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Fanfaronade mit Gänsehautmomenten

Stolz marschiert der Großräschener Fanfarenzug in seiner Show am Publikum vorbei. Hunderte Besucher kamen in die Seestadt, um dem seltenen Spektakel beizuwohnen.
Stolz marschiert der Großräschener Fanfarenzug in seiner Show am Publikum vorbei. Hunderte Besucher kamen in die Seestadt, um dem seltenen Spektakel beizuwohnen. FOTO: Hegewald
Großräschen. Diese Fanfaronade wird noch lange nachhallen. Ein spektakuläres Bild bietet sich den Zuschauern am Samstagvormittag. Uwe Hegewald / uhd1

Mehr als 550 Musiker nehmen auf der Nordtribüne des Sportplatzes des SV Großräschen Aufstellung und interpretieren zwei gemeinsame Stücke. Bürgermeister Thomas Zenker genügen indes zwei Worte, um seine ersten Eindrücke zusammenzufassen: "Gänsehaut pur."

Zum 27. Mal veranstaltete der Märkische Turnerbund Brandenburg mit einer Fanfaronade einen mehrstündigen, offenen Wettbewerb, der als größter europäischer Leistungsvergleich für Naturfanfarenzüge gilt. Nach 1999 erwies sich Großräschen zum zweiten Mal als würdiger Gastgeber.

"Die Fanfaronade ist die offizielle Geburtstagsfeier für unseren Fanfarenzug, der in diesem Jahr 65- jähriges Bestehen feiert", sagt Stadtoberhaupt Thomas Zenker. Mit Beifallsorkanen, kleinen La-Ola-Wellen, Jubel und Sympathie-pfiffen erwidert das Publikum die Leistungen der 13 Vereine aus sechs Bundesländern. Ramona Krull werden persönliche Gänsehautmomente beschert. Sie erhält die Ehrennadel des Landessportbundes Brandenburg in Bronze. "Damit habe ich nicht gerechnet", so die Großräschenerin, die seit 35 Jahren im Verein Fanfare spielt. Am Samstag ist das 77. Mitglied in den örtlichen Fanfarenzug aufgenommen worden, der um 10:48 Uhr seine erste Bewährungsprobe zu bestehen hat. In geballter Formation von 75 Musikern setzen die Großräschener in ihrem Wohnzimmer ein musikalisches Ausrufezeichen.

"Der Auftakt verlief schon mal vielversprechend. Wenn wir uns in der Punktebewertung gegenüber den Vorjahren verbessern können, ist das schon ein Erfolg", sagt Ramona Krull. Von der internationalen Jury werden die Musik, visuelle Eindrücke und Effekte bewertet, bei denen die Gastgeber zu punkten wissen. "Seht euch die kleinen Zwerge dazwischen an", schwärmt Moderatorin Kerstin Bolik und bemerkt: In diesem Jahr konnten die Großräschener Musiker bereits mehr als 30 junge Seestädter im Alter zwischen fünf und 13 Jahren für ihr Hobby begeistern. Co-Moderator Herbert Großmann ergänzt: "In Fanfarenzügen wachsen Menschen zu Persönlichkeiten heran."

Verbaler Seelenbalsam für Ministerpräsident Dietmar Woidke, der zwischenzeitlich bei der 27. Fanfaronade vorbeischaut. Dem Publikum erzählt er, dass er als 11- Jähriger im Forster Fanfarenzug musiziert habe. Gleichzeitig gesteht er: "Ich war mächtig stolz, auf der Fanfare drei verschiedene Töne herausgebracht zu haben." Stolz ist auch Ramona Krull auf ihren fünfjährigen Sohn Lenny, der mit einer Handtrommel in der Kategorie Marsch- und Standspiel auszumachen ist. Seine erste Meisterschaft überhaupt, so die Mutter, die sich ebenso an die 1999er Regen-Fanfaronade in Großräschen erinnern kann, wie Moderator Großmann. "Zehn Minuten vor Beginn hat der Regen eingesetzt und bis zum Ende angehalten. Dieses Mal war alles perfekt", so der Berliner. "Hut ab vor dem Großräschener Fanfarenzug, der als Veranstalter und Teilnehmer eine Doppelbelastung zu leisten hat", würdigt er. Am Ende der acht Wettbewerbe stehen für die Großräschener zwei vierte und ein fünfter Platz zu Buche. Die Marga-Fanfaren "Birkchen" aus dem benachbarten Brieske erringen in der zweiten Division einen Bronzeplatz. Es ist weit nach 19 Uhr und das Geschehen bereits in den Hafen verlegt, als Vereinschef Benjamin Seidemann seine Leute für ein erstes Fazit zusammentrommelt. "Ihr ward ein megageiles Team. Wir dürfen mit unserer Leistung mehr als zufrieden sein", lässt er seine Mitglieder wissen und Medaillen regnen. Als kleinen Trost, weil es nicht mit einem Podestplatz geklappt hat, bekommen Musiker und Betreuer saphirblaue Medaillen mit aussagekräftiger Signatur umgehängt: "Teil einer ganz besonderen Familie" steht auf den gläsernen Plaketten, die abschließende, erlösende wie auch versöhnliche Gänsehautmomente herbeiführen.