ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:32 Uhr

Freitags stehen seine Adler-Rundflüge an

Die Freitags-Touren des Amtsdirektors sind beinahe legendär. Adler taucht dann unangemeldet im dunklen Dienstwagen dort auf, wo man ihn in Lipsa, Grünewald oder Hohenbocka garantiert nicht erwartet. Ihm ist wichtig, sich über anstehende Probleme selbst ein Bild zu machen, um genau zu wissen, worüber er spricht.
Die Freitags-Touren des Amtsdirektors sind beinahe legendär. Adler taucht dann unangemeldet im dunklen Dienstwagen dort auf, wo man ihn in Lipsa, Grünewald oder Hohenbocka garantiert nicht erwartet. Ihm ist wichtig, sich über anstehende Probleme selbst ein Bild zu machen, um genau zu wissen, worüber er spricht. FOTO: Steffen Rasche
Ruhland. Es gibt zwischen Lübbenau und Ortrand keinen Bürgermeister oder Amtsdirektor, der länger im Dienst ist als er. Dabei sah die Lebensplanung von Roland Adler (60) eigentlich ganz anders aus: Als Agraringenieur führte er zu DDR-Zeiten im Schwarzbacher Stützpunkt Regie über 2500 Hektar Ackerland. Andrea Budich

An seinem ausgeprägten Sinn fürs Praktische blitzt er immer wieder durch, der gelernte Landmaschinen- und Traktorenschlosser. Schon als junger Spund schielt Adler auf den Feldern nach den Traktoren. Er wechselt deshalb vom Kreisbetrieb für Landtechnik zur Kooperative Pflanzenproduktion Guteborn. Das Pflügen ist seine große Leidenschaft. Fingerspitzengefühl, Geduld und Akkuratesse, die beim Leistungspflügen Punkte bringen, helfen ihm auch als Amtsdirektor, bei Problemen einen klaren Kopf zu behalten. Als Agraringenieur leitet Roland Adler zur Wende den Stützpunkt Schwarzbach mit 75 Mitarbeitern, die 2500 Hektar zu beackern haben.

Wenn die politische Wende nicht gekommen wäre, vielleicht wäre er dann noch heute mit ganzem Herzen und aus familiärer Verbundenheit in der Landwirtschaft zu Hause. So ist aber alles anders gekommen: 1989 wird Adler in den Schwarzbacher Gemeinderat gewählt, später lässt er sich breitschlagen, das Bürgermeisteramt in Guteborn zu übernehmen - erst im Ehrenamt, ab 1990 als Ganztagsjob.

Auf den Amtsdirektor-Posten war Roland Adler alles andere als scharf. Zur Wahl im Dezember 1992 bewirbt er sich deshalb gar nicht. Erst als die Wahl angefochten wird und eine Neuwahl stattfinden soll, wird er angesprochen, doch bitteschön gleichfalls die Hand zu heben.

Das macht er dann auch und legt - eines Adlers würdig - eine Punktlandung hin. Gleich im ersten Wahlgang lässt er die beiden Mitbewerber souverän hinter sich. Um im neuen Job Fuß zu fassen, macht Adler erneut einen Abschluss für den nichttechnischen gehobenen Verwaltungsdienst. Nach 23 Dienstjahren in der nun bereits dritten Legislatur macht dem Quereinsteiger von einst heute niemand mehr so schnell etwas vor.

Roland Adler ist ein Chef, der für seine klaren Worte und seinen konsequenten Führungsstil bekannt ist. Und vor allem ist er einer, der sich am liebsten selbst ein Bild von dem macht, über was er spricht und später entscheidet. Dafür nutzt er die Adler-Rundflüge, die beim Amtsdirektor immer freitags im Dienstplan geblockt sind.

Wo Probleme anstehen, sich bei einer Baumaßnahme kein Rad dreht, das Unkraut in die Höhe schießt, Schlaglöcher die Dorfbewohner nerven - Roland Adler taucht dort gern unangemeldet auf. Er zückt dann seine Kamera, macht Bilder von den Missständen und führt genau Protokoll. Spätestens bei der Beratung am Dienstag kommen die Dinge auf den Tisch und erste Aufträge werden direkt an die Bauhofmitarbeiter ausgelöst, Fristen zur Abarbeitung gleich inklusive. Sobald die Sachen erledigt sind, kommt ein Haken hinters Protokoll. Das Buswartehäuschen in Guteborn war jüngst so eine Aktion. Der letzte Adler-Rundflug hat ihn nach Arnsdorf geführt. Auf einer öffentlichen Fläche war dort Baumaterial abgelagert. Noch vor seinem Urlaub will er kontrollieren, ob der Dreck tatsächlich beräumt wurde.

Vor schwierigen Entscheidungen hat sich Roland Adler nie gedrückt. Das Schließen der Kindergärten in Jannowitz, Lipsa, Arnsdorf und Schwarzbach hat ihm einige schlaflose Nächte bereitet. "Das war schon sehr belastend und beileibe nicht mit einem Federstrich erledigt", erinnert er sich. Rückblickend war die Entscheidung aber genauso richtig wie die zum Schließen der Teilschulen in Hohenbocka, Schwarzbach und Arnsdorf "Wir mussten lernen, wirtschaftlich zu denken und die Zahlen nüchtern abklopfen. Auch wenn das vielen nicht gefallen hat", begründet er. Und der Erfolg gibt ihm recht. Sämtliche Kindergärten des Amtes sind heute vom Keller bis zum Dach tipptopp saniert und auf neuestem Stand. Die Auslastung ist sehr gut.

Weil Roland Adler einer ist, der gern zu Ende führt, was er begonnen hat, will er sich bei der nächsten Wahl noch einmal stellen. "Eine ganze Legislatur wird es sicher nicht", entschuldigt er. Auf jeden Fall will er sein Amt sicher in die neue Verwaltungsstruktur überführen und sich mit einer ordentlich arbeitenden Verwaltung in den (Un-)Ruhestand verabschieden. Und dann sind da noch zwei ganz dicke Brocken, die ihn genau genommen, in seiner kompletten Amtszeit beschäftigt haben. Der Bahnhofsvorplatz und das Altenheim. "Bevor die nicht erledigt sind, komme ich nicht zur Ruhe", gibt er sich selbst die Ziellinie vor.