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| 15:00 Uhr

Kunst-Performance in der Kirche
Feuerbrunst legt Ruhland vor 250 Jahren in Asche

Im Innern des Ruhlander Kirchturms zeigt Renate Knychalla letzte Spuren der Feuerbrunst. Geschwärzte Raseneisensteine zeugen von der Katastrophe vor 250 Jahren.
Im Innern des Ruhlander Kirchturms zeigt Renate Knychalla letzte Spuren der Feuerbrunst. Geschwärzte Raseneisensteine zeugen von der Katastrophe vor 250 Jahren. FOTO: LR / Jan Augustin
Ruhland. Zum Jahrestag am Mittwoch wird in der Kirche mit einer Kunst-Performance an die Katastrophe erinnert. Von Jan Augustin

Es muss einer der schlimmsten Brände in der Geschichte Ruhlands gewesen sein. Vor exakt 250 Jahren, am 22. August 1768, hat ein Großfeuer die Stadt fast komplett zerstört. Spuren von dieser Katastrophe sind heute fast keine mehr zu finden. Außer in der Kirche. Dort, im unteren Teil des Turms, zeigt Renate Knychalla (66) auf das Mauerwerk: Die Raseneisensteine sind noch immer geschwärzt. „Es muss so heftig gebrannt haben“, sagt die Ruhlanderin auf dem Weg nach oben. Die Kirche, damals wie fast jedes Gebäude aus Holz, war fast wie die ganze Stadt niedergebrannt. „An diesem Mittwoch wollen wir um 19 Uhr mit einer Andacht an diese Katastrophe erinnern. Auszüge aus der Chronik werden vorgetragen und durch Orgelklänge und Lichtinstallationen untermalt“, erklärt Renate Knychalla, Mitglied im Gemeindekirchenrat. Sie führt die Regie in dem Stück, das einer Kunst-Performance gleicht. Die vier Vorleser bleiben verborgen und sprechen von Emporen hinunter.

Der hiesige Churfürstlich Sächsische Zoll-Biersteuer- und Stempelimpost-Einnehmer Johann Gottfried Schüttich hatte den Brand in seinen Aufzeichnungen als den „allererschrecklichsten“ bezeichnet. Nachmittags gegen 17 Uhr soll die „gewaltige Feuerbrunst“ zwischen dem Schuhmacherbetrieb von Johann George Lohrischens und Kaufmann Ackermann ausgebrochen sein. Auf dem „Bartholomai-Cramen-Markt“ war gerade reges Treiben, als das Feuer so schnell um sich gegriffen hat, dass keine Rettung möglich gewesen soll und alles in Asche legte. „Auch sogar die in der durch das Städtchen fließenden Bach gestandenen Fisch-Kasten sind aus dem Wasser herausgebrannt“, schreibt der Steuereinnehmer und Chronist Schüttich damals. Übrig geblieben sind ihm zufolge lediglich vier Häuser und zwei Mühlen. Verbrannt dagegen der herrschaftliche Hof mit sämtlichen Wohnungen, Scheunen, Ställen und Schuppen, das „Commun-Brauhauß“ – die Brauerei also – 184 Bürgerhäuser, 40 Scheunen sowie die Stadtkirche nebst Wohnungen und zwei Schulen. Schüttich: „Dreiviertel 7 (18.45 Uhr) schlug die Uhr zum letzten Male auf dem brennenden Turm, welcher an den Ziffertafeln und der oberen Kuppel Feuer gefangen hatte und von da in das Innere der Kirche hineinfiel und von innen nun auch zu brennen anfing.“

Erinnerungen an den Stadtbrand in Ruhland vor 250 Jahren: Evangelische Kirche Ruhland, 19 Uhr. Auszüge aus der Chronik werden vorgetragen und durch Orgelklänge und Lichtinstallationen untermalt.