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| 01:05 Uhr

Finsterwalde hebt ab

Finsterwalde / Schacksdorf.. Im so genannten Hangar 1, der Riesenhalle unweit des Towers, wächst was: ein noch kleines Pflänzchen, das mal ganz groß werden möchte. Hier sind wahre Pioniere am Werk, die basteln an einer wirtschaftlichen Unternehmung, die in der langen Geschichte des Flugplatzes bislang einmalig ist: Hier entsteht die erste Finsterwalder Flugzeugwerft. Und sie hat längst schon einen guten Namen: AM&C, ist Englisch und heißt Aircraft Maintenance & Consulting GmbH. Von Dieter Babbe

Lothar Baues ist ein alter Haudegen in der Luft. Der jetzt 68-Jährige hat quasi 45 Jahre in Flugzeugen gesessen, 25 davon bei der bundesdeutschen Luftwaffe. Viele Jahre lang hat er in seiner Münchner Firma Flugzeuge repariert. Bis dann die politische Wende auch für Lothar Baues und seinen Sohn Eric, ebenfalls ein Flugbesessener, den Luftraum im Osten Deutschlands freigab. „Wir sind hier alles abgeklappert“ , schwärmen beide heute noch, einen Traum nicht mehr nur träumen zu müssen. Richtig gelandet sind sie letztlich auf dem Flugplatz in Finsterwalde / Schacksdorf. Hier war es die Lage in der Mitte von Berlin, Leipzig, Dresden - und Osteuropa ganz in der Nähe, die beiden ins Auge stach. „Und dann diese Halle - so etwas findet man im Westen nicht mehr“ , wissen die Baues.
Vor viereinhalb Jahren begannen sie, das von der Wehrmacht gebaute und von den Sowjets Jahrzehnte als Flugzeughalle genutzte Bauwerk nach und nach weitgehend denkmalgerecht wieder in Schuss zu bringen. Die Betonhalle, an der kräftig der Zahn der Zeit nagte, musste Stück für Stück saniert, die Tore erneuert, eine beheizbare Werkstatt eingerichtet werden. Der gemütliche Pilotenraum ist mit Erinnerungsfotos aus Baues langer Flugzeit geschmückt. Alles in allem eine halbe Million Euro haben die beiden, vor allem der Senior, seit 2001 in die Hand genommen und in die Finsterwalder Flugzeugwerft gesteckt.

„Im Schnitt vier große Reparaturaufträge haben wir im Monat - Arbeit für gegenwärtig sechs Leute“ , berichtet Eric Baues, der als Technik-Chef die Firma leitet. Gegenwärtig steht, neben zwei Antonows, dem größten Doppeldecker der Welt aus russischer Produktion, auch eine Cessna aus Finnland in der Halle. „Der Pilot hat das Wasserflugzeug bei einer Landung ziemlich hart aufgesetzt - und damit erheblichen Schaden angerichtet.“ Wie ein Finne ausgerechnet auf Finsterwalde kommt, hat Eric Baues schnell erklärt: „Solch ein Flugzeug kostet eine Stange Geld, etwa 2,3 Millionen. Das behandelt ein Besitzer wie sein bestes Spielzeug. Und ist es kaputt gegangen, will er wissen, wo es repariert wird.“ Der Finne war selbst nicht in Finsterwalde, aber Fotos haben ihm einen guten Eindruck von der Flugzeugwerft vermittelt: Alles wirkt großzügig, aufgeräumt, kompetent - und nicht nur auf Hochglanzfotos. Kompetent fühlen sich Lothar und Eric Baues auch, den Flugbetrieb mit ihrer Firma auf dem Lausitz-Flugplatz Finsterwalde / Schacksdorf in die Hand zu nehmen. Ein Gesprächsthema, als dieser Tage Vertreter der Gesellschafterversammlung und des Aufsichtsrates der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Finsterwalde, die der Betreiber des Flugplatzes ist, in der Flugwerft vor Ort waren und sich beim Rundgang ein Bild von der noch jungen Firma machen wollten. Für die Baues ist klar: Wir können hier nur weiter investieren und Arbeitsplätze schaffen, wenn das Fliegen in Finsterwalde eine Zukunft hat - die Fluggenehmigung für den Werkslandeplatz also erhalten bleibt. Doch die hat ihren Preis: Vorbeugende Wartungen an den Fluganlagen verschlingen im Jahr bis zu 50 000 Euro. Allein das Glätten der aufgebrochenen Rollbahn hat fast 40 000 Euro gekostet, eine jetzt fällige Fugensanierung ist nicht unter 20 000 Euro zu haben. Geld - das vor allem die Gesellschafter, die Stadt Finsterwalde und das Amt Kleine Elster Massen, zuschießen müssen. Bislang zahlt jeder jährlich 25 000 Euro in die Gesellschaft ein. Das wird, soll der Lausitz-Flugplatz und damit auch die Flugzeugwerft erhalten bleiben oder gar expandieren, bei weitem nicht ausreichen. Für Finsterwaldes Bürgermeister Johannes Wohmann steht dennoch fest: „Wir müssen uns den Flugplatz für unser Mittelzentrum unbedingt sichern - und das Geld zusammenbekommen.“ Ob man das im Amt Massen, wo im neuen Jahr nicht eine Gemeinde mehr einen ausgeglichenen Haushalt hat, auch so sieht? „Da sind sich die Massener mit den Finsterwaldern einig“ , ist sich Olaf Muschter, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, jedenfalls sicher.

Hintergrund AM&C ist 24 Stunden am Tag einsatzbereit
 Die AM & C (Aircraft Maintenance & Consulting) Flugzeugwerft Finsterwalde hat im Hangar 1 ihren Sitz. Telefon 03531 608085, Fax 03531 608086. 24-Stunden-Flugservice unter 0171 2664159. Die Flugwerft repariert und wartet Flugzeuge bis 2000 Kilogramm, Oldtimer, Cessna, Beech und Dornier. Zum Angebot gehören weiter Avionik-Ein- und Umrüstungen, Nietarbeiten, Lackierungen und Ausbesserungen, Polsterarbeiten, Innen- und Außenreinigungen. Die Firma bietet Hallenstellplätze für Flugzeuge sowie einen Shuttle-Service an.