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Förster suchen Schädlinge
Förster graben gefährliche Schädlinge aus

Revierförster Thomas Sander sowie die Waldarbeiterinnen Birgit Langer (r.) und Karola Kubitza sind in der Waldstreu gefährlichen Schädlingen auf der Spur.
Revierförster Thomas Sander sowie die Waldarbeiterinnen Birgit Langer (r.) und Karola Kubitza sind in der Waldstreu gefährlichen Schädlingen auf der Spur. FOTO: Richter-Zippack
Ruhland. Im Wald bei Ruhland sind die Forstleute derzeit den Kiefern-Schädlingen auf der Spur. Per Hand wird im Boden gegraben, um den Befall zu prüfen. Von Torsten Richter-Zippack

Sie sind bräunlich. Sie sind nur ein paar Millimeter groß. Und sie sind brandgefährlich. Sollten im Frühjahr die Kiefernbuschhornblattwespen aus ihren Überwinterungskokons schlüpfen, droht den Lausitzer Kiefernwäldern Ungemach. Denn dann erfolgt nach sofortiger Paarung die Eiablage. Aus denen schlüpfen sehr gefräßige Raupen, die durchaus ganze Waldbestände kahl fressen können.

Im Land Brandenburg waren vom Fraß dieses Insekts im Jahr 2017 insgesamt knapp 18 000 Hektar Kiefernwald betroffen, heißt es im Forstschutzbericht des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde (LFE). Auf fast 2000 Hektar ließen die Raupen kaum mehr eine Nadel an den Bäumen.

Wie es in diesem Jahr aussehen könnte, wird derzeit in den heimischen Wäldern geklärt. Denn dort laufen die Winterbodensuchen auf Hochtouren. Die Förster suchen und zählen also potenzielle Schädlinge. Die Insekten überwintern in der Waldstreu. Nach den ersten Frösten sind die Forstleute akribisch den Puppen, Raupen und Kokons auf der Spur. Beispielsweise in der Oberförsterei Senftenberg, die die Südhälfte des Landkreises Oberspreewald-Lausitz umfasst. Dort hatte es im Jahr 2016 einen größeren Befall durch die berüchtigten Kiefernbuschhornblattwespen gegeben.

Westlich von Ruhland graben sich dieser Tage die Waldarbeiterinnen Birgit Langner und Karola Kubitza durch die oberste Bodenschicht des geschätzt 40-jährigen Kiefernreinbestands. 40 bis 50 rund einen halben Quadratmeter große Flächen suchen die beiden Frauen Tag für Tag ab. Mit einer kleinen Hacke wird vorsichtig die Waldstreu geöffnet und nach den Insekten Ausschau gehalten. Wird etwas gefunden, wandert es gleich ins Glas. Sowohl bei Birgit Langner als auch bei Karola Kubitza, beide Frauen arbeiten bereits seit dem Jahr 1984 in der Forstwirtschaft, überwiegen an diesem kalten Januarmorgen die Kokons der Kiefernbuschhornblattwespen. Vereinzelt finden sich Puppen der Forleule. Dann und wann gesellen sich auch Puppen des Kiefernspanners hinzu. Die als besonders gefährlich geltenden Raupen des Kiefernspinners sind dagegen bislang nicht aufgetreten. Die Art befinde sich seit Jahren in der Latenzphase, erklärt der Schwarzheider Revierförster Thomas Sander. Sein Gebiet umfasst eine Fläche von rund 6800 Hektar beiderseits der Schwarzen Elster. Insgesamt nimmt die Oberförsterei Senftenberg mit 28 500 Hektar den kompletten Südteil des OSL-Kreises ein. In der Ruhlander Heide überwiege die Kiefer auf rund 90 Prozent der Fläche, auf den Kippen bei Schwarzheide besitze das Laubholz größere Anteile.

Viele Fundstücke in den Gläsern der Waldarbeiterfrauen bedeuten allerdings nicht automatisch einen hohen Befall im kommenden Frühjahr. „Denn die Natur gleicht immer wieder aus“, weiß Sander. So seien mitunter viele Schadinsekten parasitiert, sie könnten sich also nicht komplett ausbilden und somit auch keine Schäden anrichten. Besonders Schlupfwespen und Raupenfliegen gelten als natürliche Gegenspieler.

Die Fundstücke werden voraussichtlich Ende Januar an das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde geschickt. Die dortigen Experten nehmen die Schädlinge genau unter die Lupe. Dort werde festgestellt, ob sich aus den Kokons oder Puppen tatsächlich fertige Insekten entwickeln, die wieder Eier ablegen, aus denen erneut gefräßige Raupen schlüpfen. Im Jahr 2017, so heißt es aus dem LFE, wurden rund 8600 Proben begutachtet.

Im Frühjahr gebe Eberswalde die Ergebnisse an die Oberförstereien durch. Erst dann entscheide sich, ob bekämpft werden müsse. Die bislang letzte Chemieaktion aus der Luft fand in der Oberförsterei Senftenberg im Jahr 2014 statt. Damals wurden rund 300 Hektar entlang der Autobahn zwischen Ruhland und Ortrand beflogen. Ziel waren allerdings nicht die Kiefernbuschhornblattwespen, sondern die ebenso gefräßigen Nonnen. Obwohl es im Jahr 2016 zu einem stärkeren Befall der Kiefernbuschhornblattwespe gekommen war, konnte auf die „chemische Keule“ verzichtet werden.

Indes dürften es die Kiefernschädlinge langfristig gesehen schwerer haben. Denn langsam aber sicher nimmt der Anteil der Nadelgehölze ab, die Laubbäume werden dank des Waldumbaus dagegen mehr. Das zeigt sich schon heute direkt neben den Probeflächen der beiden Waldarbeiterinnen in der Ruhlander Heide. Dort sprießen vitale Buchen, die einmal das Grundgerüst eines neuen Mischwaldes bilden könnten.

So sehen die Forstschädlinge im Winterzustand aus. Zu den Kokons der Kiefernbuschhornblattwespen (l.) gesellen sich zwei Forleulen-Puppen.
So sehen die Forstschädlinge im Winterzustand aus. Zu den Kokons der Kiefernbuschhornblattwespen (l.) gesellen sich zwei Forleulen-Puppen. FOTO: Richter-Zippack