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Finanzspritze für Fagott-Schüler

Honorarlehrer Stefan Kerstan (28) nimmt Mary-Sol Wieden (12) aus Ruhland und Linda Scharr (11/v.l.n.r.) aus Senftenberg unter seine Fittiche. Die Mädchen üben seit zwei Jahren, das Fagott zu spielen. Der Förderverein der Musikschule Oberspreewald-Lausitz wirbt dafür Spenden ein.
Honorarlehrer Stefan Kerstan (28) nimmt Mary-Sol Wieden (12) aus Ruhland und Linda Scharr (11/v.l.n.r.) aus Senftenberg unter seine Fittiche. Die Mädchen üben seit zwei Jahren, das Fagott zu spielen. Der Förderverein der Musikschule Oberspreewald-Lausitz wirbt dafür Spenden ein. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Die Bläserklassen am Senftenberger Gymnasium sind eine gute Schule. Auch Mädchen und Jungen, die aus eigenem Antrieb und dem Anstoß aus der Familie heraus vermutlich nie den Zugang und die Begeisterung für ein Musikinstrument finden würden, entpuppen sich hier als Talente. Kathleen Weser

Ulrich Stein, dem Leiter der Kreismusikschule Oberspreewald-Lausitz, geht angesichts des hoffnungsvollen und fleißigen Nachwuchses das Herz auf. Und er betont: "Leistungsspitzen lassen sich nur aus der Breite entwickeln." Viele Kinder an ein Instrument heranzuführen, sei auch deshalb sehr wichtig. Das vor einigen Jahren neu aufgelegte Landesprojekt "Musik für Brandenburg" in den Schulen sei eines der besten Zugänge überhaupt. Der Landestopf ist allerdings längst ausgeschöpft. Etwa 60 Klassen stehen derzeit noch auf der Warteliste.

Dank einer kräftigen Finanzspritze des Senftenberger Restaurants "Die Drogerie" ist im hiesigen Landkreis ein eher ungewöhnliches und vielversprechendes Experiment vorerst weiter abgesichert: Ins Bläser-Ensemble sind zwei Fagotte aufgenommen. Mary-Sol Wieden (12) aus Ruhland und Linda Scharr (11) aus Senftenberg haben das doppelt große Los gezogen, das Instrument erlernen zu dürfen und dies über ein Stipendium finanziert zu bekommen. Die musikalische Grundausbildung in der weiterführenden Schule ist entscheidend dafür gewesen, dass sie nach der Grundschule unbedingt am Senftenberger Gymnasium die Schulbank drücken wollte, erzählt Mary-Sol Wieden. Linda Scharr hat dies so genau zwar nicht auf dem Schirm gehabt. Aber die erste Wahl auf dem Wunschtzettel für das Instrument, das sie in der Bläserklasse unbedingt erlernen wollte, ist auch bei ihr das Fagott gewesen. Vor allem nach der ersten Probe an allen verfügbaren Instrumenten. Und die Mädchen hatten vor weiteren Mitbewerbern um die zwei Fagotte auch das Quentchen Glück am Lostopf.

In zwei Wochenstunden haben sie in der Bläserklasse fleißig gelernt, das Instrument immer besser zu beherrschen. In der Jugend-Bigband "Jengels" der Musikschule machen sie flott weiter. Honorarlehrer Stefan Heinrich Kerstan (28) reist regelmäßig aus Leipzig an, um die Mädchen anzuleiten und zu guten Leistungen zu bringen. Das gelingt dem jungen Mann, dem nach dem eigenen musikalischen Einstieg an der Blockflöte wegen der Milchzähne der geplante Wechsel zum Horn verwehrt geblieben ist, gut. Nachträglich ist der Lehrer über diesen herben Schicksalsschlag auch recht froh. Er war bei seinem Lehrer geblieben, hat die Liebe zum Fagott entdeckt und gibt sie weiter. Mit Erfolg, wie die Schülerinnen beweisen. Denn selbstverständlich liefern sie Steffen Hofmann, dem Restaurant-Chef, und Mandy Klemann, der Ehefrau des Drogerie-Inhabers, eine musikalische Kostprobe. Die Unternehmer hatten zur Eröffnung des gastlichen Hauses am Jüttendorfer Anger im Oktober des vergangenen Jahres zu Gunsten des Fagott-Projektes der Musikschule ausdrücklich auf Blumen und Präsente verzichtet. Die 1605 Euro, die ihnen mit guten Wünschen ins neue Restaurant getragen wurden, "sind hier sehr gut angelegtes Geld", bestätigt Mandy Klemann sichtlich beeindruckt. Und auch Steffen Hofmann zeigt sich zufrieden. Die im Osten berühmteste Fagott-Stimme, die des Großvaters aus "Peter und der Wolf" von Sergei Prokofjew, ist dem jung gebliebenen Opa noch gut im Ohr. Vor dem Hintergrund der eigenen musikalischen Familie, der Sohn ist ein Ass am Schlagzeug, habe die Idee einer Spende an den Förderverein der Musikschule einfach nahe gelegen. Und die Unterstützung sei auch weiter avisiert.

Zum Thema:
Das Fagott ist ein Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt, dem Töne über 3,5 Oktaven von der Bass- bis zur Tenorlage zu entlocken sind. Der Name des Bassinstruments geht auf seine vielen Einzelteile, die verrschiedenen Röhren (italienisch fagotto, zu Deutsch Bündel), zurück.