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| 02:45 Uhr

Ferkel mit Familienanschluss

Mini-Schwein Rosalinde hat im Senftenberger Tierpark sechs Ferkel zur Welt gebracht.
Mini-Schwein Rosalinde hat im Senftenberger Tierpark sechs Ferkel zur Welt gebracht. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Immer mehr Mini- Schweine ziehen als Haustiere in Familien ein. Auch der Senftenberger Tierpark gibt jetzt rassereine Göttinger ab. Kathleen Weser

Spätestens Hollywoodstar George Clooney hat das Schwein als Haustier begehrt gemacht. Als sein grunzender Gefährte vor nunmehr zehn Jahren in hohem Alter verstarb, hatte der Schauspieler seine Beziehung zu Max scherzhaft und natürlich weltweit verbreitet als die längste seines Lebens kommentiert.

Diese Berühmtheit werden die süßen Mini-Schweine aus dem Senftenberger Tierpark vermutlich nicht erreichen. Aber die rassereinen Göttinger-Ferkel werden durchaus auch in liebevolle private Hände abgegeben. Das bestätigt Tierpfleger Ulrich Wiese. Denn Mini-Schweine werden als Haustiere immer beliebter.

Die Tiere sind sehr schlau, hören - so sie Lust darauf haben - schnell aufs Wort, sind stubenrein zu erziehen und stinken nicht. Doch Mini-Schweine können sich auch bis zu stolze 100 Kilogramm schwer fressen. Die Körperfülle unter der Schwarte ist stark abhängig von der Veranlagung, die die Schweine-Eltern dem Nachwuchs mitgegeben haben. Experten raten daher vor der wohlüberlegten Entscheidung, die Ferkel in die Familie aufzunehmen, dringend dazu, auch noch einen prüfenden Blick auf deren Erzeuger zu werfen.

Das ist im Senftenberger Tierpark problemlos möglich. Die zarten Mini-Sauen Rosi und Rosalinde haben jetzt 13 Ferkel. Die vorbildlichen Mütter sind im vergangenen Jahr im Zoo Aschersleben geboren und Ende März nach Senftenberg umgezogen. Der Verdacht, dass sie alles andere als jungfräulich gekommen sind, lag nahe. Doch rein figürlich war das den verschmusten Mini-Schweinen nicht genau anzusehen. Denn der hängende Bauch ließ auch überzeugend darauf schließen, dass die Sauen besser als nur gut im Futter stehen könnten. Die beiden neu eingebürgerten Mädels suchten mit den Rüsseln eifrig in der lockeren Erde nach eiweißhaltigen Würmern und waren noch flott dabei, den Zaun zu untergraben. Auch in der weisen Voraussicht, dass Ferkel im Anmarsch sein könnten, sind deshalb Borde gesetzt worden. Denn umtriebiger kleiner Nachwuchs kann noch schneller als ausgewachsene Tiere den Weg in die Freiheit finden. Um ausgebüxte Bewohner aus den Kinderstuben des Zoos machen sich die Tierpfleger aber wenig Sorgen. Die Kleinen kehren immer zur Mutter zurück, wenn sie Hunger haben.

Und den haben Rosis sieben Ferkel und Rosalindes Sechslinge reichlich. Deshalb werden die Schweinekinder noch gesäugt, "solange die Sau sie lässt", sagt Tierpfleger Ulrich Wiese. Die Mitte Mai geborenen Ferkel werden den Tiergärten bereits angeboten. Und auch das Interesse am zweiten Wurf vom Juni wird jetzt geweckt. Denn im zarten Schweinealter von etwa drei Monaten sei es Zeit, die Mini-Ferkel abzugeben. "Ein eigenes Grundstück des Erwerbers ist unerlässlich", betont Ulrich Wiese. Sonst sei es sehr schwer, ein Mini-Schwein artgerecht zu halten. Die Tierpfleger stehen mit Rat und Tat bereit, sollte es auch später noch Fragen geben. Die Mini-Schweine werden im Zoo vor allem mit nicht verkauftem Gemüse aus Einkaufsmärkten gefüttert. Die stillenden Mütter bekommen auch noch Schabefleisch - werden aber bald wieder auf Vitamin-Diät gesetzt.

Zum Thema:
Mini-Schweine stammen ursprünglich aus Göttingen. Forscher haben in den 60er-Jahren für Versuchslabore gezielt kleine Rassetiere gekreuzt, um Platz zu schaffen und Kosten für Futter zu senken. Ein Zuchtschwein der Landwirtschaft wird bis 300 Kilogramm schwer. Die Göttinger Minis wiegen 50 bis 60 Kilogramm. Als die Forscher die Zucht im Jahr 1994 aufgaben, haben viele Pfleger die Tiere mit nach Hause genommen - so kam das Mini-Schwein auch ins Wohnzimmer.Mini-Schweine können ein Alter von 15 Jahren erreichen. Sie sind Rottentiere und sollten deshalb nie einzeln gehalten werden. Experten warnen: Der natürlich angestrebte hohe Rang in der sozialen Gruppe kann in Familien mit Kleinkindern zu Problemen führen. Denn Mini-Schweine akzeptieren krabbelnde Babys wie auch Hunde nicht als ranghöhere Sozialpartner.