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| 21:29 Uhr

Gesund und heilsam
Bei einer Hexe gelernt und Prügel bezogen

 Hier präsentiert Fritz Stopfkuchen eine winzige Auswahl aus seinen riesigen Kräuterbeständen. Gegen fast jedes Leiden hat der Schipkauer ein entsprechendes Mittel parat.
Hier präsentiert Fritz Stopfkuchen eine winzige Auswahl aus seinen riesigen Kräuterbeständen. Gegen fast jedes Leiden hat der Schipkauer ein entsprechendes Mittel parat. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack
Schipkau. Der Schipkauer Fritz Stopfkuchen befasst sich seit Jahrzehnten mit Heilkräutern. Das honorieren manchmal sogar gefährliche Raubtiere. Von Torsten Richter-Zippack

Es klingt schon ein wenig verrückt, ist aber wahr: Fritz Stopfkuchen hat ein ganz besonderes Verhältnis zu Pflanzen und Tieren. Beispielsweise zu den bengalischen Tigern der Herzberger Tigerranch. „Eine der Raubkatzen kam einfach mal zu mir und ließ sich kraulen und streicheln“, berichtet der 84-jährige Schipkauer. „Die Leute, die diese Szene beobachteten, bekamen vor Staunen ihre Münder kaum mehr zu.“ Auch von anderen Tieren, beispielsweise Vögeln, Igeln oder Bienen, weiß Fritz Stopfkuchen ähnliche Episoden zu erzählen. „Ich glaube, es liegt an meinen Hautporen mit ihren Kräuterausdünstungen“, vermutet der Naturfreund.

Kein Wunder, befasst er sich doch bereits von klein auf mit verschiedensten Pflanzen und deren Wirkungen auf den menschlichen Körper. „Unkraut gibt es für mich nicht“, stellt Stopfkuchen klar. „Denn so gut wie jedes Gewächs hat für uns einen Nutzen. Man muss diesen nur herausfinden.“ In seinem Schipkauer Garten baut der Wahl-Lausitzer unterschiedlichste Kräuter an und konsumiert diese. Bald begeht Fritz Stopfkuchen seinen 85. Geburtstag, doch sein Alter ist ihm nicht anzusehen. Bekannte sagen, dass der Hobbygärtner und Naturschützer mindestens zehn Jahre jünger wirke. Für jedes Zwicken im Körper, für jeden Schmerz, kennt der Schipkauer ein pflanzliches Heilmittel. Selbst gegen Zecken-Borrelien und Krebs hält er entsprechende Gewächse vor.

Der Grundstock für das umfangreiche Wissen wurde bereits in seiner Kinder- und Jugendzeit gelegt, berichtet Fritz Stopfkuchen. Der gebürtige Niederösterreicher erzählt von einer Kräuterfrau, der alten Kesslern, die ihm die ersten Pflanzen gezeigt hat. „Sie legte mir nach einiger Zeit mehrere ähnliche Gewächse vor, und ich musste das richtige heraussuchen. Das hat funktio­niert.“ Allerdings brachte ihm die Bekanntschaft nicht nur Freunde ein. „Die Kräuterfrau galt in unserem Ort als Hexe, manche Leute mieden sie“, erinnert sich Stopfkuchen. Deswegen habe er im Religionsunterricht vom Pfarrer auch mal Prügel einstecken müssen.

Von Österreich begann Fritz Stopfkuchen eine Odyssee über Bayern und Stationen in Übersee, bis er in der Lausitz heimisch wurde. Seit dem Jahr 1966 lebt er in dieser Gegend. Der gelernte Schäfer war in den Tagebauen Koschen, Sedlitz und Meuro tätig. „Mehrere Baggertransporte gehen auf mein Konto“, berichtet er zurückblickend.

Nach der Wende wurde Fritz Stopfkuchen Mitglied im Nabu-Regionalverband Senftenberg. Besonders dem Lausitzring galt sein naturschutzfachliches Interesse. So sorgte der gebürtige Österreicher für die Bepflanzung entlang der Rennstrecke. 49 Vogelarten hat Stopfkuchen dort gezählt, davon acht auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Wie viele es heute sind, weiß er nicht. Nur so viel: „Mit Sicherheit weniger.“ Darüber hinaus engagierte sich der Schipkauer im Ameisenschutz. 130 umgesetzte Ameisenhaufen gehen auf sein Konto. Ein Exemplar befand sich auf einer potenziellen Insel im Tagebau Meuro. Diesem rund 56 Hektar großen Eiland trauert Fritz Stopfkuchen bis heute nach. „Dort hatte sich ein richtiges Naturparadies entwickelt. Allerdings wurde der Boden benötigt und wurde abtransportiert. „Da ist sehr viel verloren gegangen. Das schmerzt mich noch immer“, bekennt der Naturschützer.

Sein Wissen würde der Schipkauer zwar gern weitergeben. „Tatsächlich haben sich bei mir mehrere potenzielle Nachfolger gemeldet“, berichtet Stopfkuchen. „Aber die wollten aus meinen Kenntnissen nur Geld machen. ich will dagegen den Menschen wirklich und unabhängig von deren Portmonee helfen.“