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Forstschädlinge fressen Kiefern kahl

Sehen possierlich aus, richten aber auch hier einen großen Schaden an: die Larven der Kiefernbuschhornblattwespe.
Sehen possierlich aus, richten aber auch hier einen großen Schaden an: die Larven der Kiefernbuschhornblattwespe. FOTO: Pascal Ebert/Landesbetrieb Forst
Senftenberg. Larven der Kiefernbuschhornblattwespe fressen sich im Brandenburger Wald fett und Kiefern komplett kahl. Im Süden des Landes leben die possierlich aussehenden Schädlinge besonders gern. Jan Augustin

Etwa 30 000 Hektar umfasste das dortige Befallsgebiet im vorigen Jahr. Das hat der Landesbetrieb Forst jetzt mitgeteilt. Auch in den Senftenberger Revieren treibt der Nadelfresser auf rund 500 Hektar sein Unwesen, wie der Leiter der Senftenberger Oberförsterei, Harald Marwan, bestätigt. Die Schwerpunkte liegen in den Wäldern um Lauchhammer und Großräschen. Bekämpft haben Forstmitarbeiter den Hautflügler aber nicht. "Bekämpft wird nur, wenn die Prognosen das Absterben ganzer Bestände erwarten lassen. Das war bei uns nicht der Fall", betont Harald Marwan. Für den sonst im Land sehr gefräßigen Eichenprozessionsspinner kann der Waldexperte für den Süden des Landkreises Entwarnung geben. Der Schmetterling ist hier noch nicht relevant - "zum Glück", sagt Harald Marwan.

Gefährlich für die hiesigen Baumbestände ist auch das Diplodia-Triebsterben an Schwarz- und Waldkiefer. Der Erreger dieser Erkrankung wurde an zahlreichen Proben diagnostiziert, bestätigt auch die Leiterin des Fachbereiches Waldschutz und Wildökologie, Dr. Katrin Möller. Betroffen waren aber auch Douglasien und vereinzelt sogar die Lärche. "Zweifellos hat die überdurchschnittlich warme Witterung des Jahres 2016 das Auftreten des Pilzes stimuliert", erklärt Möller.

Typische Krankheiten im Oberspreewald-Lausitz-Kreis sind auch die durch einen Pilz verursachte Kiefernschütte und der insbesondere in ehemaligen Tagebaugebieten vorkommende Kiefernwurzelschwamm. Aber auch Stürme, wie am Mittwochabend, Frost oder Feuer können den Wald herunterwirtschaften. Im vorigen Jahr registrierte die Oberförsterei Senftenberg 20 Waldbrände auf fast sieben Hektar. Rund 400 Hektar Holz wurden durch Sturm, teilweise auch Schnee geschädigt.

Ein pauschales Urteil über den Gesundheitszustand des Waldes im Landkreis kann Harald Marwan allerdings nicht fällen. Dass der Forst in einem tadellosen Zustand ist, das kann er aber ausschließen. "Wir passen auf, dass es ihm möglichst gut geht. Es gibt aber viele Schadfaktoren, die dem Wald gefährlich werden können", bestätigt er. Insekten, Pilze oder Menschen, die ihren Müll hinterlassen - die Palette ist breit. Und es gibt Phasen, in denen diese Faktoren mal mehr und mal weniger auftreten, erklärt Marwan: "Wir überwachen die Schaderreger. Wenn es notwendig ist, bekämpfen wir sie." Und das geschieht, wenn auch nicht immer gleich mit dem Flugzeug, praktisch immer. Als Beispiele nennt der Oberforstrat den Sanitärhieb, also das Fällen von absterbenden und toten Bäumen oder das Entfernen von Käfernestern, damit sich Larven nicht verpuppen und dann zum großen Fraß ansetzen können.

Zum Thema:
Der Landesbetrieb Forst betreibt ein aufwendiges Monitoring, um Waldschäden durch blatt- und nadelfressende Insekten zu begrenzen. An Bedeutung gewinnen wärmeliebende Insekten und Pilze. Aktueller Schwerpunkt ist laut Landesbetrieb die Kiefernbuschhornblattwespe, deren Larven Kiefern komplett kahl fressen können. Gerade im Süden Brandenburgs hat der Nadelfresser hohen Schaden angerichtet. Das Befallsgebiet umfasste dort im vorigen Jahr etwa 30 000 Hektar, wie aus dem jetzt veröffentlichten Monitoring-Bericht hervorgeht. Die Schadholzmengen durch Sturm lagen dagegen mit knapp 27 700 Kubikmetern vergleichsweise gering (2015: 216 170 Kubikmeter). Mit 209 registrierten Waldbränden und 23 Zündungen einer Brandfläche von etwa 92 Hektar war 2016 ein Jahr mit durchschnittlicher Waldbrandbilanz.