| 15:36 Uhr

Ordnungsamt Senftenberg
Stadt plant mit sechsstelliger Einnahme aus Knöllchen

FOTO: Josephine Japke / LR
Senftenberg. Im Haushaltsplan der Stadt Senftenberg sind 108 000 Euro Einnahmen aus Knöllchen vorgesehen. Die Summe kann allerdings nur erreicht werden, wenn das Wetter mitspielt. Von Josephine Japke

108 000 Euro Knöllchen-Einnahmen plant die Stadt Senftenberg für den Haushalt 2018 ein. Fast 9000 Euro konnten in den ersten zwei Monaten des Jahres schon eingenommen werden. Diese Summe ist natürlich kein zu vernachlässigendes Standbein im Haushalt der Stadt, wie Sachgebietsleiterin Ordnung und ruhender Verkehr, Ramona Donath erklärt: „Natürlich planen wir auch mit dem Geld. Wofür genau wir das verwenden, lässt sich aber nicht an konkreten Beispielen festmachen, da jeder Cent auf das Produktsachkonto ‚Einnahmen Ordnungswidrigkeiten‘ kommt“, sagt sie.

Die größte Position auf diesem Konto sind Einnahmen durch Falschparker. „2017 haben wir knapp 5400 Knöllchen verteilt. Das sind etwa 75 000 Euro Verwarngelder. Hinzu kommen Bußgeldbescheide“, erklärt Ramona Donath. Außerdem auf dem Konto vertreten: Einnahmen durch Verstöße gegen die Hundehalter-Verordnung, das Wohnschutzgesetz oder die Sondernutzung von Plakatierungen und Werbeaufstellern.

In Großräschen ist es ähnlich: Auch hier werden die meisten Bußgelder für die Ahndung ruhender Verkehr ausgesprochen, vor allem für das Parken ohne Parkscheibe im Stadtgebiet. „2017 wurden 332 Knöllchen im Wert von etwa 4600 Euro ausgeteilt“, teilt Pressesprecherin Kati Kiesel mit. Bis Ende Februar konnten ihr zu Folge bereits 31 Ordnungswidrigkeiten im Wert von 385 Euro geahndet werden. Großräschen beschäftigt derzeit zwei Politessen auf Teilzeitbasis. In Ortrand gibt es keine einzige mehr – hier ist die Polizei dafür verantwortlich Ordnungswidrigkeiten nachzugehen.

Ob die vier Politessen, die Senftenberg und Ortsteile abdecken, am Ende des Jahres wirklich Knöllchen im Wert von mehr als 100 000 Euro verteilt haben werden, ist abzuwarten. Schon im letzten Jahr sah die Haushaltsplanung eine ähnliche Summe vor, die mit 75 000 Euro tatsächlichen Einnahmen allerdings deutlich verfehlt wurde. „Die Einnahmen schwanken je nach Wetterlage. Für das letzte Jahr haben wir mit wesentlich mehr gerechnet. Das Wetter hat uns aber einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Ramona Donath.

Im Sommer werden vor allem in den seenahen Ortsteilen Niemtsch und Großkoschen ab der Mittagszeit, nach Schulschluss oder nach dem Feierabend zahlreiche Falschparker gesichtet. Weil das allein nicht zu schaffen wäre, bekommt das Ordnungsamt Unterstützung vom Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB), die auf den See-Parkplätzen Falschparker aufnehmen und ans Ordnungsamt weiterleiten.

Spielt das Wetter nicht mit, haben die Politessen rund ums Klinikum und Altstadt einiges zu tun. „Die Dorothea-Erxleben-Straße, die Albert-Schweitzer-Straße und die Westpromenade – dort finden wir fast immer jemanden, der falsch parkt“, erklärt Politesse Kerstin Paul, die gerne auch mal ein Auge zudrückt. Außer es geht um die Notaufnahme, Feuerwehrzufahrten und Schwerbehindertenparkplätze. „Da machen wir auch keine Ausnahmen und lassen nicht mit uns reden“, sagt sie. Kritisch sei auch die Ernst-Thälmann-Straße in Brieske, auf der Eltern parken und zum Schulschluss auf ihre Kinder warten, statt den nahe gelegenen Platz des Friedens zu nutzen. „Die Eltern parken die Gehwege zu und nutzen sie zum Wenden. Dabei bringen sie die Kinder in Gefahr“, erklärt Kerstin Paul.

Doch die Politesse betont, dass ihre Kolleginnen und sie – das Ordnungsamt Senftenberg beschäftigt keine männlichen Politessen, auch Politeure genannt – nicht mit aller Macht Einnahmen generieren wollen. Vieles passiere eben aus bloßer Unwissenheit, weshalb ihr erster Griff nicht zum Knöllchen geht. „Wir wollen die Menschen erst einmal belehren und sie auf ihren Fehler hinweisen. 80 Prozent der Menschen nehmen das dankbar an und parken dann auch sofort um“, erklärt die Politesse, die schon oft den umständlichen Weg über die Meldestelle gegangen ist, um Falschparker zu ermitteln und vor dem Abschleppen ihrer Autos zu bewahren. Erst, wenn das Gegenüber unfreundlich wird und diskutieren will, kennen die Damen kein Pardon. „Denn wie es in den Wald hinein schallt, schallt es auch hinaus. Wir sind immer freundlich, aber wenn uns jemand doof kommt, sitzen wir meist doch am längeren Hebel“, sagt Kerstin Paul.