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Flutwelle schießt zwischen baumlosen Deichen in Richtung Senftenberg

Sebastian Haufe an der Schwarzen Elster bei Bergen. Kein Baum und kein Strauch stört den Wasserfluss zwischen den sanierten Deichen.
Sebastian Haufe an der Schwarzen Elster bei Bergen. Kein Baum und kein Strauch stört den Wasserfluss zwischen den sanierten Deichen. FOTO: Manfred Feller
Hoyerswerda/Bergen. Schön sieht die Schwarze Elster in Sachsen mit ihren kahlen oder kurz geschorenen Deichen nicht aus. Aber diese Art des Ausbaus erfüllt ihren Zweck: Das Hochwasser kann, wenn es kommt, zügig in Richtung Brandenburg abfließen. Manfred Feller

Unendliche Weiten. Die im Lausitzer Kohlerevier einst kanalartig umverlegte Schwarze Elster sieht im sächsischen Teil zwischen Hoyerswerda und flussabwärts bis zur Landesgrenze bei Tätzschwitz gepflegt, jedoch zumeist alles andere als schön aus. Uferbereiche der Mittelwasserrinne sind mit Steinen stabilisiert und Bäume geholzt worden. Nur hin und wieder unterbrechen kleine, beim Krauten absichtlich stehen gelassene Schilfabschnitte die bis zum Horizont reichende Monotonie. Punktuell wird das Wasser durch spezielle bauliche Veränderungen auf der Flusssohle aufgewühlt und dadurch Sauerstoff eingetragen. Dies alles dient dazu, der Tierwelt wenigstens ein wenig entgegenzukommen.

"Den Ökologen gefällt dieser Ausbau der Schwarzen Elster nicht", weiß Sebastian Haufe. Er ist in Bautzen Betriebsteilleiter Gewässer Nord der Landestalsperrenverwaltung Sachsen. "Auch Schönheit ist nicht der Sinn", erklärt er. Das sächsische Wassergesetz regele unter anderen die Ziele des Hochwasserschutzes und wie das Flussbett mit den Deichen als technische Anlagen auszusehen hat. "Das Ziel ist es, die Masse an Hochwasser durchzuleiten, ohne im Umfeld Schaden anzurichten", sagt der Fachmann. Im Querschnitt werde generell das klassische Doppeltrapezprofil (Flussbett und zwischen den Deichen) hergestellt. "Aufgrund der vielen Zuflüsse brauchen wir ein großes Profil. Das haben schon unsere Altvorderen so gemacht", weiß Sebastian Haufe. Bäume hätten deswegen im Vorland und auf den Deichen nichts zu suchen, auch weil sie den bindigen Erdstoff in Mutterboden verwandeln. Die Gutachten-These, wonach Baumwurzeln den Deich festigen, sei nicht zu halten. Deshalb werden auch die herrlichen Deichbäume an der Straße zwischen dem Brandenburger Tor bei Geierswalde und Bergen gefällt. Es sind nicht weniger als 500. Dagegen wurde protestiert. Für die fallenden Gehölze sei ein Ausgleich zu schaffen.

Die Reparatur von Flussbett, Uferbereichen und Deichen auf etwa 20 Kilometern Länge zwischen Hoyerswerda und der Landesgrenze bei Kleinkoschen ist weit fortgeschritten. Bei den Deichen, insgesamt sind es beidseitig 40 Kilometer, fehlen noch 7500 Meter. Die Arbeiten haben um das Jahr 2007 begonnen und sollen etwa 2019 beendet sein.

Es geht auch günstiger

Der Freistaat, das weiß Sebastian Haufe, wendet einschließlich Fördergeld rund vier Milliarden Euro für den Hochwasserschutz in Sachsen auf. Etwa die Hälfte davon sei verbaut. Unter anderem auch in die Elster-Deiche. Diese werden, damit sie noch Jahrzehnte stehen, nicht abgetragen und mit heute üblichem Material teuer wieder aufgebaut. Es geht auch einfacher und kostengünstiger, um sie zu stabilisieren und abzudichten.

Im Stadtgebiet von Hoyerswerda sind Spundwände aus Stahl in die Deichkrone gerammt worden. Zumeist wird aber die Fräsmethode angewandt. Eine Riesenmaschine schlitzt den Boden bis in eine Tiefe von fünf bis zehn Metern auf und durchmischt die Erdmassen. Dann wird eine Suspension aus Wasser und Zement dazugegeben und vermengt. Es entsteht eine 40 Millimeter starke Betonwand. Diese sei zwar nicht so stabil wie im üblichen Hochbau, jedoch wasserundurchlässig. Wird der wasserseitige Teil des Deiches davongespült, steht die Wand immer noch. Der Deich hält.

Die Betondichtwand kostet samt Infrastruktur ungefähr 1000 Euro je laufendem Meter. Dahinein fallen auch Kosten für die Munitionssuche. Dafür werden in die Deichkrone in geringem Abstand tiefe Löcher gebohrt und eine Sonde hinabgelassen. Bisher, so der Betriebsteilleiter, sei noch kein Blindgänger gefunden worden.

Ein weiterer Vorteil der Dichtwand ist: Sie ist im Gegensatz zum Deichneuaufbau genehmigungsfrei, wenn die Bauhöhe nicht verändert wird.

Wege für Deichverteidigung

Zusätzlich legen die Sachsen, wenn genügend Platz vorhanden ist, bestens ausgebaute Deichverteidigungswege an. Die Trasse wird ausgekoffert, mit Geotextil ausgelegt und geschottert.

Überflutungsflächen sind zwischen Hoyerswerda und Tätzschwitz nicht vorgesehen, weil Siedlungen, Betriebe und Infrastruktur gewissermaßen im Wege stehen. Zudem gebe es aktuell keine Planungen für einen großen Ausleiter aus der Elster in einen der Tagebaurestseen.