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| 19:02 Uhr

Dankeschön an die Feuerwehrkameraden
Unglaubliche Geschichten vom Feuer-Ausmachen

Feuerwehrleute aus Ortrand und Schipkau waren während der Waldbrände angefordert worden, um die Wasserversorgung zu sichern, und wurden ebenfalls in Lieberose gewürdigt: Daniel Hofmann, Michael Kiepe (hinten v.l.) sowie Daniel Hausdorf, Tommy Paulo und Andreas Schneider (vorne v.l.).
Feuerwehrleute aus Ortrand und Schipkau waren während der Waldbrände angefordert worden, um die Wasserversorgung zu sichern, und wurden ebenfalls in Lieberose gewürdigt: Daniel Hofmann, Michael Kiepe (hinten v.l.) sowie Daniel Hausdorf, Tommy Paulo und Andreas Schneider (vorne v.l.). FOTO: LR / Ingvil Schirling
Ortrand/Lieberose. 400 Feuerwehrleute sind für ihren Einsatz beim Waldbrand bei Lieberose geehrt worden. Auch Kameraden aus Ortrand und Schipkau. Von Ingvil Schirling

Von Forst bis Luckau, von Schipkau und Ortrand bis Wildau - Feuerwehrleute aus der gesamten Lausitz haben sich am Freitagabend an der Lieberoser Darre eingefunden. In der dunkelblauen Ausgehuniform, mit und ohne Sterne, Orden und Schultertressen gaben sie ein Bild ab, das man selten sieht. Der Anlass war besonders: Nach fast vier Monaten Waldbrand in Lieberose mit zahllosen Einsätzen hatten Land und Landkreis, Amt und Stiftung Naturlandschaften sowie die Wald- und Grundbesitz GmbH zu einer Dankeschön-Veranstaltung eingeladen.

Es gab Worte der Wertschätzung, Bier und Bratwurst, vor allem aber auch ein herzliches Wiedersehen und Geschichten vom Feuer-Ausmachen, wie sie nur das Leben schreiben kann.

Doch vor der Erinnerung an Wolfsbegegnungen und Füchse in Flagranti, wenig Schlaf und dünnen Kaffee noch ein paar Fakten: 15 bis 18 Waldbrände hatte es zwischen Juni und Oktober in der Lieberoser Heide gegeben, davon mindestens sechs Großbrände, zählte Bernd Boschan als Amtsdirektor von Lieberose/Oberspreewald auf. Es war eine Situation, „wie sie selbst die Ältesten noch nicht gesehen hatten“. Mehr als 7000 Einsatzstunden kamen zusammen - und dazu mussten ja noch die mehr als 70 anderen Fälle, bei denen die Feuerwehren gefragt waren, bewältigt werden. Personell und technisch kamen die Wehren an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und darüber hinaus.

Feuerwehrleute aus dem Amt Unterspreewald machten beim Einsatz auch denkwürdige Begegnungen mit Fuchs und Wolf in der Wildnis.
Feuerwehrleute aus dem Amt Unterspreewald machten beim Einsatz auch denkwürdige Begegnungen mit Fuchs und Wolf in der Wildnis. FOTO: LR / Ingvil Schirling

Und für die Feuerwehren aus Ortrand und Schipkau, die nach Lieberose dieses Jahr ein - hoffentlich - letztes Mal und zwar zum Feiern kamen, war dies noch nicht einmal der Einsatzort mit der längsten Fahrstrecke. 471 Einsätze bei Waldbränden hatte es landesweit in diesem Dürresommer gegeben, unter anderem in Treuenbrietzen.

Und so geschah es, dass Wehren der Brandschutzeinheit Oberspreewald-Lausitz im Abstand von wenigen Wochen dort und in Lieberose angefordert wurden. Tommy Paulo als stellvertretender Chef der Feuerwehr Ortrand erzählt, wie sie zu fünft am 12. September um 15 Uhr starteten und am 13. September um 11 Uhr zurück waren. Ihre Aufgabe: Die Wasserversorung im Pendelverkehr über die acht Kilometer von Groß Liebitz zum Brandort in Lieberose sicherzustellen. Einer wurde für die Rückfahrt bestimmt, der schlief auf der Rückbank, die anderen wechselten sich die Nacht über ab. „Da ist man schon kaputt. Aber man macht‘s gerne, ist eben ein Ehrenamt, auch wenn‘s mit der Familie nicht immer einfach ist.“ An die Familien, den Freundeskreis, das Netzwerk hinter den ausrückenden Feuerwehrleuten ging an diesem Abend von verschiedenen Seiten ebenfalls ein ganz herzliches Dankeschön.

„Schlaflose Nächte und dünner Kaffee“ - Jens Ihlefeld von der Feuerwehr Unterspreewald weiß ganz genau, was ihm aus den heißen Waldbrandtagen im Sommer 2018 im Gedächtnis bleiben wird. Patrick „Atze“ Rust hat da noch anderes auf Lager. „Ein Fuchs hat uns ein Gurkenglas geklaut. Und ich glaube, der Wolf war auch nicht weit.“ Zum Beweis für ersteres zeigt er das Foto in seinem Handy, auf dem der Fuchs in Flagranti mit dem Gurkenglas ertappt ist. Dass der Wolf nicht weit war, wissen Sandra Franz und Sabrina Hafenmayer von der Feuerwehr der Stadt Golßen (alles Wehren des Amtes Unterspreewald) aus eigenem Erleben. Auf den vielen Fahrten von der Wasserstelle zum Brandort querten zwei Wölfe kurz nacheinander direkt vor ihrem Fahrzeug den Waldweg.

Die  Wehren Straupitz und Lieberose wurden zahllose Male gerufen. Lothar Urban und Carsten Simon sind 50 und 40 Jahre bei der Feuerwehr.  Sie wurden ebenfalls bei Bränden nahe Beelitz angefordert. Andy Burchardt und Klaus Littig waren von der Feuerwehr Lieberose dabei (v.l.)
Die  Wehren Straupitz und Lieberose wurden zahllose Male gerufen. Lothar Urban und Carsten Simon sind 50 und 40 Jahre bei der Feuerwehr.  Sie wurden ebenfalls bei Bränden nahe Beelitz angefordert. Andy Burchardt und Klaus Littig waren von der Feuerwehr Lieberose dabei (v.l.) FOTO: LR / Ingvil Schirling

Mehrfach hinzugezogen worden war auch die Feuerwehr Forst mit ihrem Tanklöschfahrzeug samt Besatzung. Die Wasserbeschaffung war ein zentrales Thema der Waldbrände in diesem Dürresommer. „Wir kommen aus Spree-Neiße und haben viel Wald, also auch viel Erfahrung mit Waldbränden“, sagt Jörg Baumgart.

Maren Schulze und Claudia Kube von der Feuerwehr Jessern werden ihren Einsatz noch lange im Gedächtnis behalten. „Wir waren in Klein Liebitz stationiert“, erzählen sie, als es darum ging, ob der Ort vorsichtshalber evakuiert werden sollte. „Es war schon heftig zu sehen, wie besonders die Älteren Panik und Angst hatten, dass sie vielleicht aus ihrem Heim rausmüssen“, erinnern sie sich. Doch glücklicherweise kam es nicht so weit.

Wie oft die nächst gelegenen Feuerwehren Lieberose und Straupitz alarmiert wurden, „kann man gar nicht mehr zählen“, sagt Carsten Simon. 40 Jahre ist er bei der Feuerwehr, 50 Jahre zählt Lothar Urban im Dienst der Straupitzer Einsatzkräfte. „So etwas haben wir noch nie erlebt“, sind sie sich einig.

Nun steht die Frage, wer all die Einsätze bezahlt, die das Amt Lieberose/Oberspreewald in den finanziellen Ruin treiben würden, müsste es alles allein bezahlen. Der Kreis wird einspringen, versicherte Landrat Stephan Loge (SPD), doch die Höhe sei noch völlig unklar.

Die zweite wichtige Frage ist, was aus dieser extremen Lage zu lernen ist. Zu wenig Löschwasserbrunnen, Probleme mit der Ortskenntnis, die Munitionsbelastung, der Zustand der Waldwege - in diese Wunden legte unter anderem Günther Dwelch als Geschäftsführer der Wald- und Grundbesitz GmbH den Finger, nicht ohne diese selbst in die Pflicht zu nehmen.

Andreas Meißner von der Stiftung Naturlandschaften sprach einen ökologischen Aspekt an: „Ein Moor wächst einen Millimeter im Jahr.“ Als auch Moorkörper Feuer fingen, „sind manchmal 1000 Jahre Moorgeschichte auf einen Schlag verbrannt. Nur zusammen sind wir in der Lage, solche Verluste zu verhindern“, erklärte er.

Dies und den in diesem Sommer enorm gewachsenen Zusammenhalt unter den Wehren nahmen die Feuerwehrleute mit als Teil einer Bilanz eines heißen Brandsommers. So schlimm die Brände waren, hat sich doch einiges Gutes daraus entwickelt. Nicht zuletzt die praktische Umsetzung einer funktionierenden, kreisübergreifenden Zusammenarbeit. Darauf gab es am Freitag kein Löschwasser und keinen dünnen Kaffee (wiewohl die Versorgung durch das DRK ebenso gelobt wurde). Sondern Hopfenkaltschale.