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Aus dem Gericht
Familienvater muss wegen Raubes hinter Gitter

Senftenberg. Das Landgericht Cottbus hat einen 26-jährigen Lauchhammeraner verurteilt. Die Mitangeklagten schwänzen indes den Prozess. Von Jan Augustin

Am Landgericht Cottbus ist am Donnerstag der Macheten-Prozess zu Ende gegangen. Zumindest für einen der drei Angeklagten. Der 26-jährige Familienvater aus Lauchhammer wurde wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes, Hausfriedensbruch, Körperverletzung und Nötigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Die 2. große Strafkammer um den Vorsitzenden Richter André Simon wird sich aber noch weiter mit diesem Fall auseinandersetzen müssen. Denn die beiden 31-jährigen Mitangeklagten schwänzen den Prozess und erscheinen nicht zu den Terminen. Wenn sie sich weiter nicht melden und keine schlüssige Entschuldigung vortragen, müssen sie mit Haftbefehl vorgeführt werden.

Ursprünglich angeklagt waren die drei Männer wegen zwei Raubüberfällen in Lauchhammer. Auf Antrag der Cottbuser Staatsanwaltschaft ist ein Verfahren gegen den 26-Jährigen allerdings eingestellt worden. Verantworten muss er sich wegen eines brutalen Raubüberfalls vor knapp zwei Jahren. Ohne Wenn und Aber räumte er die Tat bereits ein und gibt auch im letzten Wort zu: „Ich habe viel Mist gebaut.“

Mit seinen beiden Kumpanen war er in einer Märznacht in die Wohnung des Opfers eingedrungen. Sie traten die Tür ein, obwohl sich der Geschädigte „mit voller Kraft gegen die Tür gestemmt“ hatte, wie der Zeuge vor Gericht berichtet. Danach musste er von seinem ehemaligen „Kumpel ohne Ende“ zwei- bis drei Faustschläge ins Gesicht einstecken. Anschließend hielt dieser ihm noch eine Machete an den Hals. Wenn er etwas der Polizei sage, dann wird er abgestochen, soll er gedroht haben. Zuvor sollen die beiden säumigen Mitangeklagten eine Playstation, drei Spiele, ein Samsung-Smartphone, einen Laptop und eine Uhr gestohlen haben.

Der Angeklagte nimmt den Urteilsspruch mit einem kurzen, aber erleichternden Lächeln auf. Angesichts des Vorstrafenregisters und der ursprünglichen Anklage kommt der Lauchhammeraner mit einem blauen Auge davon. Der junge Familienvater war erst im April vergangenen Jahres zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach eingelegter Revision bestätigte der Bundesgerichtshof vor Kurzem dieses Urteil. Verdonnert wurde er damals für zwei Raubüberfälle. Mit zwei Kumpanen hatte er vor drei Jahren eine Spielothek in Finsterwalde überfallen und 1500 Euro erbeutet. Dabei soll einer Mitarbeiterin mit einer Pistole oder einer pistolenähnlichen Waffe gedroht worden sein. Die drei Männer sind danach nach Prag gefahren, wo sie mit einem gestohlenen Auto in eine Polizeikontrolle geraten sind und schließlich festgenommen wurden. Wenige Wochen zuvor überfiel der Lauchhammeraner eine Tankstelle. Mit einem Messer hatte er die Herausgabe des Geldes verlangt. 150 Euro und ein paar Dosen Red Bull soll er so erbeutet haben.

Die Staatsanwaltschaft, die am Donnerstag auf vier Jahre und drei Monate plädiert sowie die Verteidigung, die drei Jahre und neun Monate für angemessen hält, erklären bereits nach dem Urteilsspruch, keine Rechtsmittel einlegen zu wollen. Trotz der langen Haft, die nun vor dem Verurteilten liegt, klingt auch Optimismus in der Stimme: „Ich sehe das als Ende für einen Neuanfang.“