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| 15:53 Uhr

Es brennt lichterloh bei der Amtswehr in Ortrand
Zoff um Vergabe der Verdienstmedaille

 David Langer (l.) erhielt Anfang Juni die Verdienstmedaille des Brandenburger Landtages vom CDU-Landtagsabgeordneten Ingo Senftleben.
David Langer (l.) erhielt Anfang Juni die Verdienstmedaille des Brandenburger Landtages vom CDU-Landtagsabgeordneten Ingo Senftleben. FOTO: CDU/Landtag
Ortrand. Der vor einem Jahr beigelegte Personal-Streit in der Amtswehr Ortrand ist erneut aufgeflammt. Auslöser ist die Verleihung einer Verdienstmedaille. Vier Bürgermeister schreiben Brandbrief an die Landtagspräsidentin. Von Andrea Budich

Die Medaille ist überreicht, der Sekt ausgetrunken, und die Hände sind geschüttelt. Die Brandenburger Verdienstmedaille liegt mittlerweile im Wohnzimmer von David Langer aus Kroppen. Wahrscheinlich soll sie einen Ehrenplatz im Orstwehrführerbüro des 40-Jährigen erhalten. Auf den dicken Orden hat Langer im Depot auch schon längst eine Runde Bier spendiert - so wie es unter Feuerwehrkameraden zum guten Ton gehört.

Dass die Verdienstmedaille nach nicht einmal drei Wochen jetzt für einen Großbrand im Amt Ortrand sorgt, ärgert David Langer, der in seinem Job dafür sorgt, dass der ICE die Strecke München - Berlin in vier Stunden schafft, gewaltig.

An der Rechtmäßigkeit der Auszeichnung zweifelt er allerdings kein bißchen. Dann schon eher an den Unterzeichnern des Offenen Briefes, der schwere Vorwürfe und Anschuldigungen gegen seine Person enthält.

Bürgermeister von Frauendorf sieht Toleranzgrenze überschritten

„Den Brief haben Leute unterzeichnet, die zumindest zum Teil nach der Kommunalwahl im Mai keinerlei politische Verantwortung mehr tragen“, kontert der Ortswehrführer.

„Das ändert nichts am Inhalt“, stellt Mitunterzeichner Mirko Friedrich aus Frauendorf klar. Für den Bürgermeister ist mit der Ehrung Langers eine Toleranzgrenze überschritten worden. „Dagegen wollen wir uns öffentlich wehren“, so Friedrich.

Denn Langer habe während des Personalknatsches vorsätzlich Schlüssel für Einsatzfahrzeuge einbehalten und damit den Zugriff der Amtswehrführung auf diese Fahrzeuge verhindert. Zudem habe er als Amtswehrführer Ortswehren unerlaubter Weise einfach abgemeldet.

Den altgedienten Bürgermeistern der Amtsgemeinden steckt der Zoff des Vorjahres um den Posten des Feuerwehrchefs noch in den Knochen. „Es kann nicht sein, dass der Hauptakteur dafür jetzt einen Orden an die Brust gesteckt bekommt“, erklärt Friedrich.

Mit Verdienstmedaille Öl ins Feuer gegossen

Mit der Verdienstmedaille ist Öl ins Feuer gegossen worden - dem stimmen auch Ortrands Amtsdirektor Kersten Sickert und Amtswehrführer Sven Wielk zu. Ansonsten wollen sie sich allerdings nicht zu dem Brandbrief äußern.

Nur so viel: „Das ist eine politische Kiste, die auch dort geklärt werden soll“, so der Amtswehrführer. Amtsdirektor Kersten Sickert hätte sich gewünscht, „dass es keinen Anlass gibt, die alten Querelen wieder aufzufrischen“. Denn die Amtswehr sei inzwischen auf einem guten Weg, findet sich wieder zusammen.

„Kein Kommentar“ zum Medaillen-Zoff kommt auch von Kreisbrandmeister Tobias Pelzer und Landrat Siegurd Heinze (parteilos).

CDU-Abgeordneter kann „Sommer-Theater“ nicht verstehen

Das große Sommer-Theater kann der CDU-Landtagsabgeordnete Ingo Senftleben indes nicht nachvollziehen. „Mit der Medaille ist der aktive Kamerad und ehemalige Amtswehrführer für sein herausragendes gesellschaftliches Engagement geehrt worden“, unterstreicht er die Berechtigung. David Langer ist für Senftleben Feuerwehrmann mit Leib und Seele - und das seit 20 Jahren. In Kroppen, im Amt Ortrand und im Landkreis OSL hat er verschiedenste Funktionen in der Feuerwehr übernommen.

„Mit Sachverstand und Überblick hat David Langer die Einsätze bei mehreren schweren Hochwassern an der Pulsnitz zuverlässig und höchst kompetent gemanagt“, erinnert sich Senftleben. Dafür soll die Medaille Anerkennung sein - auch nach dem Ausscheiden Langers als Amtswehrführer.

Bei den Unterzeichnern des Offenen Briefes an die Präsidentin des Landtages kommen diese Argumente nicht gut an. Sie fordern David Langer auf, die Verdienstmedaille zurückzugeben.