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Feuerwehrleute reden jetzt Klartext

Schwere Verkehrsunfälle wie hier auf der B 169 zwischen Hörlitz und Brieske fordern die Kameraden der Feuerwehren immer mehr.
Schwere Verkehrsunfälle wie hier auf der B 169 zwischen Hörlitz und Brieske fordern die Kameraden der Feuerwehren immer mehr. FOTO: Rasche/str1
Senftenberg. Die Kameraden der freiwilligen Feuerwehren sind gern Helfer in allen Notlagen. Doch das Ehrenamt wird zunehmend auch amtlich missbraucht. Das ist nur ein Problem, zu dem im Land jetzt Tacheles geredet werden soll. Kathleen Weser

Wegen einer toten Ente auf der Vetschauer Grubenwasserreinigungsanlage der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) werden mitten am Arbeitstag die Kameraden der Feuerwehr alarmiert. Denn das über das verendete Federvieh informierte Veterinäramt des Landkreises hat über die Leitstelle Lausitz sofort Amtshilfe eingefordert. Stadtbrandmeister Holger Neumann hat den Einsatz trotzdem abgeblasen - und das Bergen des toten Vogels auf den Abend verlegt. Denn den Unternehmen, denen die Kameraden im Ernstfall von der Arbeit weglaufen müssen, sind Brandeinsätze wie diese wirklich nicht mehr zu erklären.

Inzwischen werden die Feuerwehrleute auch fast rund um die Uhr regelrecht bestellt, um Kranke, Pflegebedürftige und Verletzte nach ihrer Rückkehr aus dem Krankenhaus wieder zurück in ihre Wohnungen zu tragen. Zum "Missbrauch am Ehrenamt" hat Manfred Mrose, der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Oberspreewald-Lausitz, diese von Kranken- und Pflegekassen offensichtlich als selbstverständlich betrachtete Dienstleistung der Feuerwehr erklärt. Auch Werner-Siegwart Schippel, der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, redet Klartext: "Das ist auch mit einer Bezahlung der Tragehilfen durch die Kassen nicht getan. Das ist keine Aufgabe der Feuerwehr."

Vom Notöffnen verschlossener Türen, eigentlich ein klarer Fall für den Schlüsseldienst, bis zum Ast auf dem Gehweg nach einem Sturm, für den auch am Wochenende die Ordnungshüter der kommunalen Verwaltungen zuständig sind, reichen die Anforderungen der Feuerwehren. Das bestätigen die "als Mädchen für Alles" ausgenutzten Kameraden zwischen Kittlitz und Ortrand.

Zu technischen Hilfeleistungen nach Unfällen, die klar zum Aufgabenspektrum der Helfer gehören, rücken die Kameraden immer öfter aus. "Das Ausbildungsprogramm muss diesen Erfordernissen entsprechend angepasst werden", erklärt Werner-Siegwart Schippel am Rande der ersten Regionalkonferenz zur Zukunft der Brandenburger Feuerwehren am Sonnabend in Lübbenau. Der Landesfeuerwehrverband ist das Sprachrohr der Kameraden - auch in Richtung der Politiker. Die Kameraden leisten ihren ehrenamtlichen Dienst für die Gesellschaft - so ausdrücklich betont - trotz der Probleme gern. Aber auch die Lausitzer Feuerwehrleute drängen auf teilweise schon überfällige Veränderungen. Eine Forderung aus der Lübbenauer Runde: Das verbriefte Dienstende aktiver Kameraden mit dem 65. Lebensjahr soll aufgehoben werden. Mitstreiter, die gesund, fit und bereit seien, sollten auch weiter am Einsatzgeschehen teilhaben können. Denn die Erfahrungen der alten Hasen seien unverzichtbar.

Zuzahlungen für den Erwerb von Lkw-Führerscheinen für den Feuerwehrdienst seien ebenso wenig zeitgemäß. Das Freizeit opfer werde Kameraden damit gedankt, dass sie noch in den eigenen Geldbeutel greifen müssten. Zudem solle die Führerscheinverlängerung für die Lenker von Einsatzfahrzeugen erleichtert werden. Die sportliche Leistung im Feuerwehrdienst solle als Boni bei den Krankenkassen ebenso anerkannt werden wie der regelmäßige Gang ins Fitness-Studio. Einheitliche Aufwandsentschädigungen seien überfällig. Eine landesweite Regelung wird von der Feuerwehr-Basis gefordert.

Zum Thema:
Der Landesfeuerwehrverband Brandenburg hat zu fünf Regionalkonferenzen eingeladen. Dem Auftakt am Wochenende in Lübbenau mit den Lausitzer Wehren folgen noch Treffen in Neuruppin, Beelitz, Eberwalde und Fürstenwalde. Im Herbst soll dem Landtag ein Thesenpapier zur Zukunft der Feuerwehren vorgelegt werden. Eingefordert werden schon jetzt klare landeseinheitliche Regelungen zu den Aufgaben der Feuerwehren. Am Ehrenamt-System des Brandschutzes und der Hilfen in Unglücksfällen wird nicht gerüttelt. Es ist auch aus Sicht der Basis bewährt. Allerdings wird angesichts der demographischen Entwicklung im ländlichen Raum auch über die Notwendigkeit hauptamtlicher Dienste diskutiert. Da sind auch auf Bundesebene dicke Bretter zu bohren, sagt der Präsident des Landesverbandes, Werner-Siegwart Schippel.