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Ferienspaß in Ökotanien mit Floßbau

Benny probiert eine Möglichkeit, mit dem Seil Bretter und Pfähle für das Floß miteinander zu verbinden.
Benny probiert eine Möglichkeit, mit dem Seil Bretter und Pfähle für das Floß miteinander zu verbinden. FOTO: Remus
Annahütte. Schon einmal ein Floß gebaut hatte bis gestern nur einer von den 20 Kindern und Jugendlichen im derzeitigen Erlebniscamp Interkulturelle Begegnung in Ökotanien – der 13-jährige Benny aus Großräschen. Er ist eines der sechs Kinder, die bei der diesjährigen Gemeinschaftsaktion von LAUSITZER RUNDSCHAU und Katja-Ebstein-Stiftung einen einwöchigen unentgeltlichen Aufenthalt im Erlebniscamp gewonnen haben. Barbara Remus

"Voriges Jahr war ich zur Klassenfahrt hier. Aber da haben wir das Floß aus Stöcken gemacht", erzählt der groß gewachsene Junge.

Doch die vorjährige Erfahrung greift an diesem Donnerstag nicht so richtig. Denn dieses Mal sollen zwei Flöße aus großen blauen Tonnen, Brettern und Pfählen entstehen. Wildnispädagoge Frank Kutsche erklärt den jungen Leuten das Ziel, gibt anschließend auch das Material aus dem Kleintransporter heraus.

Doch das Wie des Floßbaus ist etwas, das die Campteilnehmer sich erarbeiten sollen. "Das fördert den Teamgeist, das Miteinander, die Eigenständigkeit", merkt Outdoor-Trainer und Sportpädagoge Mathias Rosner an. Und so schauen er und die anderen fünf Betreuer der multinationalen Feriengruppe bis zur großen Mittagspause vor allem zu, was die Kinder und Jugendlichen so bewerkstelligen. Nur hier und da stellen sie eine Frage, geben einen kleinen Hinweis, wenn es nicht mehr so recht weiterzugehen scheint. Frank Kutsche ruft von ihm frei gewählte Zeiten in die Runde, bis zu denen dieses oder jenes geschehen soll. Eine Floßbaugruppe hat sich zunächst einen Namen gegeben. "Ich hatte ,Wasserratten' vorgeschlagen, und der Name wurde angenommen", erzählt Fenja Emelie. Auch sie hat den Aufenthalt im Erlebniscamp gewonnen und sich darüber sehr gefreut, versichert die zwölfjährige Lauchhammeranerin. Denn ihre alleinerziehende Mutter hätte ein solches Ferienerlebnis nicht finanzieren können. Das Schwimmen im See und das Lichter-Skaten am Dienstagabend im See haben dem Mädchen bisher am besten gefallen. Die verbleibende Zeit möchte es auch nutzen, seine bisherigen Englischkenntnisse anzuwenden. Denn Kinder und Jugendliche aus dem Tschad, aus Syrien, Afghanistan, Tschetschenien und Iran verstehen Englisch bisher immer noch besser als Deutsch. Wo es mit dem Verstehen nicht so klappt, helfen englischsprachige Erlebnispädagogen.

Die zehnjährige Emily und ihre gleichaltrige Freundin Leonie freuen sich über diese Sprachmittlung. Sie greift unter anderem als Emily meint, dass der große Junge aus dem Tschad ihren Vorschlag zum Vorankommen beim Floßbau nicht verstanden hat. Sie lernt, dass das nicht so ist, sondern ihre Idee nicht überzeugt hat. Doch auch für sie ist der Weg das Ziel. Beide Mädchen bringen sich weiter ein - mit Handgriffen und Vorschlägen. Sie freuen sich, diesen unentgeltlichen Feriencampaufenthalt gewonnen zu haben. Jede von ihnen hat zwei Geschwister, und ihre Eltern hätten das Geld nicht aufbringen können. "Es war eine tolle Überraschung, hierherfahren zu dürfen. Und es ist für mich und für Emily das erste Mal überhaupt", sagt Leonie. Sie erzählt weiter, dass die Wanderung toll war und sie viele Pflanzen kennengelernt haben. "Aber das Beste war die Schlammschlacht", sind sich die Mädels einig.

Zumindest ist das bis zur Fertigstellung der beiden Flöße so. Nach einer ausgiebigen Mittagspause mehren sich die Fortschritte, auch mit mehr Tipps und Anregungen von den Betreuern. "Nach so langer Bauzeit muss das Ziel erreicht werden", merkt Frank Kusche an.

Am späten Donnerstagnachmittag ist das Tageswerk vollbracht. Beide Flöße stechen mit ihren Baugruppen und großem Hallo in See und schwimmen schließlich auf diesem. Ein Kinoabend schließt den Donnerstag ab. Und wenn Benny, Fenja Emelie, Leonie und Emily am Sonntag wieder heimreisen, dann brechen die beiden weiteren Gewinner der RUNDSCHAU-Aktion in ihr einwöchiges Erlebniscamp in Ökotanien auf.