht im Bild) hegen und pflegen die Frühblüher, die Ende März im Hofladen Frauendorf verkauft werden.
Anja Lorenz und Susann Schulze (nicht im Bild) hegen und pflegen die Frühblüher, die Ende März im Hofladen Frauendorf verkauft werden. FOTO: Rasche/str1
Frauwalde. In den Gewächshäusern der Frauendorfer Agrargenossenschaft Elster – Pulsnitz in Frauwalde haben Anja Lorenz und Susann Schulze zwar einen harten, aber wirklich schönen Job. Denn unter dem Foliendach ist der Frühling schon da. Kathleen Weser

35 000 Töpfe mit Frühblühern, Stiefmütterchen und Hornveilchen haben in den Gewächshäusern der Frauendorfer Agrargenossenschaft schon kräftiges Blattwerk, dicke Knospen und die ersten Blüten entwickelt. Vor allem die Primeln verströmen bereits einen feinen Duft und haben volle Farbenpracht erreicht. Auf dem Bodenflies, das auf Ackerboden liegt und die Feuchtigkeit gut hält, gedeihen die Vorkulturen prächtig. Denn auch Unkraut bleibt damit fast chancenlos. Anja Lorenz und Susann Schulze sorgen dafür. Die Frauen haben jeden Topf in der Anzuchtperiode mindestens dreimal höchststelbst in der Hand und damit vor Augen, wie sich jede Pflanze entwickelt. Auf 600 Quadratmetern Fläche im Gewächshaus sind die Töpfe aufgereiht. Diese stramme Ordnung registriert Walter Beckmann, Vorstand des bäuerlichen Traditionsbetriebes, sichtlich zufrieden. Die beiden Frauen, die in der Saison noch von zwei Stammhelferinnen unterstützt werden, haben die Gärtnerei im Griff. Vor allem erhalten die Vorkulturen viel Platz, damit sich das Blattwerk störungsfrei ausbreiten kann. "Das ist ein Qualitätsmerkmal, das die Kunden sehr zu schätzen wissen", erklärt Anja Lorenz.

Im September sind die Pflänzlein eingetopft worden, damit sie ab März ausschließlich im eigenen Hofladen in Frauendorf verkauft werden können. Mit Sorge haben die Gärtner zwar an vielen trüben Wintertagen auch das verhaltene Wachstum betrachtet. Doch die längeren Tage und die steigende Kraft der Sonne kommen noch pünktlich. Viel Licht und mäßige Temperaturen in den Gewächshäusern bringen die Vorkulturen jetzt ins Wachstumsfinale unter den Foliendächern. Abwärme der Biogasanlage auf dem Betriebsgelände wird genutzt.

Die Kleingärtner scharren schon mit den Füßen. Mit dem Start der neuen Vegetationsperiode im Freien ist regional bisher gewöhnlich Ende März zu rechnen gewesen. Denn auf fünf Grad Celsius über die Nullmarke hinaus muss die durchschnittliche Tagestemperatur geklettert sein, um ruhigen Gewissens in den Garten auspflanzen zu können. Härtere Nachtfröste sollten ausgeschlossen sein. Der Klimawandel hat schon spürbar dafür gesorgt, dass "die Vegetationsperiode früher beginnt und im Herbst auch später endet", bestätigt Walter Beckmann. Den tatsächlichen Zeitplan bestimmt die Natur allerdings topaktuell. Das ist angebotstechnisch schwer planbar. Im Jahr 2013 hatte der bis weit in den März hinein strenge Winter den Agrarbetrieb gebremst. Ein Jahr später war der Frühling dann im Februar mit zweistelligen Werten auf der Quecksilbersäule fast unverschämt früh dran. "Die Sehnsucht nach den ersten Blüten ist immer groß. Und im zeitigen Frühjahr steigt die Kauflaune der Grundstückseigentümer", bestätigt Beckmann. Bis Ostern sind die Frühblüher gefragt. Dann folgen die Gemüsepflanzen. Tomaten, Gurken und Paprika werden für die Kleingärtner, aber auch für die eigene Produktion gezogen. Anfang März kommen die in die Töpfe. Auch die Sommerbeet- und Balkonpflanzen müssen die Gärtnerei und den Hofladen dann bis Ende Mai verlassen haben. Durch die Brille des Landwirtes ist genau dann "ein schönes Gewächshaus nur ein leeres Gewächshaus", sagt Walter Beckmann. Pelargonien stehen ganz oben auf dem Einkaufszettel der hiesigen Kleingärtner. Petunien und Zauberglöckchen folgen.

Die gestiegene Nachfrage nach Anzuchtpflanzen für Haus, Hof und Garten aus dem nahen Umfeld haben auch den Betriebszweig in der Frauendorfer Agrargenossenschaft stark wachsen lassen - von einst etwa zehn Prozent auf nunmehr gut ein Sechstel der erzeugten Produkte der Direktvermarkter.

Zum Thema:
Die Frauendorfer Agrargenossenschaft betreibt seit dem Jahr 2009 in Frauwalde eine Biogasanlage. Mit der Abwärme können acht Gewächshäuser mit jeweils 600 Quadratmetern Fläche günstig beheizt werden. Vor allem dieser Vorteil macht die Produkte wettbewerbsfähig. In Frauendorf stehen weitere 2500 Quadratmeter Gewächshausfläche bereit. Der Traditionsbetrieb bewirtschaftet etwa 3000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, auf etwa 850 Hektar wächst Mais als Futter für die Biogasanlage. Auch das frisch geerntete Gemüse ist ein Kassenschlager. Denn es wird ausschließlich nach voller Reife direkt vermarktet. Aus gutem Grund: Tomaten beispielsweise entwickeln erst in den letzten sieben Tagen den Geschmack.