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| 17:04 Uhr

Brandschutz
Feuerwehr kämpft mit Personalmangel

 Wenn es tagsüber brennt, ist es nicht ganz einfach, möglichst viele Kameraden für den Löscheinsatz zusammenzubekommen.
Wenn es tagsüber brennt, ist es nicht ganz einfach, möglichst viele Kameraden für den Löscheinsatz zusammenzubekommen. FOTO: Mirko Sattler
Ruhland/Senftenberg. Manche Feuerwehren der Region haben ein Problem. Sie können tagsüber nicht mehr gewährleisten, genügend Kameraden zu Einsätzen zusammenzubekommen. Die Situation soll sich in den nächsten Jahren weiter zuspitzen. Von Torsten Richter-Zippack

Die Amtsfeuerwehr Ruhland umfasst insgesamt elf Standorte. Doch tagsüber können rein rechnerisch lediglich 20 Prozent der 224 aktiven Kameraden eingesetzt werden. „Das bedeutet nichts anderes, dass im Fall einer Alarmierung in diesem Zeitraum nicht gewährleistet werden kann, dass alle Standorte ausrücken“, bringt der stellvertretende Amtsdirektor Christian Konzack das Dilemma auf den Punkt. Allerdings sei auch der Fall höchst unwahrscheinlich, dass von keinem der Ruhlander Standorte jemand zu Bränden, Unfällen und weiteren Unglücken ausrücken kann.

„Sollte bei einer Alarmierung nicht genügend Personal verfügbar sein, könnten weitere Standorte im Amt sowie aus anderen Kommunen angefordert werden“, erklärt Konzack. Darüber hinaus bestehe die Möglichkeit, dass sich die Kameraden mit Feuerwehrleuten anderer Standorte zusammenschließen. „Nach meiner Einschätzung wird das Problem der Tageseinsatzbereitschaft in Zukunft eher größer als kleiner, da die Mehrzahl der Kameraden berufstätig und an einem Arbeitsort außerhalb ihres Wohnortes beschäftigt ist, teilweise auch im Schichtdienst. Darüber hinaus sinkt die Zahl der aktiven Einsatzkräfte kontinuierlich“, sagt Christian Konzack.

Im Amt Ortrand ist die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr aus ähnlichen Gründen tagsüber ebenfalls eingeschränkt. „Da die Mitarbeiter in unseren Bauhöfen fast alle Mitglieder der Wehr sind und weitere Kameraden durch Schichtdienst auch tagsüber zu Verfügung stehen, konnten wir alle bisherigen Einsätze auch zu Tagzeiten realisieren“, sagt Amtsdirektor Kersten Sickert.

Auch weitere Wehren der Region haben tagsüber mit dem Mangel an Kameraden zu kämpfen. Beispielsweise die Gemeinde Schipkau: Je nach Einsatzort könne die Tageseinsatzbereitschaft nicht zu jeder Zeit gesichert werden, sagt Gemeindewehrführer Michael Kiepe. Dieses Resultat basiere auf der Selbsteinschätzung eines jeden Kameraden. Allerdings könne die Bereitschaft vom kommunalen Bauhof mit fünf Kameraden, davon drei Führungskräfte, sichergestellt werden. „In schwerwiegenden Fällen werden wir von der Senftenberger Feuerwehr unterstützt“, erklärt Kiepe.

„Die Tendenz zeigt, dass die Probleme größer werden. In unserer Gemeinde gehen alle Kameraden einer Beschäftigung nach. Während der Arbeit ist es zum Teil unmöglich, den Arbeitsplatz zu verlassen“, zeigt der Gemeindewehrführer das Hauptproblem auf. Zudem sei die Akzeptanz mancher Arbeitgeber für Einsätze tagsüber nicht vollumfänglich vorhanden. In Schipkau gibt es aktuell 122 aktive Feuerwehrleute.

In Lauchhammer kann die Einsatzbereitschaft der Kameraden tagsüber immerhin zu rund 90 Prozent abgesichert werden, erklärt Stadtsprecher Heiko Jahn. Sollte es einmal eng werden, würden die Wehren aus den Nachbargemeinden alarmiert. In der Freiwilligen Feuerwehr der Kunstgussstadt sind derzeit 95 Kameraden aktiv.

Etwas entspannter sieht die Situation in Schwarzheide aus. Rathausangaben zufolge kann die Freiwillige Feuerwehr ihre Aufgaben zu jeder Tageszeit erledigen. Inzwischen, so heißt es, hätten viele Arbeitgeber den Mehrwert eines Feuerwehrmannes im Unternehmen und die damit verbundenen Sicherheitsvorteile erkannt. „Hinzu kommt die komfortable Lage, dass wir in Schwarzheide über einen Kooperationsvertrag mit der Werkfeuerwehr der BASF verfügen und durch diese unterstützt werden“, sagt Bürgermeister Christoph Schmidt (parteilos). Die Freiwillige Feuerwehr der Chemiestadt zählt 48 aktive Kameraden. 14 bis 22 von ihnen sind tagsüber einsatzbereit.

Auch in Großräschen ist die Tageseinsatzbereitschaft stets gegeben, sagt Sprecherin Kati Kiesel. „Die Großräschener Unternehmen stellen die Kameraden frei. Zusätzlich sind viele Stadtmitarbeiter in der Feuerwehr engagiert“, so Kiesel weiter. Darüber hinaus erfolgt eine Integration von Kameraden, die zwar nicht in der IBA-Stadt wohnen, dort aber arbeiten, in die örtliche Wehr. „So sind nach Angaben von Andy Lehnigk von der Ortswehr Großräschen-Nord Mitarbeiter des Landeskreises während ihrer Tagesarbeitszeit in die Ortswehren Nord und Ost aufgenommen worden. „Es wäre wünschenswert, dass auch andere Arbeitgeber dies fördern und dies von ihren Mitarbeitern sogar verlangen würden“, kommentiert Lehnigk.

In Senftenberg gibt es aufgrund der hauptamtlichen Feuerwehr eine komfortable Situation. Die Tageseinsatzbereitschaft könne demnach zu 100 Prozent abgesichert werden. „Zwischen 7 und 18 Uhr ist die hauptamtliche Wehr in der Lage, innerhalb einer Minute mit sechs Einsatzkräften auszurücken. Zusätzlich werden je nach Einsatz einige bis alle Ortswehren der Stadt alarmiert“, erklärt Stadtsprecher Andreas Groebe. Die Freiwillige Feuerwehr der Seestadt umfasst acht Ortswehren mit insgesamt 220 aktiven Kameraden. Hinzu kommen 18 hauptamtliche Feuerwehrkräfte.

Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz als auch in ganz Brandenburg sinkt indes die Tageseinsatzbereitschaft, heißt es aus dem Landratsamt. Zum einen, weil sich weniger Menschen zum Ehrenamtsdienst bereit erklären. Zum anderen wegen der zunehmenden Mobilität auf dem Arbeitsmarkt. Kommen bei einem Einsatz auf einer Wehr nicht genügend Kameraden zusammen, werden laut der Alarm- und Ausrückeordnung durch den Einsatzleiter über die Leitstelle Lausitz weitere Kräfte nachalarmiert.

 Wenn es tagsüber brennt, ist es nicht ganz einfach, möglichst viele Kameraden für den Löscheinsatz zusammenzubekommen.
Wenn es tagsüber brennt, ist es nicht ganz einfach, möglichst viele Kameraden für den Löscheinsatz zusammenzubekommen. FOTO: Mirko Sattler