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| 17:34 Uhr

Freude am Werkeln auf den neuen Natur-Baustellen

Jeremy (14), Kevin (14) und Jan (13) flechten gemeinsam mit Norbert Marx (63) einen Weidendom, unter dem eine Chill-Ecke im Zeitreisen-Dorf Platz finden soll. Das Material stammt weitestgehend aus der Natur in der Bergbaufolgelandschaft um Lauchhammer.
Jeremy (14), Kevin (14) und Jan (13) flechten gemeinsam mit Norbert Marx (63) einen Weidendom, unter dem eine Chill-Ecke im Zeitreisen-Dorf Platz finden soll. Das Material stammt weitestgehend aus der Natur in der Bergbaufolgelandschaft um Lauchhammer. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Lauchhammer/Koyne. Der Duft nach frischem Holz liegt über dem Naturdorf der Lausitzer Zeitreisen in der Bergbaufolgelandschaft bei Lauchhammer. Geschickt werkelnde Kinder und Jugendliche erobern das Camp jetzt im Frühjahr zurück. Kathleen Weser

Chill-Ecken aus Weidengeflecht und eine Outdoor-Küche, "die keine Feuerstelle am Boden ist", sind in der Oster-Ferienwoche im Zeitreisen-Dorf Koyne gebaut worden. Norbert Marx (63) aus Vetschau, der den Nachwuchs anleitet, erklärt weiter: Eine "wandernde Kochstelle" entsteht aus Stangenholz, Lehm und Seilwerk. Als Experte der experimentellen Archäologie ist der Vetschauer prädestiniert für das Feuer- und Steinzeit-Camp. Und er hat sichtliche Freude daran, den Jungen zu zeigen, wie der neue Weidendom zu bauen ist. "Ich fühle mich zu jung für die Rente", sagt Norbert Marx lachend. Der gelernte Kraftfahrzeugschlosser hatte sich zum Museumsführer weitergebildet und zuletzt beruflich im Archäotechnischen Zentrum (ATZ) Welzow gearbeitet. Vor fast zwei Jahren, als sich Norbert Marx aufs Altenteil setzen sollte, hat er seine neue Berufung gefunden: das Zeitreisen-Dorf. Und dort bringen Jeremy (14), Kevin (14) und Jan (13) dem Helfer auch noch jede Menge bei. Norbert Marx beherrscht die Jugendsprache vom Kind bis zu den 27-Jährigen, die im Zeitreisen-Camp ausgesprochen gern mit Hand anlegen, praktisch aus dem Effeff. Und eine Chill-Ecke "altdeutsch als eine Rückzugsmöglichkeit" zu bezeichnen, fällt ihm nicht im Traum mehr ein. "Mir macht es Spaß, die Kinder und Heranwachsenden zu fordern und aus dem Hintergrund anzuleiten", sagt er. Die Freude der Zeitreisenden an der eigenen Hände Arbeit gebe auch ihm persönlich viel. Und die Teilnehmer der Feriencamps und die regelmäßig kommenden Schüler und Lehrlinge "können sich ausprobieren, handwerkliche Stärken erkennen und weiterentwickeln". Dass dies inmitten der Natur mit nachwachsenden Rohstoffen und einfachen Mitteln geschieht, macht die Freizeitangebote des Vereins aus - und prägt die Kinder und Heranwachsenden auch für ein bewusstes Leben im Einklang mit den natürlichen Ressourcen.

Der Holzbau, kreatives Gestalten, der Umgang mit Weiden und die wandernde Kochstelle sind die Aufgaben, denen sich die Teilnehmer des jüngsten Camps im Aktion-Mensch-Projekt "Häuser im Haus" widmen.

Sarah (13) und Julia (14) aus Ortrand, die auch nach der Schule in Lauchhammer regelmäßig ins Zeitreisen-Dorf kommen, haben gemeinsam mit Umweltpädagogin Maren Zankl (37) die neue Chill-Ecke aus Weidengeflecht geplant, unter der das ebenfalls eigens aus Europaletten gefertigte blaue Sofa stehen wird. Und das Sitzmöbelstück passt hervorragend in den am noch feuchten Boden vorgezeichneten Kreis, auf dessen akkuratem Rand zur Hälfte schon starke frische Weidenzweige eingegraben sind. Gut 20 Zentimeter tief werden sie ins Erdreich gerammt - so die Jungen den Mädchen nicht weiter das Werkzeug entführen. Noch ist es schwer, den Bohrer in den Boden zu treiben. Doch die Weidengesichter, die die Zeitreisen-Gäste am Eingangstor zum Naturdorf begrüßen werden, sind im entstehenden Geflecht schon erkennbar. Maren Zankl hat die biegsamen Hölzer bereits im Februar mit Kindern in Grünewalde geschnitten. Die gelblichen Weidenruten dagegen stammen aus Koyne. Mutter Natur bietet reichlich Werkstoffe für die Bauarbeiten unter freiem Himmel.

Im Haupthaus des Zeitreisen-Dorfes, einer ausgedienten Transformatoren-Station aus Bergbau-Zeiten, indes ist handwerkliches Talent in den klassischen Baugewerken gefragt. "Wir lassen hier vereint einen Jugendtreff entstehen", erklärt Norbert Marx. Im Frühjahr des vorigen Jahres haben die jungen Leute, vor allem Förderschüler, Lehrlinge und Einsteiger ins Berufsleben, begonnen. Überflüssige Wände sind entfernt worden - Material schonend. Denn die Steine sind gesäubert und auch auf Formate bearbeitet worden, die sie für den Bau neuer Räume nachnutzbar machen. Für die Kunst am Bau haben die Kinder auch schon gesorgt. Wenke Richter, eine Senftenberger Künstlerin, hat ihnen dabei unter die Arme gegriffen. Entstanden sind Motive mit dem dreidimensionalen Blick auf Raum und Zeit - und zum nachhaltigen Leben auf dieser Welt. Im Herbst nächsten Jahres, so das Ziel, soll der Jugendtreff für Musik und Theater, Spiel und Spaß eröffnet werden.

Zum Thema:
Der Verein Lausitzer Wege ist 1999 in Hörlitz gegründet worden. Ideen für Perspektiven in der ehemalige Bergbauregion in der Niederlausitz werden verknüpft mit dem Vermitteln der Geschichte der früheren Bewohner der Region: Slawen, Sorben, Germanen und Wenden. Unter dem Titel "Lausitzer Zeitreisen" werden in Koyne vor allem Klassenfahrten, Jugendreisen und Feriencamps veranstaltet. Auch der offene Treffpunkt für Kinder und Jugendliche "Wir bauen unser Dorf selbst mit auf" wird gern genutzt. Innerhalb der "Bauen Kunst Hand Werkstatt" werden gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen die Ideen einer Zukunftssiedlung entwickelt und Bautechniken ausprobiert. Kontakt: Telefon 03574 465807 www.lausitzer-wege.de