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| 15:37 Uhr

Ehrenamt
Frontgirl in der Backstube der Lausitz

Zuneigung ist bei Gundula Piotrowicz Herzenssache. Als Vorsitzende des Bürgervereins Niemtsch engagiert sie sich ehrenamtlich fürs Dorfleben, genießt die Momente mit ihrer Familie und schenkt auch Kater Moses Aufmerksamkeit, wann immer er sich diese von seinem Frauchen erschmeichelt.   ..
Zuneigung ist bei Gundula Piotrowicz Herzenssache. Als Vorsitzende des Bürgervereins Niemtsch engagiert sie sich ehrenamtlich fürs Dorfleben, genießt die Momente mit ihrer Familie und schenkt auch Kater Moses Aufmerksamkeit, wann immer er sich diese von seinem Frauchen erschmeichelt. .. FOTO: Uwe Hegewald
Niemtsch. Ohne Ehrenamt wäre das Leben im Landkreis OSL nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken wird verdienstvollen Bürgern regelmäßig gedankt. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche.Heute: Gundula Piotrowicz aus Niemtsch.

Wundersame Dinge tragen sich alljährlich Anfang August in Niemtsch zu. Wenn zum Dorf- und Mühlenfest der Kuchenstand des ortsansässigen Bürgervereins aufgebaut wird, ist das für Hobbygärtner der benachbarten Kleingartensparte das Signal, sich langsam in Richtung Festplatz zu begeben. „Die Gartenleute sind in der Regel die ersten, die sich mit den Köstlichkeiten unserer Backfrauen eindecken“, sagt Gundula Piotrowicz. Darüber wundern kann sich die Vorsitzende des Bürgervereins Niemtsch nicht. Was „ihre“ Mädels dort auf Kuchenblechen oder Tortenplatten herantragen, lässt die Herzen der Leckermäuler höher schlagen. „60 bis 70 verschiedene Kuchen kommen zum Fest zusammen. Zum Ende der Kaffeezeit, gegen 16 Uhr, sind meist nur noch Krümel übrig“, so die Vereinsvorsitzende.

Im Jahr 2012 hat sie den ehrenamtlichen Job angetreten, wohl wissend, dass sie rührige Leute um sich hat. „Wir sind schon ein gutes und eingespieltes Team. Wer die Leute im Dorf kennt, weiß, bei welchen Mitbewohnern offene Ohren und Türen zu finden sind“, skizziert Gundula Piotrowicz die Gegebenheiten im Ortsteil von Senftenberg. Die Nähe zur Kreis- und Kernstadt, die unmittelbare Lage am Senftenberger See, der Komfortcampingplatz, Pensionen und private Unterkünfte locken in jedem Jahr zahlreiche Besucher nach Niemtsch und somit auch zu den Kulturveranstaltungen im Ort.

Mitglieder des 68-köpfigen Vereins schätzen die Gästezahl zum Dorf- und Mühlenfest auf bis zu 2000 Personen. Die Dorfbewohner einschließlich der Gastronomen von der Niemtscher Mühle sehen sich dann in der Rolle von Gastgebern.

Etwas heimeliger geht es bei den Hoffesten zu, die alle zwei Jahre durchgeführt werden, erzählt Gundula Piotrowicz. Dann werde auch immer ein kleines Theaterstück aufgeführt, für das Isolde Lehnert das Drehbuch schreibt. Rund 15 Personen im Alter von acht bis 80 Jahren zählen zum Laien-Ensemble, das fürs Publikum nur allzu gerne regionale und lokale Geschichten in Szene setzt. Zum 25-jährigen Vereinsjubiläum 2017 stand die Theateraufführung unter dem Thema „Der Verein auf Reisen“ – inklusive unterhaltsamer Anekdoten, die Einheimische sehr genau zuzuordnen wissen.

Eine Busreise ist auch dieses Jahr geplant; das Ziel ist Schloss Weesenstein in der Sächsischen Schweiz. Entsprechend gefüllt ist die Vereinskasse, um sich den Ausflug ins Ost­erzgebirge zu gönnen. „Die Einnahmen beim Kuchenbasar und beim jährlichen Zampern lassen das zu. Generell sind unsere Niemtscher spendabel“, sagt Gundula Piotrowicz. Ein Teil der Einnahmen fließt in das Zusammenstellen von kleinen Päckchen für alle Niemtscher Kinder bis zum zwölften Lebensjahr. Simone König, Margitta Heinrich und Isolde Lehnert bringen sich federführend ein, wenn Sprösslinge am Nikolaustag überrascht werden.

Im Frühjahr ist es dann der ­Osterhase, der die Kinder besucht und der verblüffende Ähnlichkeit mit Ralf Piotrowicz aufweist. An der alten Milchrampe vorm Dorfspielplatz wird Meister Lampe von den Knirpsen immer sehnsüchtig erwartet. Dass sich der Osterhase irrend verhoppelt, gilt als unwahrscheinlich. Schließlich ist er in Niemtsch aufgewachsen und zudem hauptverantwortlich, dass auch Gundula Piotrowicz im Dorf sesshaft geworden ist. „Ich habe mich schnell mit den Gegebenheiten im Dorf arrangiert. Im Elternhaus ging es ja auch immer gesellig und harmonisch zu. Sehr oft haben wir gemeinsam gesungen“, erinnert sich die frühere Senftenbergerin.

Ihre Zugänglichkeit hat sie sich bewahrt. Zwischenzeitlich war Familie Piotrowicz mit den Töchtern bei den Marga-Fanfaren musikalisch oder betreuend aktiv. „Wir sind beides Menschen, die unter Leute müssen“, begründet das Paar sein Wirken. Klar, dass es sich auch das jährliche Knutfest oder das Maibaumaufstellen nicht entgehen lässt, bei dem die freiwillige Feuerwehr Regie führt. Als ergänzendes Miteinander wird die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Bürgerverein und dem Ortsbeirat um Ortsvorsteher Sven Muntel im Dorf wahrgenommen. „Das bekommen wir gelegentlich auch von außerhalb bestätigt“, berichtet Gundula Piotrowicz am Beispiel des Maibaumaufstellens. Zum Frühjahrsbrauch würden sich regelmäßig Campingplatz-Besucher hinzugesellen, um Tradition, Fest und Gastfreundschaft zu genießen. Im Grunde ist es wie mit dem Niemtscher Kuchen-Phänomen: erlesene Zutaten, traditionelle Rezeptur, fachgerechtes Können und Leidenschaft fürs Projekt bilden die Basis, damit das (Back-)Werk gelingt.