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Feuerwehrmann und Strippenzieher

Heimspiel für das Feuerwehr-Blasorchester Boblitz: Bei den jährlichen Auszeichnungsveranstaltungen des Kreisfeuerwehrverbandes OSL, in der Bauernküche Bronkow, sorgen die Musiker stets für gute Stimmung. Die organisatorischen Fäden der Kapelle laufen bei Bernd Schultchen (kleines Foto) zusammen.
Heimspiel für das Feuerwehr-Blasorchester Boblitz: Bei den jährlichen Auszeichnungsveranstaltungen des Kreisfeuerwehrverbandes OSL, in der Bauernküche Bronkow, sorgen die Musiker stets für gute Stimmung. Die organisatorischen Fäden der Kapelle laufen bei Bernd Schultchen (kleines Foto) zusammen. FOTO: Uwe Hegewald
Boblitz. Von hiesigen Zamper- und Fastnachtsumzügen sind sie nicht wegzudenken. Die Rede ist von Blasmusikanten. Doch die fahrenden Musikanten können auch anders: immer, wenn sie von Bernd Schultchen zu Proben und Auftritten des Boblitzer Feuerwehr-Blasorchesters gerufen werden. Uwe Hegewald

Bis zu 15 Stammmusiker umfasst der Klangkörper, bei dem Bernd Schultchen zwar das Flügelhorn spielt aber irgendwie auch die erste Geige. "Bei ihm laufen die Fäden zusammen, er behält den Überblick", sagt Uwe Radnick, der zwischenzeitlich die Cheffunktion übernommen hatte. "Ihm ist das Fortbestehen des Orchesters besonders zu verdanken", zitiert Bernd Schultchen aus der Vereinschronik. Diese reicht bis ins Jahr 1997 zurück, als es zögerliche Versuche gab, im Süden Brandenburgs Feuerwehrmusik zu etablieren. Überzeugungsarbeit war angesagt. "Aktiviert wurden Personen, die mal als Kinder oder Jugendliche ein Instrument gelernt hatten. Keine einfache Sache, zumal das Gros 15 bis 20 Jahre nichts mehr mit Musik zu tun hatte", blickt der Boblitzer zurück.

Als erster Leiter konnte Günter Jentzsch gewonnen werden, der vorher das Reichsbahn Blasorchester Cottbus dirigierte. Seinem Engagement und dem des Initiators und Förderers Frank Jurisch ist es zuzuschreiben, dass das Ensemble trotz holprigem Start bei ihren Instrumenten blieb. Nach einem Ständchen zu seinem 40. Geburtstag befand Jurisch, dass er überrascht und dass es schön gewesen sei.

Die Musiker sahen es anders: Überrascht - ja, aber schön? Naja. Inzwischen umfasst das Repertoire fesche Marschmusik bis hin zu Robert-Stolz-Melodien, was auch auf die akribische Arbeit der Taktstockführer zurückzuführen ist. 2014 hat Steffen Aigringer die musikalische Leitung übernommen, der wie viele andere Boblitzer Feuerwehrmusiker noch in anderen Kapellen musiziert. "Zu unseren Auftritten und Proben reisen unsere Mitglieder aus allen Himmelsrichtungen an", bemerkt Bernd Schultchen, der sich für organisatorische Aufgaben verantwortlich zeichnet.

Von der Tief- und Wasserbau GmbH Boblitz wird dem Ensemble zum Proben ein geeigneter Raum zur Verfügung gestellt. Integriert sind die Blasmusiker beim "Freiwilligen Feuerwehrverein Boblitz". Aber müssen alle Blasmusikanten auch aktive Feuerwehrmänner sein? "Da drücken wir ein Auge zu", sagt Schultchen und begründet das mit dem Ringen um eine angemessene Orchesterstärke. Man sei ständig auf der Suche nach Musikern, da spiele die Mitgliedschaft in der freiwilligen Feuerwehr eine untergeordnete Rolle. Ohnehin gilt Bernd Schultchen als der "musizierende Musterknabe in Uniform". Seit über 40 Jahren stärkt er die Reihen der Floriansjünger und ist für sein Engagement im vergangenen Sommer mit dem Feuerwehr-Ehrenkreuz des Landesverbandes Brandenburg ausgezeichnet worden. Verbandspräsident Werner-Siegwart Schippel bedankte sich für dessen Verdienste als freiwilliger Feuerwehrmann, als Boblitzer Einsatzkraft, Gerätewart und Chefausbilder, als Jugendfeuerwehrwart (1980 bis 1993), als organisatorischer Leiter des Boblitzer Feuerwehrblasorchesters sowie als zuverlässiger und selbstloser Berufsfeuerwehrmann in Cottbus.

Am 10. Juli 2015 endete die Berufsfeuerwehr-Laufbahn von Bernd Schultchen. Mit einer bewegenden Dankeszeremonie ist der Boblitzer in den beruflichen Ruhestand verabschiedet worden - selbstverständlich mit zünftigen Klängen "seines" Feuerwehr-Blasorchesters.