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Frauendorfer gehen ran an die Kartoffeln

Nur die guten Kartoffeln der festkochenden Sorte Finka sollen in den Bunker fallen. Am Laufband auf der Kartoffelkombine kümmert sich Landwirt Tobias Klein darum. Steine und Unrat sortiert er gleich auf dem Acker aus. Der 28-Jährige gehört seit seiner Lehre zur Agrargenossenschaft.
Nur die guten Kartoffeln der festkochenden Sorte Finka sollen in den Bunker fallen. Am Laufband auf der Kartoffelkombine kümmert sich Landwirt Tobias Klein darum. Steine und Unrat sortiert er gleich auf dem Acker aus. Der 28-Jährige gehört seit seiner Lehre zur Agrargenossenschaft. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Frauendorf. Im Land Brandenburg die Schnellsten: Die Agrargenossenschaft hat die Frühkartoffel-Saison schon am 6. Juni eröffnet. Die Knollen sind ein wichtiges Standbein in der Direktvermarktung. Auf 20 Hektar werden zehn Sorten angebaut. Andrea Budich

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Das ist derzeit der Job der beiden jungen Landwirte Martin Götze und Tobias Klein aus der Agrargenossenschaft Elster/Pulsnitz in Frauendorf.

Am Dienstag ging es wieder rein in die Kartoffeln. Der Schlag liegt nur einen Steinwurf vom Hofladen entfernt. Wenn drinnen die Säcke in den beiden Kartoffelpaletten ausgehen, dann lässt Martin Götze draußen den Trecker an, der die Kartoffel-Kombine zieht. Nachschub ranschaffen geht also schnell. Eine Zeile mit der festkochenden Finka ist in 20 Minuten durch. Reichlich 500 Kilogramm buddelt die Rodemaschine auf 400 Metern Länge aus dem sandigen Frauendorfer Boden aus. Für die nächsten zwei, drei Tage ist damit der Nachschub gesichert. Geht er zur Neige, dann geht es zum Wochenende hin erneut rein in die Kartoffeln. Mal ist die mehligkochende Adretta dran, dann wieder die festkochende Finka. Immer abwechselnd, so wie die Kartoffel-Beutel verkauft werden. An guten Tagen sind das bis zu 120 2,5-Kilogramm-Säcke. Stammkunden hatten schon im Mai nachgefragt, wann die ersten Frühkartoffeln in den Verkauf kommen.

Die Knollen, die Martin Götze und Tobias Klein morgens vom Acker holen, kommen spätestens am Nachmittag in den Verkauf. "Frischer geht es nicht", erklärt Genossenschafts-Chef Walter Beckmann den Frauendorfer Anspruch. Die Knollen purzeln noch erdwarm vom Acker in die Kartoffelpalette. In der Halle werden sie zur Sortieranlage gebracht, wo sie nach Qualität sortiert werden: Die kleinen und angeschlagenen liest Tobias Klein vom Band, die großen, guten werden verkauft. Ungewaschen natürlich. "So halten sie sich länger als die blitz-blanken aus dem Supermarkt", weiß Martin Götze. Er rät, die Knollen dunkel und bei vier bis fünf Grad zu lagern.

Mit Adretta und Finka waren Frauendorfs Bauern in diesem Jahr brandenburgweit die ersten im Frühkartoffel-Erntestart. Dabei ist es kein Zufallstreffer, dass ausgerechnet sie die Bauern mit den dicksten Kartoffeln sind. Denn sie schützen ihre frühen Sorten mit einem federleichten Vlies, das die Knollen wie ein Bettuch wärmt. Zusätzlich kitzeln sie die Lebensgeister der Knollen beim Vorkeimen in Gewächshäusern heraus. Mindestens zwei Wochen Erntevorsprung springen unterm Strich heraus. Zauberei ist es also nicht, dass Frauendorfs Bauern schneller als andere sind.

Bei der Direktvermarktung sind die Kartoffeln neben Gärtnerei, Gemüse, Milch und Hofladen ein wichtiges Standbein in Frauendorf. Auf 20 Hektar werden zehn Sorten angebaut. "Wir haben aufgestockt, um noch besser austesten zu können, welche Sorten sich besonders gut lagern lassen", erklärt Martin Götze. "Vor allem Ältere lassen noch einkellern. Die wollen wir nicht enttäuschen."

Mit den Einkellerungskartoffeln geht es in Frauendorf ab 13. September in den Verkauf. Gestartet wird dann mit der rotschaligen Laura, eine Sorte, die vorwiegend festkochend ist und die in der Lausitz immer mehr Liebhaber findet. Zum Sortiment gehören aber auch die festkochende Wendy sowie die mehligen Gunda und Afra. Neu im 2017er-Anbau ist die Goldmarie. Kartoffelbauer Martin Götze indes schwört auf die mehlige Sorte Talent. "Von Stamps bis Pommes - mit ihr geht alles", schwärmt er.

Wenngleich das Kartoffeljahr erst abgerechnet wird, wenn die Knollen im Sack liegen, sind Frauendorfs Kartoffelbauern optimistisch, dass es ein gutes Jahr wird. Größe, Qualität und Geschmack der Frühkartoffeln sprechen dafür. Bei der Adretta sind die Knollen sogar deutlich größer als im Vorjahr. Für Stammkundin Ellen Gerzimbke bleibt indes die feste Finka der ungeschlagene Favorit. Für ihre zwei Beutel rollt sie regelmäßig aus Schwarzheide zum Hofladen.