Von Andrea Budich

„Dieses Dorf, dieser Zusammenhalt ist unvergleichlich und für uns der kostbarste Schatz überhaupt.“ - Mit diesem Satz versucht Bäckersfrau Michaela  Günther ein Gefühl in Worte zu fassen, von dem die  unverschuldet in Not geratene Familie seit der Katastrophennacht vor Weihnachten getragen wird.

Damals  hatte eine von einem technischen Defekt ausgelöste Feuerwalze  in wenigen Stunden in der Nacht zum  dritten Advent das Lebenswerk der Familie  vernichtet . Die 1938 vom Großvater Willi  gepachtete Bäckerei ging in Schutt und Asche unter - und mit ihr die Arbeitsstätte von 20 Bäckern, Konditoren und Verkäuferinnen. „Es war furchtbar“, sagt Hans Günther, der vor 30 Jahren die Bäckerei seinem Sohn Axel übergeben hat. Der 75-Jährige war der erste, der mit einem Schlauch versuchte, das Feuerinferno in der Backstube zu bekämpfen - vergeblich. Mitansehen zu müssen, wie das Hab und Gut im Flammenmeer untergeht, hat den Senior-Bäckermeister in einer Nacht altern lassen. „Zehn Jahre hat mich dieser Schock wenigstens gekostet“, sagt er leise.

Den schweren Schicksalsschlag hat die Dorfgemeinschaft bis heute nicht vergessen. Frauendorf ist seit dem Feuerinferno ein großes Stück enger zusammengerückt. Ein ganzes Dorf hilft jetzt beim Wiederaufbau.

Auf  dem Grundstück der Bäckersfamilie  geht es  am Donnerstag und Freitag zu wie in einem Taubenschlag. Zimmermeister Stefan Quosdorf  aus Frauendorf  ist dabei, die Montage des Dachstuhls  vorzubereiten. Endlich geht es  voran, endlich können sich Bäckermeister Axel Günther und seine Frau Michaela wieder optimistisch  in die Arbeit stürzen. Flankiert werden die zwei von einem ganzen Pulk freiwilliger Helfer, die über das Grundstück wuseln und überall dort zupacken, wo Hilfe  benötigt wird.

„Wir sind da, weil wir  jetzt das zurück geben können,  was  der Bäckermeister uns all die Jahre  gegeben hat“, bringt es Horst Hofmann auf den Punkt. Sagt es und schwingt sich auf seine karierte Decke, die auf dem Sitz seines Traktors Marke Eigenbau liegt. Pünktlich um 8 Uhr ist der Gewässerwart der Frauendorfer Angler mit  seiner grünen Dampfwalze angetuckert, um die verkohlten Balken des alten Dachstuhles abzutransportieren. Eine Fuhre nach der anderen, den ganzen Tag über.

Mit Pudelmütze und Kettensäge steht Bürgermeister Mirko Friedrich auf der Baustelle. Der Dorfchef hat zwei Tage Urlaub genommen für den Arbeitseinsatz bei Günthers. „Versprochen ist versprochen“, sagt er nur und zieht wieder los.

Auf dem Gerüst steht Jörg Döring, um die verkohlten Dachbalken mit beherztem Schwung nach unten zu bugsieren. Der Elektromonteur hat seine Arbeitszeit extra auf den Samstag verlegt, damit er hier mitmachen kann. „Vier bis fünf Leute aus dem Verein sind jeden Tag hier. Das ist für uns Ehrensache“, sagt der Chef des Traditionsvereins.

Zur emsigen Helfer-Brigade gehören am Donnerstag auch Norbert Schütze aus Ortrand, Jan Fiedler aus Gröden und Sebastian Dommaschk aus Lauchhammer. Die drei jungen Bäckergesellen sind seit der Brandnacht ohne Job. „Wir wollen möglichst schnell wieder in unsere Backstube“, erklären sie, warum sie dem Chef in der Not unter die Arme greifen. Aus dem knarrenden Gebälk ruft Norbert Schütze noch runter: „Wenn du Torten machen kannst, kannst du auch mauern!“

Bei soviel Mitgefühl wird Senior-Bäckermeister Hans Günther richtig warm ums Herz. Er kann es kaum noch erwarten, bis der erste Teil des Dachstuhls an diesem Wochenende steht. Schöner und größer, mit modernsten Kühl- und Gefrierzellen soll sie werden, die neue Bäckerei Günther, schwärmt er sich schon mal der Zeit voraus. Möglichst noch vor Ostern soll es wieder duften aus der Backstube. „Das ist unser Wunsch, dafür geben wir alles“, sagt Michaela Günther, die sicherheitshalber schon mal die Bleche für die Sahnelängen und Blechkuchen schrubbt.

Bildergalerie Foto: Mirko Sattler/ In der Nacht vom 15.12. zum 16.12. 2018 brannte es in der Traditionsbäckerei Axel Günther in Frauendorf ( OSL). Feuerwehren aus dem Amt Ortrand, aus Lauchhammer und aus Senftenberg ( alle OSL) eilten zum Löschen. Bis 3 Uhr morgens zogen sich die Löscharbeiten hin. Früh um 9 Uhr wurde die Brandstelle an die Brandermittler der Polizei übergeben, die nun die Ursache ermittelt. Die Eigentümer wurden von einem Notfallseelsorgerteam betreut. Ein Übergreifen des Feuers auf das Wohnhaus konnte verhindert werden, jedoch ein übergreifen auf den Dachstuhl der Bäckerei nicht. Das Wohnhaus blieb bewohnbar. Schon von weitem waren die Rauchwolken zu sehen. Rund 13 Fahrzeuge waren am Einsatzort. Anwohner berichten, das es zuerst im Lager gebrannt haben soll.

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