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Fernsehreife Gummiball-Trommler

Die Gummiball-Trommel-Frauen des Ruhlander Karnevalsclubs steppen den Adler.
Die Gummiball-Trommel-Frauen des Ruhlander Karnevalsclubs steppen den Adler. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Ruhland. Das karnevalistische Geschäft lebt von verrückten Ideen. Simone Koalick (48) vom Narrenvolk in Ruhland ist ein Garant für zündende Einfälle. Und deshalb bringen zwölf Gummiball-Trommler heute die Cottbuser Stadthalle zum Beben – für die Fernsehsendung "Hier steppt der Adler" (rbb). Kathleen Weserund Mirko Sattler

Ein schlagkräftiges Gesundheitsprogramm bringen zwölf närrische Damen vom Karnevalsclub Ruhland (KCR) heute auf die große Show-Bühne. Die Trommlerinnen sind am dank der heimischen Fränkischen Rohrwerke standsicheren Gummiball körperlich extrem gefordert. Dafür hat Simone Koalick gesorgt. Denn das temporäre gewitzte Trommler-Ensemble schwingt die Stöcke nach ihrer Choreografie - und bringt Schwung und Stimmung in die Cottbuser Stadthalle.

Dort wird am Wochenende die Fernsehsendung "Hier steppt der Adler" des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) aufgezeichnet. Für die Lausitzer Karnevalisten ist es eine Ehre und immer wieder ein ehrgeiziges Ziel, beim närrischen Saisonfinale auftreten zu dürfen. Das bestätigt auch Sigurd Höntsch, der seit Jahrzehnten eine feste Größe im Ruhlander Elferrat ist. "Das Lampenfieber steigt", sagt er nach der Generalprobe am Donnerstagabend in heimischen Gefilden. "Die rhythmische Trommel-Nummer, die auch ein hohes tänzerisches Niveau hat, ist Spitze", erklärt er sichtlich zufrieden.

Vom Präsidenten empfohlen

Und das unterschreibt auch Frank Czepok, der Präsident des Karnevalsverbandes Lausitz (KVL), sofort. Der hatte die Trommlerinnen im Sommer zur Dankeschönveranstaltung, die die Karnevalisten traditionell im Schützenhaus-Garten mit Helfern und Unterstützern feiern, erlebt - und sie schon halb fürs Fernsehen geordert. "Das letzte Wort haben natürlich die Fernsehleute. Aber wir haben uns bestens empfohlen für die Sendung", erklärt Sigurd Höntsch auch mit spürbarem Stolz. Er ist mindestens so aufgeregt wie die Frauen. Einziges Mittel zur Beruhigung vor dem Auftritt, den die Kameras für den Sonnabend vor Rosenmontag aufzeichnen werden, sind aufmunternde Worte. Seine Betreuungsfunktion nimmt Sigurd Höntsch aber "sehr ernst" - wie er schmunzelnd versichert. Sonst aber zähle nur der närrische Spaß. Den Schweiß und die Arbeit, die in dem Programm stecken, wird und soll der Zuschauer nicht sehen.

Die verrückte Idee, Gymnastik-Bälle karnevalistisch zu bearbeiten, ist dem Kuraufenthalt eines Vereinsmitgliedes geschuldet, das den Vorschlag in die Runde warf. Nach allgemeiner Zustimmung dafür hat Simone Koalick, die für viele der tänzerischen Darbietungen den Plan schmiedet, die Herausforderung prompt angenommen. "Inspiriert haben mich Übungen aus dem Fitness-Studio und natürlich auch die Musik", erklärt sie bescheiden. Kraft und Ausdauer erfordert der Trommelwirbel auf den Gummibällen, von denen auch einige Übungs-Exemplare den Geist aufgegeben haben. "Wir mussten nachordern", bestätigt Simone Koalick lachend. Ein Ball habe einfach immer Luft gelassen.

Fürs Glück ist gesorgt

Drei Luftpumpen für den Notfall und ein Kompressor werden die Instrumente der Marke Eigenbau schnell und verlässlich nachfüllen. Die Narren wollen es unbedingt in die Sendung schaffen. Das ist alles andere als leicht. Zuletzt waren die Ruhlander vor einigen Jahren mit Hurvínek und Spejbl, den berühmtesten Marionetten des tschechischen Puppenspielers Josef Skupa, und Biene Maja beim steppenden Adler zu sehen. "Die Darbietungen müssen sehr besondere sein. Sonst hat man keine Chance", sagt Sigurd Höntsch.

Und das Quäntchen Glück gehört freilich auch dazu. Für das wiederum ist irgendwie auch Simone Koalick verantwortlich. Hauptberuflich ist sie in der Sauenzuchtanlage Jannowitz tätig - sie versorgt Glücksschweine.