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| 16:52 Uhr

Nach dem Großbrand in Frauendorf
Bäckermeister kündigt Neuaufbau an

 Nach dem Brand in der Traditionsbäckerei Axel Günther in Frauendorf haben Kriminaltechniker am Montag Spuren gesichert.
Nach dem Brand in der Traditionsbäckerei Axel Günther in Frauendorf haben Kriminaltechniker am Montag Spuren gesichert. FOTO: LR / Jan Augustin
Frauendorf/Ortrand. Axel Günther gibt sich nach dem Großbrand in Frauendorf kämpferisch. Der Betrieb soll wieder aufgebaut werden. Von Andrea Budich und Jan Augustin

Axel Günther steht am Montagvormittag in seinem Hof in Frauendorf und gibt einer Radio-Journalistin ein Interview. Es ist kurz, aber emotional. Tränen fließen. Linker Hand das Wohnhaus, rechts schließt sich direkt der Flachbau der Bäckerei an. In dem Dach klafft ein Loch. Überall Ruß. Zerborstene Ziegel liegen auf dem Boden. Der typisch beißende Gestank von verbranntem Material hängt in der Luft. Kriminaltechniker gehen umher, machen Fotos und schreiben in ihre Bücher. „Den Umständen entsprechend geht es uns gut. Es ist aber sehr traurig, was passiert ist“, sagt der Bäckermeister, dessen Arbeitsgrundlage in der Nacht zu Sonntag in einem Flammeninferno aufging und nun zerstört ist. Warum es gebrannt hat, ist noch unklar. „Es wird noch ermittelt“, bestätigt Polizeisprecherin Ines Gnerlich.

Axel Günther musste zwar mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Er ist aber längst wieder raus – auch wenn am Kopf noch eine kleine Wunde zu erkennen ist. „Gemeinsam werden wir alles wieder aufbauen, egal was kommt“, sagt der kräftig gebaute 52-jährige Bäckermeister mit fester Stimme und erspäht eine vom Dach des Hauses abgeknickte Regenrinne. Er geht hin, reißt das Stück runter und schmeißt es auf einen Haufen mit anderen Bruchstücken. Dann muss er wieder innehalten, als er sich bei allen bedankt, die bisher geholfen haben: die vielen Feuerwehrleute, die Nachbarn, die die Einsatzkräfte mit Kaffee und Bockwurst versorgt haben, die Kunden, die anrufen und weiter ihre Treue schwören und die Mitarbeiter. 20 Leute stehen in Lohn und Brot. „Wir kümmern uns um unsere Mitarbeiter“, versichert Ehefrau Michaela Günther. Sobald die Ermittlungs- und Aufräumarbeiten beendet sind, das Haus von der Polizei wieder freigegeben ist, soll der Wiederaufbau starten. „So schnell wie möglich“, betont Axel Günther.

Die Serie verheerender Gebäudebrände im Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises will einfach nicht abreißen. Nach dem Brand in einem Sedlitzer Einfamilienhaus, bei dem sich eine Familie mit Kleinkind in der Vorwoche rechtzeitig retten konnte, hat es dieses Mal die Traditionsbäckerei in Frauendorf erwischt, in der in den Tagen vor Heiligabend Hunderte der überregional sehr beliebten Frauendorfer Königsstollen gebacken werden. Sämtliche Feuerwehren aus dem Süden des Landkreises waren die ganze Nacht lang mit 100 Kameraden im Einsatz. Ein Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus konnten sie verhindern.

Die abgebrannte Bäckerei ist eine Schock-Nachricht, die sich in den sozialen Medien überregional verbreitet. Erschüttert ist auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der vor ein paar Tagen selbst an Ort und Stelle war, um Stollen für die dortige „Tafel“ mitzubacken. „Die Günthers haben sich immer für andere und Bedürftige eingesetzt. Jetzt haben sie auch unseren persönlichen Beistand verdient“, so Woidke.

„Die Anteilnahme am Schicksal der Familie Günther ist riesig“, bestätigt Frauendorfs Bürgermeister Mirko Friedrich. Von Anwohnern, Freunden und Vereinen sind bei ihm schon zahlreiche Hilfsangebote eingegangen. Auch in der Schreckensnacht haben die Nachbarn eng zusammengehalten. „Sie haben für die Retter Kaffee gekocht und sanitäre Anlagen zur Verfügung gestellt“, sagt der Bürgermeister. Er zeigt sich davon überzeugt, dass das Dorf zusammenrücken wird, wenn es in den nächsten Tagen und Wochen darum geht, der Bäckersfamilie beim Wiederaufbau zu helfen.

Mit 20 Mitarbeitern ist die Traditionsbäckerei eine der größten, aber mit Abstand die bekannteste Firma im Dorf des Amtes Ortrand. Die Erfolgsgeschichte der Bäckerei ist unglaublich. Der dort produzierte Frauendorfer Königsstollen wird bis nach Frankreich, Kalifornien und in die Türkei geliefert. Von der Bäckerei wird auch das Klinikum Niederlausitz mit den beiden Krankenhäusern  in Senftenberg und Lauchhammer beliefert.

Ortrands Amtsdirektor Kersten Sickert ist ebenfalls fassungslos: „Die Familie hat enorme Schäden erlitten. Das ist ein herber Einschnitt. Es gibt aber ganz viele Menschen, die helfen wollen.“ OSL-Landrat Siegurd Heinze (parteilos) habe angeboten, bei bestimmten Wiederaufbaumaßnahmen mit beschleunigten Verfahren helfen zu wollen. Für die Familie hat das Amt Ortrand noch am Montag ein Spendenkonto eingerichtet.

Kontoinhaber: Amt Ortrand
IBAN: DE02 1805 5000 0380 0356 50
Verwendungszweck: Spende Familie Axel Günther