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Feuerwehr Senftenberg zieht Bilanz
Feueralarm: raus aus der Gala-Uniform

Der ehemalige Ortswehrführer Marcel Schneider und Bürgermeister Andreas Fredrich übergeben Auszeichnungen an Kreisbrandmeister Tobias Pelzer und dem neuen Ortswehrführer Sebastian Seemann (v.l.).
Der ehemalige Ortswehrführer Marcel Schneider und Bürgermeister Andreas Fredrich übergeben Auszeichnungen an Kreisbrandmeister Tobias Pelzer und dem neuen Ortswehrführer Sebastian Seemann (v.l.). FOTO: Aswendt Peter
Senftenberg. 108 Einsätze und eine sehr erfolgreiche Jugendarbeit gehören zur 2017er-Bilanz der Freiwilligen Wehr Senftenberg. Von Peter Aswendt

Das geht ja gut los! Als am Samstag die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Senftenberg beginnen soll, schrillen erst einmal die Alarmsignale. Und so schlüpfen die diensthabenden Kameraden von der Galauniform in die Einsatzkleidung.

Ein Feueralarm in Brieske, der sich als harmlos herausstellte, verzögerte ungewollt den Beginn der Jahreshauptversammlung. Mit dem erneuten Uniformwechsel einiger Kameraden eröffnete Ortswehrführer Marcel Schneider die Versammlung und legte mit seinem Rechenschaftsbericht beeindruckende Zahlen vor. An 108 Einsätzen waren die 28 Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Senftenberg beteiligt. Im Durchschnitt waren also sechs ehrenamtliche Feuerwehrleute im Einsatz. Die beiden Fahrzeuge der Ortsfeuerwehr legten insgesamt 3072 Kilometer im vergangenen Jahr zurück. Einsätze wie in der Senftenberger Damaschkestraße und Stralsunder Straße blieben den Kameraden besonders in Erinnerung. Ein spezieller Dank mit Augenzwinkern kam prompt: „Ich bedanke mich besonders bei unserem hundertjährigen Einsatztrupp“, schmunzelt Marcel Schneider. Gemeint waren die Kameraden Frank Irmscher und Achim Schönmut, die beide zusammen die Altersmarke locker knackten und mit Atemschutzgeräten im Einsatz waren.

Kritisches wurde zur Ausbildung einiger Kameraden angemerkt: „Wir hatte im vergangenen Jahr 100 Stunden an Ausbildungsmöglichkeiten im Angebot, 40 Stunden sind nur vorgeschrieben, selbst das schafften einige Kameraden nicht“, kritisierte Schneider. Für das Jahr 2018 steht aber die Ausbildung wieder im Vordergrund: „Leider haben wir bis jetzt nur drei Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt bekommen“, so der Ortswehrführer stirnrunzelnd.

Gefeiert wird im neuen Jahr natürlich auch. Die Ortsfeuerwehr begeht den 140. Geburtstag und die Berufsfeuerwehr feiert das 70. Jubiläum. „Das Festkomitee ist gegründet und arbeitet bereits“, berichte Marcel Schneider zufrieden. Dass es mit dem Nachwuchs in Senftenberg ständig bergauf geht, ist der akribischen Jugendarbeit der Kameraden unter der Führung von Jugendfeuerwehrwart Sebastian Seemann zuzuschreiben. „Es sind jetzt 21 Kinder und Jugendliche in unserer Ortsfeuerwehr aktiv“, gibt stolz Sebastian Seemann in seinem Rechenschaftsbericht zu Protokoll. Immerhin 27 Dienstabende und 125 Stunden mit der Jugendfeuerwehr sowie erste Plätze bei den unter 14-Jährigen und über 14-Jährigen bei Leistungswettbewerben runden die erfolgreiche Jugendarbeit ab.

Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) machte bei der Jahreshauptversammlung die Forderung nach einer besseren Vergütung der Einsatzstunden für die ehrenamtlich aktiven Kameraden auf. Vor dem Hintergrund, dass in ganz Brandenburg 10 000 Ehrenamtler bei den freiwilligen Feuerwehren fehlen, sei dies notwendig. „Ein freiwilliger Feuerwehrmann muss anders behandelt werden als ein ehrenamtlicher Fußballtrainer“, bezog der Bürgermeister klar Position.

Zum Ende machte sich noch, zwar unüblich bei einer Jahreshauptversammlung, ein Wechsel in der Wehrführung notwendig. „Ich bin von Brieske nach Hohenbocka gezogen, der Fahraufwand wird zu groß, um als Ortswehrführer präsent zu sein“, begründet Marcel Schneider seinen Rücktritt. Nach kurzer, aber eindringlicher Diskussion, wurde Sebastian Seemann zum neuen Ortswehrführer gewählt. Damit wurde sozusagen eine Wahlkettenreaktion in Gang gesetzt, denn es fehlte nun ein Jugendwart. Ganz pragmatisch, wie Feuerwehrleute sind, wurde nach kurzer Diskussion Michael Dreesen als Nachfolger bestimmt. Stadtwehrführer Frank Albin hofft mit der Neuwahl nun auf Konstanz in der Führungsarbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Senftenberg.