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| 02:47 Uhr

Fischotter am Bein und Schweinswale am Angelboot

Andreas Schumann lebt mit der Natur auf du und du – im eigenen Garten hat er eine Benjeshecke angelegt und schwört auf sie.
Andreas Schumann lebt mit der Natur auf du und du – im eigenen Garten hat er eine Benjeshecke angelegt und schwört auf sie. FOTO: Böttcher
Doberlug-Kirchhain. Wenn einer eine besondere Antenne zur Tier- und Pflanzenwelt hat, dann ist es Andreas Schumann aus Doberlug-Kirchhain. Er kann von Begegnungen besonderer Art berichten, die ihm manchmal selbst nicht ganz geheuer vorkommen. Zum Glück kann er Augenzeugen benennen. Gabi Böttcher

Dass Mensch, Tier und Pflanze im Einklang miteinander Erstaunliches bewirken können, ist für den Doberlug-Kirchhainer Andreas Schumann eine Binsenweisheit. Dass er offenbar einen besonders sensiblen Draht zur Natur hat und des Öfteren dafür auf außergewöhnliche Weise belohnt wird, freut ihn. "Man muss der Natur manchmal einfach nur etwas mehr Raum geben, dann dankt sie es uns", ist er überzeugt. Dass er als Freund der Natur in seinem Job als Bauunternehmer sogar für diesen Raum sorgen kann, macht ihn glücklich. Sein eigener großer Garten zeigt anschaulich, was er meint. Da ist die große Benjeshecke, die er als Unterschlupf und Lebensraum für Kleinlebewesen nur empfehlen kann. Nachtigall, Igel, Eidechsen, Insekten - die Artenvielfalt, die durch eine solche Hecke aus aufeinandergeschichtetem Geäst und Gehölz angelockt wird, ist enorm.

"Wer sich einen Teich mit steilen, glatten Ufern anlegt, der kann sich zwar einen Frosch einsetzen. Er darf sich aber nicht wundern, wenn der Frosch bald verschwunden ist", erklärt der Fachmann. Wie es richtig funktioniert, schaut sich der Naturfreund auch bei regelmäßigen Angelurlauben in Norwegen in ganz unberührter Natur ab. In der Tierwelt scheint sich das große Herz des 57-Jährigen herumgesprochen zu haben.

Der Fischotter.
Noch heute ist Andreas Schumann selbst tief beeindruckt von einer tierischen Begrüßung der besonderen Art. Es war im Buga-Park in Cottbus. "Da war ein kleiner Teich angelegt worden, der in die Spree abgelassen wurde. Ich wollte mal sehen, was da vor sich geht. Ich sehe erst einen Fischotter, bleibe stehen. Dann sehe ich immer mehr Fischotter, es waren mehr als zehn, und sie kommen die kleine Anhöhe hoch zu mir. Einer schnuppert an meinem Fuß. Sie umringen mich. Wildtiere, die zum Menschen kommen. Meine Gärtnerin Ramona Scholz ist Zeugin. Das würde mir sonst niemand glauben. Das war ein Schlüsselerlebnis für mich", erzählt Andreas Schumann noch Jahre danach voller Begeisterung. Doch er weiß weitere Beispiele nachzuschieben.

Die Wildkatzen.
Regelmäßig mit Kumpels in Norwegen auf Angeltour unterwegs, gibt es Fotodokumente aus dem Ferienhaus der Männer. Andreas Schumann beim Nickerchen auf dem Sofa - flankiert von norwegischen Wildkatzen.

Die Schwarzmeise.
Und wieder ist Ramona Scholz Zeugin. "Als wir im Garten eines Kunden einen Teich anlegen wollten, war ich gerade mit dem Spaten an einem Thuja-Strauch, der umgepflanzt werden sollte. Da setzt sich eine Schwarzmeise auf meine Hand, die auf dem Spatenstiel ruht. Ein Wildvogel, der sich auf meinen Handrücken setzt und mich anschiepert - das muss etwas bedeuten." Andreas Schumann sah in den Strauch und entdeckte ein Nest. Seinen verständnisvollen Kunden konnte er überzeugen, den geplanten Teich ein Stück zu versetzen und den Lebensraum des Vogels zu erhalten.

"Es ist immer dasselbe Geheimnis. Man muss der Natur Raum lassen, dann dankt sie es. Auch tote Bäume haben ihre Funktion, bieten zum Beispiel Spechten und Insekten Unterkunft", ist der Naturfreund überzeugt. Und Pflanzen und Tiere ergänzen einander. Wer Schmetterlinge in seinem Garten haben möchte, dem sei der Schmetterlingsstrauch oder lateinisch die Buddleja empfohlen. Weißdorn, Brennnesseln, Schlehen - alles hat seine Bedeutung in Andreas Schumanns Garten. Er hat sogar einen alten Baumstamm liegen, in dem sich Hornissen wohlfühlen. "Wo Hornissen sind, sind keine Wespen", beteuert er.

Überhaupt schneide er auch im Herbst nicht alles herunter, die verblühten Dolden vom Schmetterlingsstrauch, die Hagebutten, die Rosen - alles biete der Tierwelt Nahrung. So machte im vorigen Jahr eine Schar Grünfinken Station in Schumanns Garten. In Island landete zuerst ein Alk auf einem Felsen neben ihm, dann gesellte sich eine ganze Schar dieser Vögel in der Nachbarschaft des Doberlug-Kirchhainers hinzu. Er denkt beim Erzählen immer wieder selbst begeistert an seine Begegnungen in der Natur zurück. Und wer sollte sich jetzt noch über diese Krönung wundern, die im Video festgehalten wurde:

Der Schweinswal. "Wir waren in Norwegen mit den Kumpels im Boot zum Angeln unterwegs. Andere fahren zigmal vergeblich in den hohen Norden, um Wale zu sehen. Um unser Boot schwammen in drei bis vier Metern Entfernung Schweinswale herum." Da sind solche Begrüßungen in heimischen Gefilden wie am See in Bad Erna fast schon wieder unspektakulär:

Emil und Erna.
Andreas Schumann versichert, dass auch das die pure Wahrheit ist. Wenn das von ihm Emil und Erna genannte Schwanenpaar mit seinen Jungen am gegenüberliegenden Ufer des Sees in Bad Erna ist, kommt es zur Begrüßung herübergeschwommen. Ganz ohne lockendes Futter.

"Eigentlich ist die Formel immer ganz einfach. Gib' der Natur etwas und Du bekommst etwas zurück", sagt der Doberlug-Kirchhainer. Andreas Schumann muss viel für die Natur tun - um so viele besondere Eindrücke zurückzubekommen.