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Faszinierende Mühlen-Geschichten in der Niederlausitz

Die Dörrwalder Mühle ist Start und Ziel der Mühlenrundtour.
Die Dörrwalder Mühle ist Start und Ziel der Mühlenrundtour. FOTO: Steffen Rasche/str1
Dörrwalde. Die Dörrwalder Mühle ist Start und Ziel einer Radtour durch das alte Tal der sieben Mühlen um den Altdöberner See. Ein idealer Ort für den Ausflug in die Mühlengeschichte im Norden des Lausitzer Seenlandes, denn hier kreuzen die Fernradwege Niederlausitzer Bergbautour, Fürst-Pückler-Weg und Niederlausitzer Kreisel. Kathleen Weser

Die 52,21 Kilometer der neuen Mühlenrundtour hat Dr. Olaf Krüger selbstverständlich schon mehrmals persönlich in den Beinen. Der Chef der Dörrwalder Mühle ist begeistert von der Strecke, die Radler in gut fünf Stunden auf den bis auf wenige Meter gut asphaltierten Wegen absolviert haben dürften. Kräftiger in die Pedale zu treten, ist gelegentlich auf der Tour auch. Olaf Krüger verweist auf das Höhenprofil mit 434 Metern Gesamtanstieg, das auf den druckfrischen Faltblättern mit der Tourkarte natürlich auch ausgewiesen ist. Nichts haben er und seine rührigen Helfer dem Zufall überlassen. Mit Hilfe der modernen Technik ist die selbst geführte Mühlenrundtour auch über das Globale Positionsbestimmungssystem (GPS) zu erfahren, ohne auf ungeplante Abwege zu geraten. Der QR-Code für Smartphone und Tablet mit der schnellen Information zur Route ist auf dem neuen Faltblatt zu finden.

Der Dörrwalder Ehren-Müller Manfred Hamann hat Olaf Krüger und Anja Zschieschang für die regionalen Mühlengeschichten über das eigene Haus hinaus begeistert. Seine Führungen durch die erstmals im Jahr 1609 im Steuerregister des Amtes Senftenberg erwähnte Dörrwalder Mühle sind legendär. 1845 wurde sie nach einem Brand als Holländermühle neu aufgebaut. Heute ist sie Restaurant, Pension und ein Veranstaltungsort, dem Anja Zschieschang im beschaulichen ländlichen Raum mit Freude federführend Leben einhaucht.

Die Turmholländermühle ist in der Niederlausitz höchst selten geworden. Dass sie praktisch im alten Tal der sieben Mühlen steht, hat Manfred Hamann zuerst im historische Ortslexikon für die Niederlausitz von Dr. Rudolf Lehmann entdeckt. Aber auch schöne Erinnerungen an seine Kindheit verbindet der Wahl-Dörrwalder und langjährige Ortschronist mit den Mühlen.

Schon gut vier Kilometer vom Dorf entfernt steht die Halangmühle Kunersdorf, die einst mit Wasser angetrieben wurde, um Getreide und Öl zu mahlen. Nachfahren der Müllersfamilie bewohnen das Grundstück bis heute. Auch die Bergmühle von Kunersdorf, die einst auf moorigem Grund stand und nach Hochwasser auf einem günstigeren Standort neu errichtet worden war, ist heute ein Wohnhaus. 1990 hat diese Mühle den Betrieb eingestellt.

An die Mühle im Kühlen Grund Lubochow, die einst ein beliebtes Ausflugsziel gewesen ist, erinnert sich Manfred Hamann sehr gern zurück. "Auf den Mühlenteichen konnten wir als Jungs mit Ruderbooten fahren. Und die Suppe und die rote Brause haben meine Freunde und ich geliebt", erzählt er. Die Wassermühle Reddern ist die nächste Station der neuen Radtour. Das Sägewerk arbeitete noch bis in die 90er-Jahre. Zur Schau hat der Eigentümer ein Wasserrad in Betrieb.

Die Ranzower Mühle ist seit 1720 in Familienbesitz und steht heute still. Liebevoll wird aber das Bett des alten Mühlenteiches nach wie vor gepflegt.

Die Zwietower Bockwindmühle hat Alfred Weise zu einem Museum gemacht. Sammlerstücke aus zwei Jahrhunderten, die vom bäuerlichen Leben erzählen, hat er zusammengetragen. Und die Geschichte der Bockwindmühle gibt er auch immer wieder gern zum Besten. Alfred Weise hat die Müllerstochter geheiratet. "Zuerst habe ich mich in meine Frau verliebt. Gleich danach sofort auch in die Mühle", bestätigt er lachend. Neugierige empfängt er gern. "Allerdings nur nach vorheriger Anmeldung", sagt er. Zum Mühlentag aber stehen die Türen immer offen. "Ich freue mich darüber, dass die Radler auf die Mühlentour gehen können", sagt er - und weist den Weg zur nächsten Station. Das ist die Schlaband-Mühle in Zwietow. Hier wurden Buchweizen verarbeitet und Futter geschrotet. Die Alte Mühle Zwietow indes arbeitet noch. Besitzer Konrad Seidel führt Mühle, Sägewerk und Landwirtschaft weiter. Und hier gibt's auch Kaffee und frische Buchweizenplinse. Ein Büchlein mit 79 Buchweizen-Rezepten, die Alfred Weise aus alten Kochbüchern und von Hausfrauen zusammengetragen hat, ist hier auch zu haben. Die Buchweizentorte ist ein Geheimtipp.

Auch Uwe Zozmann freut sich in der Wassermühle Neudöbern auf die Radler. "Die Mühlenrundtour ist eine wirklich gute Idee", lobt er. Die Familie hatte die Mühle 1995 vom hoch betagten Besitzer Georg Schneeweiß gekauft. "Als Wohnsitz", bestätigt Uwe Zozmann. Doch die Liebe zum Anwesen, das mehr als 500 Jahre in Schneeweiß-Familienbesitz war, fasziniert den neuen Eigentümer. In der Silvesternacht des Jahres 1900 war die Wassermühle vollständig abgebrannt. Innerhalb von knapp zwei Jahren war sie wieder errichtet. Seit 2006 restauriert Uwe Zozmann das Anwesen nach und nach. Mit dem neuen Wasserrad wird Energie erzeugt. Die Mühle ist Veranstaltungsort mit einer kleinen Gastronomie.

Letzte Station der neuen Mühlenrundtour ist die Gattigmühle Altdöbern. Historisch überliefert ist hier diese Geschichte: Der Gutsbesitzer enteignete vor etwa 250 Jahren den Müller. Denn der hatte sich demnach dem "Vollsaufen" ergeben und lebte mit seiner Frau und den Kindern in Unfrieden.

Diese und weitere faszinierende Mühlengeschichte(n) werden auf der Radtour und beim Rundgang mit Ehren-Müller Manfred Hamann in Dörrwalde erlebbar.

www.lausitzer-seenland.de

Zum Thema:
Am 23. Deutschen Mühlentag, am Pfingstmontag, werden an der 1845 erbauten Holländermühle in Dörrwalde wieder viele Gäste erwartet (11 Uhr). Im November 2013 ist die denkmalgeschützte Mühle als Veranstaltungsort mit besonderem Flair und einem gemütlichen Restaurant mit regionaler Küche wieder eröffnet worden. Wissenswertes zum Wahrzeichen des Dorfes vermittelt Ehren-Müller Manfred Hamann in unterhaltsamen Führungen. Neben den Musikern des Großräschener Fanfarenzuges sind auch Märchenerzählerin Ute Fisch, Mühlengaukler und Clown Husch und die Schwarzheider Musikanten angekündigt. Und der Mühlenspeicher mit der Ausstellung und viele leckeren Mühlenprodukten ist geöffnet. Radler werden aus erster Hand zur Mühlenrundtour informiert. Auf der Route durch das historische Tal der sieben Mühlen und weiter um den Altdöberner See sind historische Wind- und Wassermühlen zu entdecken und ihre Geschichten zu erfahren.