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Fastenzeit – frei zum Verzicht statt gefangen im Anspruch?

Fasten verbinden heute viele eher mit körperlicher Ernährung, als mit traditioneller spiritueller Erfahrung. Durch bewusst nach Menge und Zusammensetzung reduzierte Aufnahme neuer Stoffe können wir bereits Aufgenommenes besser verarbeiten; Überflüssiges – Schädliches gar – abbauen und loswerden.

Das ist ein bisschen wie beim Medien-Konsum: Während der Aufnahme setzt die Verarbeitung nur sehr zögerlich ein. "Sieben Woche ohne", die bundesweite Fastenaktion der evangelischen Kirche in Deutschland, klingt als Programm deshalb für manche arg nach darben. Verzicht kann aber eben auch die Pause schaffen, zu sortieren, Ballast abzuwerfen. Das braucht Zeit und Muße und zuallererst innere Freiheit. Und das Gelingen hängt von der Perspektive ab: Je stärker ich Wohlstand und seine Annehmlichkeiten nicht als gemeinsam erarbeiteten Reichtum ansehe, an dem jede und jeder einen fairen Anteil haben sollte, sondern als ausschließlich der eigenen Leistung zu dankenden Status und daraus erwachsende Ansprüche, desto schwerer wird es mir fallen, auf diesen Anspruch um meiner selbst willen, teil- oder zeitweise zu verzichten: um ein Stück der inneren Freiheit zurückzugewinnen, die ich eigentlich zur Bewertung des eigenen Lebens bräuchte. Die Frage "Was steht mir zu?", als primär auf den Vergleich mit anderen bezogene Abwägung, verstellt den Blick auf sinnvolle Fragen wie "Was brauche ich wirklich?" und wichtiger noch: "Was tut mir gut?" Die Qualität der Fragen bestimmt stets den Wert der Antworten. Wer Fasten nur im Sinne einer "Freiheit von" versteht, wird es ganz anders sehen und erleben, als wenn es im christlichen Sinne als "Freiheit zu" genossen wird. Wozu möchten Sie Freiheit zurückgewinnen? Finden Sie es in den sieben Wochen bis Ostern heraus - vielleicht beim Fasten.