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| 17:29 Uhr

Schutz-Einrichtung in Lauchhammer ist voll belegt
Frauenhaus platzt aus allen Nähten

 Projektleiterin Maren Krengel empfängt immer mehr Frauen und Kinder, die Schutz im Frauenhaus in Lauchhammer suchen.
Projektleiterin Maren Krengel empfängt immer mehr Frauen und Kinder, die Schutz im Frauenhaus in Lauchhammer suchen. FOTO: LR / Jan Augustin
Lauchhammer . Die Schutzeinrichtung in Lauchhammer ist ausgelastet und seit Jahresbeginn so stark nachgefragt wie noch nie. Doch das Haus ist marode und sanierungsbedürftig. Von Jan Augustin

Die persönlichen Schicksale sind so brisant, dass Maren Krengel selbst in anonymisierter Form nicht über die Fälle reden möchte. „Es werden Morddrohungen ausgesprochen“, sagt die  kommissarische Leiterin des Frauenhauses in Lauchhammer. Egal, was sie preisgibt – ob Herkunft, Alter oder Familienstand – jedes Detail lasse Rückschlüsse zu und gefährde die Bewohnerinnen noch mehr.

Fakt ist: Die Einrichtung des Träger-Vereins Frakima ist derzeit so stark nachgefragt wie nie zuvor seit der Eröffnung 1992. Allein in diesem Jahr sind sieben neue Frauen mit neun Kindern in das Haus eingezogen. Die 18 Plätze sind belegt.

Klar, die Polizei sei schnell vor Ort und fahre häufiger Streife als anderswo – obwohl die Adresse nirgends veröffentlicht ist. Wenn der Ex-Mann vor dem Haus rumlungert, auch wenn es nur ein kurzer Moment ist, steigert das aber die Angst der ohnehin stark verunsicherten Frauen, schildert Sozialpädagogin Maren Krengel. Auf Initiative der Kreistagsabgeordneten Kerstin Weidner (Agsus) und der finanziellen Unterstützung der Wohnungsbaugenossenschaft „die senftenberger“ kann jetzt immerhin eine Außenkamera angebaut werden.

Für mehr Veränderung in und am Haus fehlt allerdings das Geld. Dabei ist das dringend notwendig. Der Keller ist nass und müsste trockengelegt, Fußböden und ganze Räume renoviert werden, zählt die Leiterin auf. „Der Zustand des Hauses ist marode und sanierungsbedürftig“, betont die 45-Jährige.

Finanziert wird das Frauenhaus mit drei Sozialpädagoginnen und einer Bürokraft, die halbtags arbeitet, aus öffentlichen Töpfen. Der größte Teil stammt seit diesem Jahr aus dem Haushalt der Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Statt bisher 43 000 Euro überweist der Kreis nun 65 000 Euro pro Jahr. Ein rot-rot-grüner Antrag für eine höhere Förderquote fand vor einem hal­ben Jahr nach heißer Diskussion die erforderliche Mehrheit. Das Land Brandenburg schießt 62 500 Euro zu, die Kommunen im Kreis rund 16 000. Dazu plant die Einrichtung für dieses Jahr mit Zuweisungen aus Bußgeldern und Spenden in Höhe von etwa 5000 Euro sowie mit Nutzungsentgelten von rund 13 500 Euro.

Hoffnung auf ein paar Taler mehr in der Kasse verspricht die nun vom Verein neu angebotene Fördermitgliedschaft für Firmen. Erstes Mitglied ist die Kommunale Wohnungsgesellschaft Senftenberg (KWG). Der Großvermieter unterstützt das Haus seit Jahren nicht nur mit Spenden. Er stellt den Frauen in Senftenberg, Großräschen, Schipkau, Schwarzheide und Ortrand auch Wohnraum zur Verfügung, damit sie wieder selbstständig und eigenverantwortlich leben können. „Wir wollen die wichtige Arbeit des Vereins gegen häusliche Gewalt langfristig unterstützen und als Unternehmen ein Zeichen gegen häusliche Gewalt setzen“, erklärt KWG-Geschäftsführer Roland Osiander. Dass die auch in Oberspreewald-Lausitz Realität ist, beweist die Statistik. Im Jahr 2017 sind in diesem Bereich 123 Straftaten bei der Polizei angezeigt worden – das sind 20 Prozent mehr als 2016.

Im Durchschnitt suchen die Frauen 45 Tage Schutz, bevor sie das Frauenhaus in Lauchhammer aus freien Stücken wieder verlassen. Manche bleiben zwei Tage, andere sind anderthalb Jahre hier. „Viele Frauen brauchen einfach die Zeit. Das Tempo bestimmen sie selbst“, erklärt Leiterin Maren Krengel.

Der Ausländeranteil liegt zwischen 60 und 70 Prozent, Tendenz steigend, sagt sie. „Die häusliche Gewalt ist nach wie vor ein Tabuthema, und wir müssen in unserer täglichen Arbeit feststellen, dass dieses Thema weiterhin bagatellisiert und nicht ernst genommen wird“, schätzt Krengel ein. Daher sei sie froh, dass es Menschen und Unternehmen gibt, die sich diesem Thema stellten.