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Flotte Bewerber wollen hoch hinaus

Die Jurymitglieder wagen einen Blick ins Innerste der Glasfaserkopfstation in Grünewalde.
Die Jurymitglieder wagen einen Blick ins Innerste der Glasfaserkopfstation in Grünewalde. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Kostebrau/Grünewalde. Gut zu Fuß sind die Jury-Mitglieder im Kreiswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" am Donnerstagmorgen in Kostebrau angerückt. Denn im höchstgelegenen Dorf Brandenburgs haben sie stolze 40 Höhenmeter zu überwinden. Mirko Sattler / sam1

"Unser 178 Meter hoch gelegenes Bergdorf ist einzigartig im Land", betont Jochen Schmidt, der stellvertretende Ortsvorsteher. Und noch ein Alleinstellungsmerkmal versetzt strenge Juroren in Erstaunen: der Bierautomat im topp sanierten Feuerwehrdepot. Norwin Märkisch, der Vorsitzende des Kreisentwicklungsausschusses, überzeugt sich lachend von der Funktionstüchtigkeit des Gerstensaft-Spenders.

Zum vierten Mal beteiligt sich Kostebrau, ein Ortsteil der Stadt Lauchhammer, am Wettbewerb. Das Dorf ist einst vom Tagebaugrube umzingelt und schon dem Tode geweiht gewesen. Jetzt liegt er mitten im Grünen. "Vor drei Jahren sind wir zuletzt dabei gewesen im Wettbewerb. Seitdem hat sich viel im Dorf getan", beginnt Jochen Schmidt seine Präsentation. Und bis auf das fehlende Mobilfunknetz in Kostebrau sei hier alles im Lot. "Mehr als die Hälfte aller Einwohner ist in einem oder sogar mehreren Vereinen organisiert. Unsere vier Aussichtspunkte werden von unseren Vereinen gepflegt", erzählt er. Das Dorferneuerungskonzept wird schrittweise umgesetzt.

Der Anger im Oberdorf ist fertig. Während der Arbeiten ist ein historischer Dorfbrunnen gefunden worden. Die Kirche wird angestrahlt. Das Gelände der Schule wird als Dorfzentrum auf Vordermann gebracht. Sieben Vereine und drei Institutionen organisieren im Jahr insgesamt 36 öffentliche Veranstaltungen. Die bevorstehende Kirmes soll in der Turnhalle gefeiert werden, in der derzeit gebaut wird. "Die Bauarbeiter haben mir versichert, das die Sanitäranlagen bis zum Veranstaltungstermin fertig sind", so Schmidt. Das Stärken der Dorfgemeinschaft, das Entwickeln der dörflichen Struktur und das Erneuern der touristischen Wege, hier besonders der Radwanderweg "Fürst Pückler" in Richtung Elbe-Elster-Land, sowie die doppelte energetische Nutzung des Windparkes durch eine Solaranlage zeugen davon, dass sich auch wirtschaftlich viel tut in und um Kostebrau. In der Zukunft soll das Dorf, wie bereits Grünewalde, komplett mit Lichtwellenleiterkabel ausgestattet werden. Und der historische Brunnen bekommt noch ein Dach. Gut 1,7 Kilometer hat die Jury am Ende des Rundganges in den Beinen - vorbei an Sehenswürdigkeiten und an Baustellen.

In Grünewalde stehen die Jurymitglieder dann immer mal wieder im Regen. Nicht aber im übertragenen Wortsinn. "Grünewalde war einst eine Gemeinde mit vielen Wassermühlen und einem Hammer", witzelt Dr. Siegfried Thomas vom Heimatverein. Wasser gehört also zum Dorf. Auch von oben.

Grünewalde ist wettbewerbserfahren: im Schönheitswettbewerb der Dörfer und im Wettstreit um den Titel der Naturparkgemeinde. Ortsvorsteher Reinhard Lanzke hält die Präsentation im Vereinshaus neben dem Mühlenhofmuseum kurz und führt den informativen Spaziergang dann forsch an. Die Radweganbindung nach Lauchhammer-West wird zu Fuß begutachtet. Dann beginnt die Busrundfahrt. Wichtigstes Ziel ist: Grünewalde strebt das Gütesiegel als anerkannter Erholungsort im Land Brandenburg an. Das satt ins Grün eingebettete Dorf und die beschauliche Ruhe im Erholungsgebiet am Grünewalder Lauch sind gute Argumente dafür.

Auch technisch ist Grünewalde ein Vorreiter: Der Glasfaserausbau macht das Netz flott. Gut 70 Prozent der Haushalte sind mit einem Lichtwellenleiter angebunden. Hier kann die Jury auch in Heiligste einer Kopfstation blicken.

Zum Thema:
Um den Titel im Kreiswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" sind in Oberspreewald-Lausitz in der nunmehr zehnten Auflage neun Bewerber-Dörfer am Start. Das sind deutlich weniger als in den vergangenen Jahren. Bis zu 15 Gemeinden und ländliche Ortsteile haben bisher teilgenommen.Schwarzbach und Bolschwitz haben die größte Ausdauer und sind 2017 bereits zum 9. Mal dabei. Nur ein Dorf aus dem Oberspreewald-Lausitz-Kreis kann in diesem Jahr die Fahrkarte auf die Landesebene lösen. Mit dem Dorfwettbewerb ehrt das Bundesministerium für Landwirtschaft alle drei Jahre bürgerliches Engagement für eine lebenswerte Zukunft auf dem Land.Und die Jury zieht weiter. Am Mittwoch, 13. September, werden Kalkwitz und Groß Mehßow begutachtet. Den letzten Termin haben sich die Juroren für Raddusch aufgehoben: am 14. September.

Simone Schökel und Norwin Märkisch ergründen den Bierautomaten.
Simone Schökel und Norwin Märkisch ergründen den Bierautomaten. FOTO: sam1