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| 17:08 Uhr

Dürre macht den Lausitzer Wäldern zu schaffen
Förster hoffen auf Herbst-Regen

Der Großräschener Förster Ulrich Dittmann hat in seiner Laufbahn noch nie eine solche Dürre erlebt. Neben Trockenheit und Hitze setzen etliche Waldbrände der Natur zu. Auf einem kleinen Stück in der Nähe der Stadt sind Ende Juli viele junge Kiefern zu Grunde gegangen.
Der Großräschener Förster Ulrich Dittmann hat in seiner Laufbahn noch nie eine solche Dürre erlebt. Neben Trockenheit und Hitze setzen etliche Waldbrände der Natur zu. Auf einem kleinen Stück in der Nähe der Stadt sind Ende Juli viele junge Kiefern zu Grunde gegangen. FOTO: LR / Jan Augustin
Großräschen/Senftenberg. Trockenheit, Hitze und Brände setzen der Natur zu. Der Wald in Oberspreewald-Lausitz leidet. Von Jan Augustin

Mit einem dunkelgrünen Skoda Roomster prescht Förster Ulrich Dittmann durch den Großräschener Wald. Der geländetaugliche Hochdachkombi nimmt den Betonplattenweg ohne Probleme. Hinter dem Wagen wirbelt eine Staubwolke empor. Links und rechts: Bäume – trockene Bäume. Kiefernnadeln liegen auf dem Boden. Blätter von Laubbäumen sind oft schon gelb. Dabei ist August. Auch am Mittwochmorgen gibt die Sonne wieder erbarmungslos ihre Hitze ab. Regen ist nicht in Sicht. Auch die kommenden zwei Wochen soll sich nicht viel ändern am Wetter. Nach drei Minuten Fahrt bleibt Ulrich Dittmann mit seinem Auto am Wegesrand stehen. Die Stämme der Kiefernbäume hier sind schwarz. Der Boden mit Asche und verkohltem Geäst bedeckt. Ende Juli hat diese etwa 1500 Quadratmeter große Fläche in der Nähe von Großräschen gebrannt. Neben der anhaltenden Trockenheit und der Hitze setzen auch etliche Waldbrände der Natur zu. Im ganzen Land Brandenburg hat es in diesem Jahr schon 403 Brände gegeben, bilanziert der Waldbrandschutzbeauftragte Raimund Engel. Ähnlich hohe Zahlen gab es zuletzt Anfang des Jahrtausends. Von den Bränden waren dieses Jahr 691 Hektar betroffen.

Im 3800 Hektar großen Großräschener Revier loderte es in diesem Sommer bereits sieben Mal, bestätigt Ulrich Dittmann. Zweimal soll ein Blitzeinschlag verantwortlich gewesen sein. Bei den anderen fünf Fällen geht der erfahrene Förster von Brandstiftung aus. Die Feuerwehr sei aber sehr schnell vor Ort gewesen. „Das klappt hervorragend“, lobt Dittmnann. Schon seit 1985 ist der heute 63-Jährige Förster in seiner Heimatstadt und hat schon so einige Wetter-Extreme mitgemacht. Dieser Sommer aber breche alle Rekorde. Die Temperaturen seien anstrengend, die Trockenheit aber schlimmer. „So eine Dürre wie in diesem Jahr habe ich in meiner ganzen Laufbahn noch nicht erlebt. Ich hoffe nur, dass das kein Dauerzustand wird“, sagt er. Der Wald leide unwahrscheinlich. Die Vegetationsperiode sei zeitlich weit nach vorn geschoben worden. Am gefärbten Laub ist das gut zu erkennen. Besonders betroffen sind Linden, Robinien und Birken. Auch die Kiefer kämpft und wirft jetzt schon ihre Nadeln ab. Ulrich Dittmann setzt seine Hoffnung auf einen nassen Herbst und Winter. Momentan lägen die Niederschlagswerte jedoch weit hinter dem Durchschnitt. In normalen Jahren regnet es etwa 550 Liter pro Quadratmeter.

Während eine Bewässerung im Wald nicht möglich ist, wird das Senftenberger Stadtgrün mit dem Wasser aus der Rainitza am Leben erhalten.
Während eine Bewässerung im Wald nicht möglich ist, wird das Senftenberger Stadtgrün mit dem Wasser aus der Rainitza am Leben erhalten. FOTO: LR / Jan Augustin

Auch für den Senftenberger Förster Harald Konzack ist diese lange Trocken-Periode außergewöhnlich. Vor allem die Laubbäume sind in dem 4500 Hektar großen Revier in Mitleidenschaft gezogen. „Die Blätter verbrennen richtig“, sagt der 59-Jähirge besorgt. Und dennoch - im Gegensatz zu Großräschen hat das Senftenberger Revier einen entscheidenden Vorteil: Die Seen sorgen in der näheren Umgebung für einen feuchteren Boden. Die Bäume sehen dort deswegen auch grüner aus.

Durch die zusätzliche Bewässerung macht auch das Grün in den Städten einen noch recht ordentlichen Eindruck. Im Wald ist so eine Maßnahme aber undenkbar. Im schlimmsten Fall müssen die privaten Waldbesitzer neu pflanzen. „Und das kostet Geld“, weiß Förster Harald Konzack. Für einen Hektar kommen etwa zwischen 8000 bis 15 000 Euro zusammen. Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) fordert deshalb jetzt von Bund und Ländern eine Milliarde Euro. Die vielen Kleinstflächenbesitzer müssen durch eine fachlich gute Beratung auch in der Lage sein, ihren Wald zu bewirtschaften, erklärt der BDF-Bundesvorsitzende Ulrich Dohle. „Eine Milliarde Euro sind gerade mal die Kosten der Pflanzen und der Pflanzung der 500 Millionen Bäumchen, die dieses Jahr in deutschen Wäldern vertrocknet sind. Also zwei Euro pro Pflanze. Und auch im nächsten Jahr sollen erneut wieder so viele neue Bäume gepflanzt werden“, so Dohle.