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| 10:26 Uhr

Flott unterwegs ein Leben lang

Senftenberg. "40 bis 60 Prozent aller Erwachsenen leiden an Fußproblemen", weiß Oberarzt Ullrich Stopp aus der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Lauchhammer. Dabei wissen die Experten: Fußkrankheiten sind selten angeboren. 98 Prozent aller Babys erblicken gesunden Fußes das Licht der Welt. Stopps Kernbotschaft an 150 Zuhörer beim 5. Pflegeforum des Klinikums Niederlausitz ist deshalb eindeutig: Die Prävention fängt mit dem Laufen lernen an. Oliver Sobe

Für Heike Kuropka bringt der Samstagvormittag auf dem Senftenberger Fachhochschul-Campus auch unbekannte Erfahrungen mit sich. Füßeln auf unbekannten Gegenständen im Karton. Pflege-Azubinen der Krankenpflegeschule Klettwitz bitten in der großen Vortragspause im Foyer des Konrad-Zuse-Medienzentrums interessierte Fachbesucher zum Sinnestest. Wagemutig lässt sich Heike Kuropka die Augenbinde überstreifen und steckt ihren entblößten Fuß in die erste Kiste. Was hier wohl drin ist? Die 43-jährige Hebamme überlegt: "Reiskörner? Oder vielleicht getrockneter Mais?" Tatsächlich befindet sich im Karton eine geballte Ladung weißer Bohnen. "Es stachelt", lächelt Heike Kuropka wenige Augenblicke später. Dieses Mal reift die Erkenntnis schnell. Die Kiste ist voll Heu. Nicht ganz so launig geht es bis zum Mittag am Rednerpult des Hörsaals zu. Als Hauptursachen für selbst verschuldete Fehlbildungen von Füßen im Kindesalter listet Oberarzt Stopp das schnelle Wachstum und oftmals zu kleines Schuhwerk auf. "Bei jedem zweiten Kind drückt der Schuh. Das führt irgendwann zu Schmerzen im Fuß, im Knie, in der Hüfte oder in der Wirbelsäule, zu Skelettverformungen, im schlimmsten Fall auch zu Entzündungen", weiß der Kinderarzt. Stopp empfiehlt ausgleichende Gymnastik. Mädchen und Jungen sollten zudem barfuß laufen: "Am Strand oder im Schnee ist das möglich." Goldene Faustregeln für alle Eltern: Der Innenraum bei Kinderschuhen soll zwölf Millimeter länger sein als der Fuß des Sprösslings. In die Schuhspitze muss der "dicke" Daumen eines Erwachsenen passen. Fußzonen zum Wohlbefinden Dörte Gnewekow, Physiotherapeutin am Klinikum Niederlausitz, versteht die "Architektur" der Fußsohle derweil als medizinischen Schlüssel zum Wohlbefinden. Am Anfang des vorigen Jahrhunderts begründete der amerikanische Hals-, Nasen- und Ohrenarzt Dr. William Fitzgerald die so genannte Reflexzonentherapie. "Nach Fitzgerald spiegelt sich in den Füßen der Mensch mit seinen zehn Körperzonen wieder", lautet Gnewekows Botschaft. Die Spezialgriffe der Zonentherapie haben sich als Behandlungsform bei vielen Beschwerden durchgesetzt: Hexenschuss, Migräne, Schlafstörungen, Tinnitus, Akne, Inkontinenz, Durchblutungsstörungen oder Allergien. "Der Fuß verdient im Alltag genau so viel Aufmerksamkeit wie der Rest unseres Körpers", sagt Dörte Gnewekow am Ende ihres Redebeitrags. Höheres Risiko für Diabetiker Für Diabetiker ist diese Maxime noch ungleich wichtiger. "Das diabetische Fußsyndrom gehört zu den am meisten vernachlässigten Folgeerscheinungen beim Blutzucker", lenkt Klinikums-Oberarzt Dr. Götz Ritter im zweiten Teil des Forums die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf die ganz ernste Seite der Fußkrankheiten. Fehlendes Schmerz- und Temperaturempfinden der Blutzuckerpatienten begünstigen ein 22-fach höheres Amputationsrisiko gegenüber Nicht-Diabetikern. 36 000 bundesweite Neuerkrankungen zählt die Statistik pro Jahr. Fachleute raten Diabetikern zur regelmäßigen Selbstkontrolle und zum strikten Nikotin-Verzicht. Wichtig seien bequemes und geschlossenes Schuhwerk sowie die gute Einstellung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfettwerten. Laut Krankenpfleger Sebastian Schulze gilt für Diabetiker beim Fußbad eine "verblüffende" Devise: "Weniger ist besser." So sollte die tägliche Wäsche nicht länger als drei Minuten dauern und die Quecksilbersäule im Badewasser nicht über 37 Grad klettern. Fettcreme hält geschundene Füße geschmeidig.