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| 15:32 Uhr

Brandstifter in Senftenberg?
Feuerwehren im Dauereinsatz

Schreckmoment am Montagvormittag in Senftenberg: Ein Glutnest löst erneut ein Feuer in dem illegalen Reifenlager in der Ackertsraße aus. Die Feuerwehr ist aber schnell vor Ort und kann den Brand in einer Gummiwalze löschen.
Schreckmoment am Montagvormittag in Senftenberg: Ein Glutnest löst erneut ein Feuer in dem illegalen Reifenlager in der Ackertsraße aus. Die Feuerwehr ist aber schnell vor Ort und kann den Brand in einer Gummiwalze löschen. FOTO: LR / Jan Augustin
Senftenberg. Am Montag hat es erneut im Reifenlager in Senftenberg gebrannt. Die Ursache ist dieses Mal eindeutig. Von Jan Augustin

Schreckmoment am Montagvormittag: Erneut brennt das illegale Reifenlager in der Ackerstraße am Senftenberger Stadtrand. Die Feuerwehr rückt aus, kann den Brand dieses Mal aber schnell löschen. Einsatzleiter Frank Winkler nennt vor Ort ein Glutnest als Ursache. In einer riesigen Gummiwalze hatte sich die Glut unter Brandresten versteckt und dann entzündet. Gemeldet worden sei das Feuer von einem ehemaligen Mitarbeiter einer zuletzt auf dem Gelände ansässigen Firma, der ehrenamtlich nach dem Rechten schaue. Nach den beiden Fast-Katastrophen vor zwei Wochen und vergangene Mittwochnacht wird das Gelände drei- bis viermal täglich kontrolliert.

Die Feuerwehren sind im Dauereinsatz. Wälder und Äcker brennen – auch am Montag wieder. Während Tausende Menschen Samstagnacht das Hafenfest feuchtfröhlich feiern, löscht die Feuerwehr einen brennenden Dachstuhl in der Lessingstraße. „Diese Intensität habe ich so noch nicht erlebt“, sagt der mit 30 Berufsjahren erfahrene Feuerwehrmann Frank Winkler. In den leerstehenden Blöcken in der Lessingstraße und in der angrenzenden Damaschkestraße hat es im vergangenen halben Jahr vier Mal gebrannt, bestätigt Winkler. Die Polizei geht hier von Brandstiftung aus, erklärt Polizeisprecher Torsten Wendt. Ob es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen diesen Bränden und denen im Reifenlager gibt, könne nicht gesagt werden. Die Polizei gehe zunächst von zwei verschiedenen Komplexen aus. „Der Zusammenhang ist ein bisschen weit hergeholt“, schätzt Wendt ein.

In der Senftenberger Damaschkestraße und in der angrenzenden Lessingstraße hat es im vergangenen halben Jahr vier mal gebrannt.
In der Senftenberger Damaschkestraße und in der angrenzenden Lessingstraße hat es im vergangenen halben Jahr vier mal gebrannt. FOTO: LR / Jan Augustin

Ein endgültiges Untersuchungsergebnis zu den Bränden im Reifenlager werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Spurensicherung auf dem Gelände, auf dem etwa 3000 Tonnen Altreifen und anderer Gummi gelagert waren, hatte sich für eine Tatortgruppe des Landeskriminalamtes als fast unmöglich erwiesen. Millionen Liter Wasser und Schaum sind verbraucht und verteilt worden. Das Feuer hat teils nur Asche und zusammengeschmolzene Gummiklumpen hinterlassen. „Das ist eine langwierige und intensive Kleinstarbeit“, erklärt Wendt. Die Ermittler seien auf die Brandprotokolle, die Aussagen der Erstmelder, Bewirtschafter, Feuerwehrleute und Hubschrauberpiloten angewiesen. Viele Indizien sprechen aber in beiden Fällen für Brandstiftung – das bestätigen auch mehrere Feuerwehrmänner.

Unklar bleibt indes, wer für die Einsatz- und die Entsorgungskosten aufkommt. Gemäß Brandschutzgesetz ist die Hilfe kostenfrei, wenn der Brand nicht vorsätzlich verursacht worden ist. Senftenberg lässt rechtlich klären, ob die Einsatzkosten den Eigentümern in Rechnung gestellt werden können. Auch das zuständige Landesumweltamt (LfU) versucht, die Entsorgung des giftigen Sondermülls von den Eigentümern bezahlen zu lassen. „Derzeit wird der Kreis der als Grundstücksbesitzer in Frage kommenden Personen überprüft“, teilt LfU-Sprecher Thomas Frey mit. Im Grundbuch sind drei Privatpersonen eingetragen, die ihren Wohnsitz in Deutschland, jedoch nicht im Oberspreewald-Lausitz-Kreis haben. Parallel prüfe das Land aber auch eine Ersatzvornahme. Das Verfahren auf Staatskosten bedürfe aber einer umfangreichen Vorbereitung. Die Entsorgungspreise für die auf dem Gelände lagernden Abfälle liegen zwischen 65 und 350 Euro pro Tonne. Wie viel Müll nach den Bränden noch vorhanden ist, könne noch nicht gesagt werden.