Sewan Latchinian druckst nicht lange herum: „Uns fehlen für die Aufführung noch zwei Nackt-Schauspieler für eine siebenminütige Szene.“ Genau genommen sind es nur Statisten, die gesucht werden. Mit dem Rücken zum Publikum schauen sie von einem Strand aus auf einen Container, der auf der Nordsee schwimmt. Es handelt sich um eine der Schlüsselszenen in diesem „amüsanten, gleichwohl aber nachdenklich machenden Theaterstück“ , erklärt der Intendant und Regisseur. Denn nicht nur das Publikum schaut auf die entblößten Rückansichten der beiden Statisten - auch der Held des Dramas, ein gewisser Manne Krüger aus Guben, guckt sie sich an und macht sich über das Paar so seine Gedanken, an denen er das Publikum Anteil nehmen lässt.
Latchinian will über den Inhalt nicht viel verraten. Nur soviel: Manne Krüger hat mit seiner Gubener Existenz gebrochen, hat Familie und Schulden in der Neißestadt zurückgelassen, um am belgischen Ostseestrand in Ostende eine kurze Zeit des Glücks zu genießen. Dann jedoch kommt ihm ein Immobilien-Hai in die Quere und eben jener geheimnisvolle Container.
Für den umtriebigen Intendanten mit den vielen Ideen im Kopf ist diese Aufführung „der Paukenschlag für die Neue-Bühne-Saison 2005“ . Das Berliner Ensemble hatte das Stück bei Volker Braun für 50 000 Euro in Auftrag gegeben. Weil es aber dem dortigen Intendanten Klaus Peymann derzeit nicht so recht in den Spielplan passt, konnte sich die Neue Bühne die Rechte an der Uraufführung sichern. Außer Peymann und dem Autor selbst musste auch der Henschelverlag grünes Licht geben. Die Kosten für die Uraufführungsrechte seien „verschwindend gering“ im Vergleich zu den Auftragskosten, so der Intendant.
Lunte gerochen hatten Latchinian und seine Chefdramaturgin Gisela Kahl schon lange vor dem „GlückaufFest“ Beide kennen Braun und Peymann gut. Peymann konnte Latchinian überreden, Braun überzeugte sich beim „GlückaufFest“ von der Leistungsfähigkeit der Neuen Bühne.
Der von Sewan Latchinian angekündigte Paukenschlag braucht zu seinem Gelingen jetzt eigentlich nur noch die beiden nackten Statisten. Ein Pärchen im Alter zwischen 40 und 70 Jahren sollen sie abgeben. Nur wer die beiden kennt, werde sie im Halb-Profil auf der Bühne erkennen, so der Intendant. Es gehöre Mut zu dem Auftritt, der übrigens auch entlohnt wird. Andererseits schreibe man Theatergeschichte mit.
Interessenten können sich ab heute zwischen 8 und 15.30 Uhr im Sekretariat des Intendanten melden, Telefon: 0 35 73/801 211.