| 16:19 Uhr

Orkantief hinterlässt Spur der Verwüstung
Friederike legt Bäume reihenweise flach

Eine Schneise der Verwüstung hat Friederike im Erholungszentrum Südsee am Senftenberger See geschlagen. Wenigstens zehn Bungalows sind betroffen. Vereinsmitglied Wilfried Korschel hat am Orkanabend ein Meter hohe Wellen auf der Südsee beobachtet.
Eine Schneise der Verwüstung hat Friederike im Erholungszentrum Südsee am Senftenberger See geschlagen. Wenigstens zehn Bungalows sind betroffen. Vereinsmitglied Wilfried Korschel hat am Orkanabend ein Meter hohe Wellen auf der Südsee beobachtet. FOTO: Steffen Rasche / Rasche FOTOGRAFIE
Senftenberg. Orkan tobt sich vor allem über Ortrand, Lauchhammer und Senftenberg aus. In Schipkau Windstärke 10 gemessen.

Ein toter Lkw-Fahrer, Tausende Menschen ohne Strom, Kiefernreihen, die abrasiert sind wie Streichhölzer, noch am Freitagvormittag blockierte und gesperrte Land- und Kreisstraßen, abgedeckte Dächer - das ist die Schreckensbilanz einen Tag nachdem Friederike über den Landkreis Oberspreewald-Lausitz eine Spur der Verwüstung geschlagen hat.

In Lauchhammer, der Stadt, die von Kyrill auf den Tag genau vor elf Jahren besonders schwer getroffen war, beginnt der Notruf-Daueralarm exakt um 15.50 Uhr. Dann geht es Schlag auf Schlag. Stadtwehrführer Silvio Spiegel hat alle Ortswehren in Lauchhammer-Mitte zusammengetrommelt. Von der zentralen Befehlsstelle dirigiert und koordiniert er die 65 Einsätze, die bis tief in der Nacht einlaufen. Im Einsatz sind 70 Kameraden aus allen Ortsteilen. Anders als bei Kyrill, fegt Friederike diesmal gleichmäßig verteilt über die Stadt.

Senftenberg, bei Kyrill mit einem blauen Auge davon gekommen, ist diesmal neben Großkoschen und Hosena ein Einsatzschwerpunkt für die 60 Kameraden der Feuerwehr Senftenberg. Besonders gehaust hat Friederike im Erholungszentrum Südsee am Senftenberger See. Betroffen sind wenigstens zehn Bungalows, die unter Bäumen begraben sind.

Lagedienstführer Bernd Wrege von der Rettungsleitstelle in Cottbus bestätigt, dass Friederike am schwersten im Süden der Lausitz wütete. Oberspreewald-Lausitz mit insgesamt 150 Einsätzen war neben Elbe-Elster am stärksten betroffen. Auf der A 13 bei Ortrand kam am Abend ein 34-jähriger Lkw-Fahrer ums Leben, als das Fahrerhaus auf die Mittelschutzplanke kippte. Die Bergung des Sattelzuges dauerte bis Freitag unter Sperrung der linken Spur an. Die Höhe des entstandenen Schadens wird auf rund 12 000 Euro geschätzt, teilt Polizeisprecherin Ines Gnerlich mit.

Am meisten machten den Einsatzkräften in OSL die unzähligen, auf Straßen umgestürzte Bäume und herabfallende Äste zu schaffen, wie Kreissprecherin Sarah Werner bestätigt. Noch Freitagmittag müssen sich Senftenbergs Feuerwehrkameraden buchstäblich von Baum zu Baum vorarbeiten. „Wir kommen kaum hinterher“, bestätigt Senftenbergs Stellvertretender Stadtbrandmeister Joachim Schönmuth.

Stark getroffen hat es erneut auch den Park Lindenau. Dort hat Friederike eine mehr als 100-jährige und unter Naturschutz stehende Weymouthskiefer mitten im Stamm abgeknickt.

Problematisch waren auch gerissene und beschädigte Freileitungen, die zu Stromausfällen unter anderem in Schipkau, Klettwitz, Schwarzbach, Hohenbocka, Settinchen und Großräschen führten. Bis Freitagnachmittag waren in der Region noch etwa 1000 Kunden ohne Strom, informiert Evelyn Zaruba von Mitnetz Strom.

Auch die Kreisstraßenmeisterei war am Freitag im Dauer-Aufräum-Einsatz. „Die meisten gemeldeten Ereignisse im gesamten Leitstellenbereich gingen für Lauchhammer ein“, bestätigt Sarah Werner.

Mit welcher Urgewalt Friederike getobt hat, beweisen die Aufzeichnungen der Hobby-Meteorologen. Ingo Noack aus Schipkau hat gegen 17 Uhr 90,3 Stundenkilometer gemessen, was einer Windstärke 10 entspricht. Klaus Hirsch aus Großkoschen hat eine Böe mit einer Windgeschwindigkeit von 82,1 km/h (WS 9) gemessen. Das hat es in der Seegemeinde in den letzten zehn Jahren nicht mehr gegeben.

Bei Steffen Weber aus Lauchhammer hat Friederike ein 250 Quadratmeter großes Blechdach von seinem Lager abgedeckt.
Bei Steffen Weber aus Lauchhammer hat Friederike ein 250 Quadratmeter großes Blechdach von seinem Lager abgedeckt. FOTO: Mirko Sattler
Feuerwehrkameraden räumen am Freitagmittag die Zufahrt zum Erholungszentrum Südsee bei Peickwitz frei.
Feuerwehrkameraden räumen am Freitagmittag die Zufahrt zum Erholungszentrum Südsee bei Peickwitz frei. FOTO: Steffen Rasche
(ab/jag)