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Fragwürdige Pilze für Sachsen und dementiertes Machtwort

Die Postdistanzsäule.
Die Postdistanzsäule. FOTO: sam1
Ruhland. Mit dem Rad durch die Lausitz: Die Broschüre "Lausitzer Lieblingstouren" zeigt die schönsten Leser-Touren – heute die herrschaftliche Ruhland-Tour.

(kw) Heidelbeeren und vor allem Pilze aus den herrlich weiten Wäldern um Ruhland haben schon den Kurfürsten am sächsischen Hof in Dresden gemundet. Das ist ebenso historisch verbrieft wie umstritten ist, dass der letzte Sachsen-König August III. auf Schloss Guteborn rechtskräftig abgedankt haben soll. Den Spuren der Geschichte und den Geschichten indes ist gut zu folgen - auf einer herrschaftlichen Radtour.

Die kursächsische Postdistanzsäule auf dem Ruhlander Marktplatz weist auch den Weg nach Dresden. Denn die Stadt war eine bedeutende Handels- und Grenzstadt an der großen Handelsstraße von Prag über Dresden nach Frankfurt/Oder und hat deshalb "die höchste Form" des Wegweisers mit Entfernungsangabe erhalten. Aus der Ruhlander Heide und den großen Wäldern sind Preisel- und Heidelbeeren, vor allem aber Pilze an den kurfürstlichen Hof geliefert worden. Morcheln haben reißenden Absatz gefunden. Und sie sind auch heute noch zu finden. Für die Küche werden sie aber längst nicht mehr empfohlen. Handelt es sich bei diesen Früchten des Waldes doch tatsächlich um die hier heimische Spitzmorchel, die als giftig gilt und deshalb vor dem Braten zwingend abgekocht werden muss. Die alten Pilzweiber müssen das früher auch gewusst haben. Denn nie wurde festgehalten, dass Prominente aller Zeiten nach dem Genuss der Ruhlander Heidepilze ins Gras gebissen hätten. Vor allem die Sachsen sammeln hier inzwischen selbst eifrig.

In Jannowitz am Ufer des Ruhlander Schwarzwassers in unmittelbarer Nähe der Revierförsterei liegt eine der letzten Kunstwiesen und damit eines der bedeutendsten agrarhistorischen Denkmäler.

Das Gut des Grafen Gersdorff bei Hermsdorf gilt als die Wiege des osteuropäischen Kunstwiesenbaus. Aufgeschüttete Rundbögen, in denen sich die Feuchtigkeit über Rieselrinnen gleichmäßig ausbreiten kann, wurden über Verteilungsgräben mit dem Schwarzwasser künstlich getränkt. Dem natürlichen Gefälle folgend wurde das Wasser mittels kleiner Bewässerungsgräben auf die niedriger liegenden Dammkronen und überschüssiges Nass schließlich zurück ins Schwarzwasser geleitet. So sicherte der Wiesenbauer unabhängig von feuchter oder trockener Witterung durch ein kluges Be- und Entwässerungssystem auf der Gersdorffschen Wiese beste Heuerträge, die vor allem in den Ställen der Herrschaft auf Schloss Lipsa benötigt wurden.

In der Hermsdorfer Kirche ist 1999 doch tatsächlich ein Schatz gefunden worden. Bei Schachtarbeiten hatten Handwerker im Boden des Gotteshauses 933 Silbermünzen, meißnisch-sächsische Groschen und Nachahmungen aus der Inflationszeit zwischen 1456 und 1465, entdeckt.

In Guteborn ist eine Prinzessin begraben. Sie war 1905 hier geboren und entstammt dem letzten Adelsgeschlecht, das im Schloss residierte. Sachsen-König Friedrich August III. soll hier im November 1918 abgedankt haben, schreiben die Geschichtsbücher. Dies soll Dorothea von Lippe-Weissenfeld, Prinzessin von Schönburg-Waldenburg (gest. 2000), so sagen Zeitzeugen, aber bis zuletzt eisern dementiert haben. Vielmehr soll sich der König mit einem Faustschlag auf den Tisch standhaft geweigert haben, die Monarchie aktiv mit zu beerdigen. Der Schlosspark mit der kleinen Kapelle ist geblieben.

Zum Thema:
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