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| 15:36 Uhr

Klettwitz
Ratten-Design im Fahrerlager und 1000 Pferde im Oval

Robert Rasche (vorn) und Mirco Guhr sind seit drei Jahren mit ihrem Polo beschäftigt, um diesen perfekten Ratten-Look hinzubekommen. Um ihren Polo richtig in Szene zu setzen, dauerte das Anordnen der Spinnweben anderthalb Stunden.
Robert Rasche (vorn) und Mirco Guhr sind seit drei Jahren mit ihrem Polo beschäftigt, um diesen perfekten Ratten-Look hinzubekommen. Um ihren Polo richtig in Szene zu setzen, dauerte das Anordnen der Spinnweben anderthalb Stunden. FOTO: Aswendt Peter / PETER ASWENDT
Klettwitz. Fast Car Festival vereinte PS-Fans auf dem Lausitzring. Teilnehmer aus ganz Europa waren dabei. Von Peter Aswendt

Das Fast Car Festival auf dem Lausitzring ist wohl das einzige Autoevent, das jeden PS-Fan zufriedenstellt. Vom Tuning über Rundstreckenrennen und  klassische Viertelmeile kommt jeder auf seine Kosten. Neu ist, dass vom Dekra-Test-Oval bis zur Grand-Prix-Strecke das ganze Areal den Liebhabern extremer Autos für ein Wochenende gehörte.

„Für uns ist das gar nicht so schlecht, dass der Lausitzring einen neuen Eigentümer hat“, sagt Veranstalter Marco Thillmann. Mit seiner Firma TP-Event GmbH organisiert er seit 2005 das Fast Car Festival, vier Mal schon in der Lausitz: „In diesem Jahr haben wir nur einen Ansprechpartner und können auch das Dekra-Oval nutzen“, sagt  der Eventmanager.

Mit einem harten Kern von zehn Mitarbeitern ist er Freitag mit dem Equipment auf dem Lausitzring angereist. „Mit allen Kräften, die wir hier dazubuchen, sind wir so um die 40 Menschen am Wochenende, die sich um das Festival kümmern“, beschreibt er den Aufwand. Neben den knapp 10 000 Besuchern des Wochenendes haben sich 200 Teilnehmer in die Wettbewerbe eingeschrieben.

Zu schönen Autos gehört auch ein zünftiger Show- und Shine-Wettbewerb. Neben den vielen chromfarben und leuchtend lackierten Autos fällt der Polo 86 C Ratte von Robert Rasche und Mirco Guhr besonders ins Auge. Der Zusatz „Ratte“ bedeutet, dass hier auf einen besonderen Gammel-Look beim Tuning Wert gelegt wird. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, sagt der Tuner: „Die aufwendigen Grafiken oder der verbrauchte Kleber für verschiedene Kronkorkenmotive kosten schon ein kleines Vermögen“, klärt Robert Rasche aus Sebnitz auf.

Was andere Autobesitzer wie die Pest bekämpfen, den Rost, ist für die Ratten-Tuner ein Muss: „Wir haben das ganze Blech abgeschliffen und dann die Luftfeuchtigkeit ihr Werk tun lassen“, erklärt Mirco Guhr aus Bischofswerda die Verfahrensweise. „Solange kein Loch im Blech ist, wirkt der Rost wie ein Lack“, bestätigen die Tuner die Haltbarkeit. Erstaunlich ist: Das Auto könnte jederzeit wieder fahren.

Einer anderen Leidenschaft frönt Andrew Pringle aus Schottland: „Ich mache in dieser Saison die German Timeattack Serie mit“, sagt der Brite. Es ist ein Wettbewerb für getunte Fahrzeuge aller Art. In verschiedenen Klassen gehen die Liebhaber PS-starker Autos auf die Jagd gegen die Zeit. Das heißt, wer am schnellsten die Grand-Prix-Strecke absolviert, ist Sieger. Der junge Schotte ist mit Senftenberger Verstärkung unterwegs. Rebekka Zech ist als Beifahrerin und Mechanikerin im Mini JCW mit auf der Zeitenjagd: „Wir haben uns im Oktober 2016 auf einem Tuningtreffen im Elbepark in Dresden kennengelernt“, sagt die Senftenbergerin lachend. Seitdem sind beide unzertrennlich, wenn es um den Motorsport geht.

Andrew Pringel, der am Tegernsee geboren ist, also ein bayerischer Schotte, machte seine Ausbildung zum Kfz-Meister bei der Handwerkskammer Cottbus, als sich beide trafen. Für seinen Mini, der rechts gelenkt wird, hat Andrew Pringle schon fast 20 000 Euro ausgegeben. „Es geht schon sehr professionell zu in dieser Serie, da kann man nicht einfach nur ein Auto von der Stange fahren“, so der Schotte, der in der Klasse 2WD für seriennahe sportliche Fahrzeuge startete.

Mit Pferdestärken ohne Grenzen ging es bei der Viertelmeile auf dem Dekra-Oval zur Sache. Christoph Wiesener war mit seinem Fahrer und Kompagnon vom CW-Racing Michael Gehrike extra aus Angermünde angereist, um die Viertelmeile mit ihren sogenannten „Dragcivic“ in Angriff zu nehmen. „Wir sind oftmals auf Flugplätzen unterwegs, da wir ja eine Strecke brauchen, die 400 Meter geradeaus geht und noch Auslaufzonen“, stellt er klar.

Das Basisfahrzeug ist eigentlich eine Honda Civic mit einem Zweilitermotor, aber die Ähnlichkeit ist wahrscheinlich nur noch mit einer Fahrgestellnummer zu überprüfen. „Mit Turbo und einigen kleinen Veränderungen sind wir jetzt bei etwa 800 PS“, sagt Christoph Wiesner.

Die Jungs aus Angermünde planen aber mit 1000 PS für die Zukunft. „Die vielen Allrad getriebenen Audis sind alle so in dem Bereich, da müssen wir uns ganz schön strecken“, stellen Fahrer und Teamchef klar.

Für die Freunde verbrannten Gummigeruchs gab es im Turn 2 des Ovals und in der Driftzone Fahrer zu bestaunen, die die Fliegen auf der Seitenscheibe haben, da das Querfahren ihre Passion ist.

Mit einer zünftigen Fahrerlagerparty klang der Samstag aus. Der Sonntag war mehr oder weniger der Abreise vorbehalten. „Für Veranstalter Marco Thillmann und sein Team steht fest: „Hier können wir unser komplettes Angebot abspulen. Wenn die Konditionen stimmen, kommen wir gerne wieder.“